Hans-Jürgen Wachholz recherchiert in Italien zur Geschichte des früheren Ordens

Das Kloster Heiligenberg ist sogar in Rom Thema

Relikt der Klosteranlage Heiligenberg: Hans-Jürgen Wachholz vor dem Bruchstück eines Grabsteins, auf dem kniende Personen zu erkennen sind. - Foto: Ulf Kaack

Heiligenberg - Von Ulf Kaack. Das einstige Kloster auf dem Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen birgt bis heute eine Menge Rätsel und Geheimnisse. Diese zu entschlüsseln, hat sich Hans-Jürgen Wachholz zur Aufgabe gemacht. Seine historischen Recherchen führten ihn kürzlich in höchste kirchliche Kreise in Rom.

Vier Tage lang war der Bruchhausen-Vilser Wachholz zu Gast bei Prämonstratenser-Generalabt Thomas Handgrätinger, dessen Amts- und Wohnsitz sich touristisch wertvoll direkt neben den Caracalla-Thermen und nur wenig entfernt vom Circus Massimo, dem Colosseum, Monte Palatino und dem Forum Romanum befindet.

„Wir haben uns intensiv über die fast 900-jährige Geschichte des prämonstratensischen Ordens unterhalten, im Besonderen natürlich über das Kloster Heiligenberg“, berichtet Wachholz von seiner Reise. „Der Generalabt kannte sich erstaunlich gut mit der Klostergeschichte des Heiligenbergs aus und hat seine Teilnahme an der 800-Jahrfeier 2018 und die Ausrichtung eines Gottesdienstes an der geschichtsträchtigen Stätte zugesagt. Ein echtes Highlight.“

Prämonstratenser-Generalabt Thomas Handgrätinger - Foto: Kloster Roggenburg

Handgrätinger regte an, eine Eucharistiefeier unter Einbeziehung des historischen Abendmahlkelches, der 1543 nach der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters in den Besitz der Pfarrgemeinde Asendorf gelangte, auf dem Heiligenberg-Gelände auszurichten. Außerdem empfahl er im Zusammenhang mit den musikalischen Darbietungen während der 800-Jahrfeier, Werke aus der Feder des oberschwäbischen Kirchenmusikers und Komponisten Nikolaus Betscher zur Aufführung zu bringen. Der war der letzte Abt des Prämonstratenser-Klosters Rot an der Rot (Baden-Württemberg) vor dessen Säkularisierung und ein enger Freund von Joseph Haydns Bruder Michael, ebenfalls ein berühmter Komponist seiner Epoche.

Das Prämonstratenserstift St. Thomas und Maria in Heiligenberg wurde 1218 als Propstei von den Grafen von Wernigerode auf deren Erbgut gestiftet, so die bisherige akademisch-wissenschaftliche Darstellung von Historikern. Doch es gibt Gründe, daran zu zweifeln. Und Schwierigkeiten, einen Gegenbeweis darzulegen. Den will Hans-Jürgen Wachholz führen.

So kam während seiner Rom-Visite auf Initiative des Generalabtes Handgrätinger ein vierstündiges Treffen mit Dr. Bernard Ardura zustande. Der Südfranzose ist Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften und Leiter des Geheimen Vatikanischen Archivs. Das Trio erarbeitet gemeinsam eine To-do-Liste, um im Archiv des Vatikans nach bislang unbekannten Spuren zu forschen. „Wir wollen Hinweise finden, die bisher nur durch Indizien gestützte Thesen bestätigen, dass die Stiftung Heiligenbergs durch ein Mitglied des Hauses Oldenburgs erfolgt ist“, erklärt Hans-Jürgen Wachholz. „Die Machtverhältnisse und politischen Konstellationen im frühen 13. Jahrhundert sprechen für eine Stiftung durch den Bremer Erzbischof I. aus der Linie Bruchhausen-Wildeshausen der Oldenburger. Möglicherweise auch für seinen Bruder, den münsteraner Fürstbischof Otto I.

Dr. Bernard Ardura hat versprochen, bis zur 800-Jahrfeier in dieser Angelegenheit Licht ins Dunkel zu bringen. Doch stehen ihm hierbei einige Hürden im Weg, denn das Geheime Vatikanische Archiv ist kaum systematisch katalogisiert, erst recht nicht chronologisch sortiert oder digitalisiert. Also eine Mordsarbeit für die Recherchierenden, was durch die dünne Personaldecke des Archivs erst recht nicht begünstigt wird. Doch Wachholz ist sich sicher, dass die beiden hochkarätigen Geistlichen alle Hebel in Bewegung setzen werden, um in zwei Jahren eine gehaltvolle Jubiläumsveranstaltung realisieren zu können.

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