Auf hohe Qualität kommt es an

Verwenden, nicht verschwenden: Köchin aus Martfeld unterstützt Slow-Food-Bewegung

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Barbara Stadler gehört zur Chef Alliance in der Slow-Food-Bewegung. Ihr Job ist es, das Wissen um nachhaltiges Kochen zu verbreiten und damit einen Beitrag zum Schutz der Umwelt und der Landwirte zu leisten.

Martfeld - Von Janna Silinger. Sie hat schon immer gern gekocht, ihr Leben lang mit Essen experimentiert. Schon als kleines Kind. Doch lange hat Barbara Stadler sich gegen eine Ausbildung zur Köchin gewehrt. Dort werde zu viel gelehrt und vermittelt, was ihrer Haltung nicht zusagt. Weder ihrer professionellen, noch ihrer persönlichen.

Sie ist eine klassische Quereinsteigerin. Angefangen hat sie mit mobiler Küche. „Heute nennt sich das Street Food“, fügt sie hinzu. Dabei legte sie stets großen Wert auf hohe Qualität der Produkte. Am besten Bio, immer regional. „Alles, was heute hip ist, habe ich schon vor 30 Jahren gemacht“, sagt sie lächelnd.

Mit 38 hat Stadler ihre Gesellenprüfung und anschließend den Meister abgelegt. Derzeit ist sie freie Köchin, kocht bei Feiern oder Küchenpartys, macht Catering bei Hochzeiten und Geburtstagen. Außerdem bespielt sie mehrere Kochschulen und arbeitet als Dozentin für das Netzwerk „Biostadt Bremen“.

Auch privat kocht sie, jeden Tag gleich zweimal. Denn sie gibt nicht gerne Geld für schlechtes Essen aus. Dann macht sie es lieber selbst und weiß genau, was drin ist. Wobei sie weder ein Leibgericht noch eine favorisierte Küche hat. Dafür ist sie zuviel rumgekommen, hat zu viel probiert. Die gebürtige Rheinländerin hat es vor 40 Jahren zufällig in den Norden verschlagen, wie die Stadtmusikanten wollte sie ihr Glück suchen. Zuvor hat sie lange in Südamerika gelebt, hauptsächlich in Chile. Sie ist immer viel gereist, hat aus jedem Land Inspiration erfahren und diese in ihre Kochkünste einfließen lassen.

Vor etwa 15 Jahren ist sie dann auf Slow Food gestoßen. Eine Bewegung, die sich gegen McDonalds beziehungsweise Fast Food auflehnt. „Dabei geht es auf keinen Fall darum, zu missionieren“, sagt Stadler. Die Idee sei es, den Verbraucher aufzuklären und die Bauern und die Region zu schützen. „Wenn die Höfe leer stehen, dann gibt es eben auch kein Essen, keine Bioverpflegung mehr.“ Dabei stehe auch das Bestreben im Raum, etwas für den Planeten zu tun, dem Klimawandel zumindest in einem gewissen Maße entgegenzuwirken. Denn Slow Food ist mehr als Essen. Es geht darum, weiterzuvermitteln, welche Speisen den Prinzipien der Nachhaltigkeit entsprechen.

Alle Produkte die Barbara Stadler nutzt, kommen aus der Region.

Die Aktiven folgen dem Motto „From Leave to Root“ – vom Blatt bis zur Wurzel. „Es gilt, alles zu verwenden und nichts zu verschwenden“, erklärt Stadler. Sowohl bei Pflanzen, als auch bei Tieren. Die Haltung Letzterer müsse sich auch stark verbessern: angefangen bei der Zucht, über die Mast, bis hin zum Kochtopf. „Man muss nicht den lebendigen Hummer ins kochende Wasser werfen. Es gibt andere Möglichkeiten.“ Das würde auch dem Berufsbild des Kochs zugutekommen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken, glaubt sie.

Vor sechs Jahren bildete sich die Slow Food Chef Alliance, zu der auch Stadler gehört. In dieser Gruppe sind deutschlandweit derzeit rund 40 Köche organisiert. Ihr Ziel: Aufklärung darüber, was wir essen. Das fängt schon dabei an, dass einem bewusst ist, wo Produkte herkommen.

Die Chef-Alliance-Kriterien schließen Gentechnik aus, sehen die Verwendung von regionalen Produkten und solchen aus biologischem Anbau vor. Gewisse tierische Produkte sind tabu, wie etwa Lachs. Stadler: „Der ist voller Antibiotika. Das ist ein heikles Thema. In Chile wird zum Beispiel Lachs produziert, der hat da aber nichts verloren.“ Lachszucht sei wie industrielle Schweinemast: „Ganz schlimm.“

„Terra madre – Salone del gusto“

Einmal jährlich organisiert der Verein das „Terra madre – Salone del gusto“, eine Art Messe in Turin. In diesem Jahr war auch Stadler als Delegierte der Chef Alliance dort. Es gehe um das Vernetzen, den Austausch zwischen Köchen aus aller Herren Länder, wie Peru, Ecuador, Indien, dem Kongo. Aber auch Landwirte, die Maisbäuerin aus Mexiko oder der Quinoa-Anbauer aus den Anden nehmen teil.

Die Organisation Slow Food hat es sich auf die Fahne geschrieben, Produkte kleinerer Landwirte zu schützen, damit Firmen wie Monsanto aufzuhalten, die „immer alles gleich machen möchten“. Trotz der hohen Qualität haben viele der Produkte keine Biozertifizierung, da es sich oft um kleine Betriebe handelt, die sich das Siegel nicht leisten können. Zu den Produkten gehöre auch die Diepholzer Gans.

Auch vegetarische Ernährung wird im Rahmen von Slow Food berücksichtigt. Stadler kocht gern mal ohne Fleisch. Denn auch so könne man ohne großen Aufwand, etwas leckeres auf den Tisch zaubern. Ihr Tipp, was immer im Vorratsschrank sein sollte: Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Lecker, gesund und leicht zuzubereiten.

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