Klares Ergebnis überrascht Beteiligte / „Wichtig ist, was die Bürger wollen“

59,5 Prozent der Wähler stimmen für die Fusion

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356 Einwohner gaben gestern in der Nolteschen Scheune in Süstedt ihre Stimme ab. Dazu gehörten Bernhardine Stellmann und ihr Sohn Holger.

Und Andree Wächter - Von Mareike Hahn. Die Bürger haben entschieden: Die Gemeinde Süstedt wird zum 1. November 2016 mit dem Flecken Bruchhausen-Vilsen fusionieren. Beim gestrigen Bürgerentscheid votierten 510 Einwohner aus den Ortsteilen Süstedt, Uenzen und Ochtmannien für den Zusammenschluss; 347 setzten ihr Kreuz für eine weitere Eigenständigkeit ihrer Heimatgemeinde. Somit bestätigten die Wähler den Beschluss des Gemeinderats, der im Oktober vergangenen Jahres mit großer Mehrheit für die Fusion gestimmt hatte.

Die Erleichterung stand Süstedts Bürgermeister Reinhard Thöle gestern Abend ins Gesicht geschrieben. Er verfolgte die Stimmenauszählung zusammen mit Gemeindedirektor Bernd Bormann und rund einem Dutzend Bürger, darunter mehrere Süstedter Ratsmitglieder, im Rathaus Bruchhausen-Vilsen. „Sehr schön“, kommentierte er die Entscheidung der Bürger und räumte ein: „Mit diesem klaren Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Ein wenig angespannt war ich schon.“ Insbesondere die 102 Pro-Fusion-Stimmen aus dem Ortsteil Süstedt – dort leben die meisten Fusionsgegner – seien überraschend. Vom Rathaus wollte Thöle noch zur Wahlparty der Interessengemeinschaft „Bürger Pro Fusion“ im Uenzer Dörphus fahren: „Richtig feiern werde ich aber nicht, sondern den Abend eher für mich genießen.“

Dass ganze 59,5 Prozent der 857 Wähler für die Eingemeindung votieren würden, hatte auch Gemeindedirektor Bormann nicht erwartet. „Das Ergebnis ist eindeutig, jetzt kann der Gemeinderat weiterarbeiten“, sagte er. „Fast 20 Prozent Unterschied zwischen den Ja- und Nein-Stimmen sind schon eine Hausnummer.“

„Total glücklich“ zeigte sich gestern Abend Bürgerin Annette Brümmer. Sie stieß zusammen mit einigen anderen Süstedtern bei der Wahlparty auf das Resultat an. Gleichzeitig würdigte sie das Engagement der Initiative für den Erhalt der Gemeinde Süstedt, die viel Zeit und Herzblut investiert hatte, um für die Eigenständigkeit Süstedts zu werben. „Die Fusionsgegner haben tolle Arbeit geleistet“, erklärte Brümmer. Mit Blick auf die nächsten Kommunalwahlen, bei denen sich die Süstedter erstmals für den Fleckenrat aufstellen lassen können, sagte sie: „Ich wünsche mir starke Kandidaten.“

Einwohner Heinrich Struß freute sich nicht nur über das Ergebnis, sondern auch über die Wahlbeteiligung von 68,1 Prozent: „So viele Wähler wünsche ich mir auch für die Kommunalwahlen 2016.“ Die Beteiligung zeige, dass die Dorfgemeinschaft intakt sei, ergänzte der Uenzer Gert Kracke. Er lobte das „Gespür der Bürger für die richtige Entscheidung“.

Oliver Stellmann, Sprecher der Initiative für den Erhalt der Gemeinde Süstedt, zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Viele Leute haben ihre Stimme abgegeben – das ist es, was wir wollten.“ Enttäuscht sei er nicht: „Ich habe von vornherein gesagt, dass sowohl die Fusion als auch die Eigenständigkeit möglich sind. Wichtig ist, was die Bürger wollen.“ Die Initiative habe viele Themen durchleuchtet und dadurch hoffentlich auch dauerhaft mehr Transparenz in die regionale Politik gebracht. Die Arbeit habe sich in jedem Fall gelohnt. „Jetzt können wir nach vorne gucken“, sagte Stellmann und kündigte an: „Ich werde mich auch in Zukunft in der Region einbringen und Dinge kritisch hinterfragen.“

Ein weiteres Engagement von Stellmann und seinen Mitstreitern würde Bürgermeister Thöle begrüßen: „Den Einsatz der jungen Leute fanden wir alle unheimlich positiv. Ich werde sie zur weiteren Mitarbeit einladen.“ Wenn die Bürger weiter vernünftig miteinander umgingen, könne die Gemeinde von dem Bürgerbegehren profitieren. Auch Thöle lobte die große Zahl der Wähler: „Die Wahlvorstände in allen drei Orten haben gesagt, dass Leute zur Wahl gekommen sind, die sie vorher noch nie gesehen haben.“

Der Süstedter Rat wird sich morgen zu einer internen Sitzung treffen. Dann geht es unter anderem um den diesjährigen Haushalt. Um den Stichtag 1. November 2016 einzuhalten, werden die Beteiligten die Fusion laut Gemeindedirektor Bormann nun „mit Vehemenz“ vorantreiben.

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