Ein zusätzlicher RTW in der Tagschicht

Kleine Intensivstation für die Rettungswache in Bruchhausen-Vilsen

Mann wirft Fahrer eines Rettungswagens einen Schlüssel zu.
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Schlüsselübergabe unter Corona-Bedingungen: Landrat Cord Bockhop erweist sich als zielsicherer Werfer, Fabian Martens fängt souverän.

Samtgemeinde – Erst seit gut sechs Wochen ist der neueste Rettungswagen (RTW) in der Flotte der Rettungsdienst Landkreis Diepholz GmbH in Betrieb, auf dem Tacho hat er aber schon um die 7  000 Kilometer. Die Wege auf dem Lande sind weit. Und genau das ist der Grund, warum der Landkreis die Rettungswache in Bruchhausen-Vilsen aufstockt: Um einen zweiten Wagen und insgesamt vier Rettungskräfte.

Landrat Cord Bockhop besuchte die Wache am Donnerstagnachmittag, um den Schlüssel verspätet symbolisch, aber eben doch noch offiziell zu überreichen.

1700 Einsätze für den RTW

Mehr als durchschnittlich 1 700 Einsätzen pro Jahr bewältigen die Retter von ihrem Standort an der Bundesstraße 6 aus, rechnerisch knapp fünf am Tag. „Bei etwa 300 dieser Notrufe aus der Samtgemeinde war der RTW bisher bereits im Einsatz, dann musste die Wachen aus Hoya, Sulingen oder Bassum ein Fahrzeug nach Bruchhausen-Vilsen schicken“, berichtet Dirk Seifert als Leiter des Einsatzdienstes vom Alltag, der jetzt für alle komfortabler geregelt sein soll. Allen voran für Menschen in Not.

„Eine Wiederbelebungsmaßnahme soll in den ersten 15 Minuten beginnen, um Hirnschäden zu vermeiden“, nennt Dirk Seifert ein Beispiel dafür, dass der Rettungsdienst so dezentral aufgestellt ist. Der Landkreis betreibt vier Wachen mit jetzt zehn Fahrzeugen und insgesamt 55 Mitarbeitern. Die übrigen stehen unter der Regie des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Intensivstation unterwegs

„Das ,Auto‘ ist ein wesentlicher Bestandteil des Systems Rettungswesen, zu dem die niedergelassenen Ärzte ebenso gehören wie die Kliniken“, führt der Landrat aus und argumentiert erneut für die Entscheidung des Kreistags, künftig nur eine Klinik im Landkreis zu betreiben (wir berichteten). „Ein RTW vor der Haustür ist viel wichtiger als ein Krankenhaus vor der Haustür“, meint er bei einem Pressegespräch zur Diskussion um die Zentralklinik. „Wir bauen ein Krankenhaus, in dem wir hohe Qualität vorhalten, und weiten vor Ort den Rettungsdienst aus“, sagt er.

„Dieses Fahrzeug ist wie eine kleine Intensivstation“, stellt Dirk Seifert die Ausstattung des neuen RTW vor. Monitorüberwachung mit integriertem Defibrillator, Beatmungsgerät, Perfusor für eine optimale Dosierung der Medikamente, Material zur Traumaversorgung - all das kann die in der Regel zweiköpfige Besatzung einsetzen.

Während das bisherige Fahrzeug seinen Rund-um-die-Uhr-Dienst in Bruchhausen-Vilsen fortsetzt, ist der zusätzliche Rettungswagen täglich von 8 bis 20 Uhr einsatzbereit, samstags von 10 bis 21 Uhr. „Diese Zeiten hat ein Gutachter aus dem Einsatzgeschehen errechnet“, erklärt Dirk Seifert. In dieser Zeit komme es zu den meisten Duplizitäten, also zeitgleichen Einsätzen.

Die Anzahl der Notrufe nehme um zehn Prozent im Jahr zu, berichtet der Landrat. „Weil die Menschen mit der 112 die Nummer anrufen, die schnelle Hilfe verspricht.“ Etwa 10 000 Einätze im Jahr arbeite der Rettungsdienst des Landkreises ab, weitere 30 000 das DRK. Die allermeisten Notrufe hätten einen ernsten Hintergrund. „Auf dem Land wählen die Leute den Notruf oft erst, wenn sie den Kopf unterm Arm tragen“, veranschaulicht Dirk Seifert.

Mehr Anrufe bei 112

Das zusätzliche Fahrzeug soll dieses steigende Aufkommen an Einsätzen abfangen, aber die langen Einsatzzeiten, die sich durch entsprechend lange Fahrtwege ergeben. „Patienten aus Bruchhausen-Vilsen mit Herzinfarkt bringen nach Nienburg, Diepholz oder Bremen/Links der Weser. Das dauert“, so Seifert.

Neu Tages-RTW in der Samtgemeinde ist auch die äußere Gestaltung. Vor allem eine spezielle Schraffur auf den Hecktüren soll Autofahrer schon von Weitem auf den Rettungsdienst aufmerksam machen. „Das ist für die Sicherheit unserer Kräfte wichtig“, erklärt Dirk Seifert.

Etwa 90 000 Kilometer laufe ein Rettungsfahrzeug, bis es aus dem Notfallgeschäft entlassen werde und zur Flotte der Krankentransportwagen wechselt. Damit die Witterung nicht unnötig an der Kondition dieses 160 000 Euro teuren Mobils nagt, werde die Wache in Bruchhausen-Vilsen um eine Garage erweitert. „Wir sind dabei zu planen“, sagt der Landrat.

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