Gabriele Banko lieferte in Robberts Huus in Schwarme

Kleinkunst ganz groß

Gabriele Banko überzeugte nicht nur mit gesanglichen Qualitäten, sondern auch mit schauspielerischem Talent. Johannes Grundhoff steuerte die instrumentale Ebene und die zweite Stimme bei. - Foto: Ulf Kaack

Schwarme - Von Ulf Kaack. Wenn ein Kaminfeuer singen könnte, dann klänge dessen Stimme wie die von Gabriele Banko. Sehnsuchtsvolle Lieder für eine abgrundtiefe Stimme, versprach die Vokalistin in wohligem Kontra-Alt ihrem Publikum am Samstagabend auf der vollbesetzten Diele im Robberts Huus und lieferte prompt. „Sehnsucht – von Knef bis Alexandra“ titelte das Programm.

„Eins und eins das macht zwei“ – von Hildegard Knef erstmals 1963 auf Vinyl zu Gehör gebracht – markierte den Start in ein volltönendes Hörerlebnis, bei dem sich ein stetiger Wechsel wie ein roter Faden durchs Repertoire zog. Zwischen zartem Schmalz und lakonischer Ironie, Chansons voller Scharfzüngigkeit und Populärem mit Tiefgang und Fernblick kreisten die Ingredienzien. Nein, massenkompatible Schlager waren es keinesfalls, die zu vernehmen waren. Vielmehr die hohe Kunst der ganz großen Unterhaltung.

Dabei gab sich Gabriele Banko – neben ihren unüberhörbaren gesanglichen Qualitäten auch mit schauspielerischem Talent gesegnet – variantenreich. In der Rolle der Verruchten fühlte sie sich ebenso wohl wie in der einer klassischen Diva, mimte die Suffragette und die Kabarettistin. Kleinkunst ganz groß.

Die Stimmgewaltige aus Bremen, mit Wurzeln in Quakenbrück und Gesangsstudium an der Frankfurter Musikhochschule, adaptierte von den ganz großen Damen ihres Fachs: Die wunderschöne, in Moll getragene Ballade „Er war gerade 18 Jahr“ von Dalida, „Ich brauch’ kein Venedig“, „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ und „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ von Hildegard Knef oder „Die Fischer von Langeoog“, die musikalische Flaschenpost von Lale Andersen. Vitalisiert kam „Mein Freund der Baum“ – einst gesungen von Alexandra – daher, deutlich flotter und verspielter. Nach der Pause verzichtete die Sängerin übrigens dem Wunsch des Publikums folgend auf Mikrofon und Verstärker, bewältigte das Repertoire fortan ohne Schwierigkeiten akustisch.

Nostalgisch verklärt ging so manchem das Herz auf, nicht selten um urplötzlich in Irritation zu erstarren. Denn an so manch bekannter Textpassage hatte Gabriele Banko mit missionarischem Eifer, wie sie sagte, Hand angelegt. „So ein Mann“ von Margot Werner mutierte zu einer Parabel auf das Thema Stalking, der Zarah Leander-Titel „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“ wurde zu einem humoristischen Statement in Sachen Anti-Aging, Mode und Kosmetik.

Souverän im Hintergrund agierte indes Johannes Grundhoff. Der Tastenmann, dessen förmlicher Frack samt Fliege und Weste optisch nur wenig mit dem modernen E-Piano harmonisierte, steuerte vornehmlich auf angemessen zurückgenommene Weise die instrumentale Ebene und die zweite Stimme bei. Zudem lieferte er so manch unerwartete Pointe aus dem Off.

Zwischen Haifischbar, vertonten Groschenromanen und gut kaschierter Moderne positionierte Gabriele Banko den Spannungsbogen. Gleichzeitig sprang die charismatische Frau durch verschiedenes Genres und Epochen, von den 30er- bis in die 70er-Jahre, lieferte ein repräsentatives Bild anspruchsvoller weiblicher Sangeskunst.

So bildete Margot Werners balladesk vorgetragenes „Ich hab‘ im Leben nichts bereut“ – das in seiner Opulenz durchaus Erinnerungen an Sinatras „My way“ aufkommen ließ – das adäquate Finale eines gelungenen Abends zwischen Melancholie und feinsinnigem bis derben Humor. Als Erkenntnis bleibt außerdem das neuerworbene Wissen um die Tatsachen, dass Filet Stroganoff und Kannibalismus miteinander zu tun haben und dass sich Waldemar auf Bioschlachtaaaaar reimt.

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