Beitragsfreiheit kostet Samtgemeinde 150.000 Euro

Kitaplätze in Bruchhausen-Vilsen werden knapp

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Das neue Kindergartenjahr beginnt erst im August, aber schon jetzt sind fast alle Plätze in den Einrichtungen belegt.

Einen Überblick über die Zahlen gab Cattrin Siemers, Ressortleiterin Bildung bei der Samtgemeinde, während der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses im Rathaus in Bruchhausen-Vilsen.

Auch in den nicht-kommunalen Einrichtungen wird es nach Siemers’ Angaben eng. Der noch bis Sommer von einem Verein betriebene Spielkreis Rabenhöhle in Bruchhausen-Vilsen hat keine Kapazitäten mehr, der Waldorfkindergarten in Engeln sei komplett belegt, und vom Spielkreis Nestlinge in Uenzen gebe es noch keine Zahlen.

Siemers geht davon aus, dass im neuen Kindergartenjahr alle Kids untergebracht werden können. Schwieriger werde das in Zukunft, wenn die Kindergartengebühren entfallen. „Viele Eltern haben die gesetzlichen Änderungen noch nicht so auf dem Zettel“, schätzt Siemers.

Problem Nummer 1 ist die Beitragsfreiheit

Da ist zum einen die vom Land geplante Beitragsfreiheit für Drei- bis Sechsjährige: Sie besuchen ab Sommer kostenlos den Kindergarten.

„Wenn die Eltern von Kindergartenkindern keine Gebühren mehr zahlen, fehlen der Samtgemeinde viele Einnahmen“, erklärte Siemers. „Das Land will zwar die Finanzhilfe erhöhen, aber das ist nicht für alle Kommunen auskömmlich.“ 

Gleichzeitig kritisierte Siemers, dass Vertretungskräfte nicht in die Finanzhilfe eingerechnet werden und die Sätze nicht an Tarifsteigerungen angepasst werden sollen.

Knapp drei Millionen Euro zahlt die Samtgemeinde für Betreuung

„Wir rechnen durch den Beschluss des Landes mit 150.000 Euro Mindereinnahmen im nächsten Jahr“, sagte die Fachbereichsleiterin. Schon jetzt bezuschusst die Samtgemeinde die Kinderbetreuung laut Haushaltsplan mit 2,89 Millionen Euro aus eigener Tasche.

Siemers ist sicher, dass die Anmeldezahlen für die Krippen zukünftig steigen werden: „Wenn der Kindergartenbesuch kostenlos wird, leisten es sich bestimmt mehr Eltern, ihr Kind in eine Krippe zu schicken.“ Auch von einer erhöhten Betreuungszeit (zumindest im Kindergarten) sei auszugehen. Siemers appellierte an Mütter und Väter, nicht mehr Betreuungszeit in Anspruch zu nehmen als nötig.

Problem 2 ist die Wahlfreiheit bei Sechsjährigen

Die zweite gesetzliche Neuerung: Eltern, deren Kinder zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, können ihr Kind ein Jahr länger im Kindergarten lassen. Ob sie das wollen, müssen sie bis zum 1. Mai entscheiden. 

„Das betrifft ein Viertel des Jahrgangs, also etwa 30 Kinder“, erklärte Siemers. „Dieses Jahr haben sich nur acht dafür entschieden, aber nächstes Jahr werden es sicher deutlich mehr werden.“ Für die Samtgemeinde bedeute das, dass sie erst nach dem 1. Mai die Verteilung der Kitaplätze angehen könne und damit später als bislang.

Die Folgen der gesetzlichen Neuerungen seien ein Grund, weshalb in der Samtgemeinde zwei neue Kindertagesstätten entstehen sollen, fuhr Siemers fort. Einen weiteren nannte der Ausschussvorsitzende Michael Albers (SPD): „Wir haben in allen Mitgliedsgemeinden erhebliche Bautätigkeit und erheblichen Zuzug. Noch vor wenigen Jahren haben wir darüber sinniert, Gruppen zu schließen in Schwarme und/oder Martfeld.“ Jetzt sieht die Situation ganz anders aus.

Neue Kitas werden mit vier Gruppen statt mit drei geplant

Die Samtgemeinde will in Bruchhausen-Vilsen einen neuen Kindergarten bauen, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) übernimmt ab Sommer 2020 das Gebäude des Kindergartens Löwenzahn, das es dann noch renovieren wird. Des Weiteren möchte die Lebenshilfe in Schwarme eine zusätzliche Kita errichten.

„Anders als zunächst vorgesehen, werden wir die neuen Kindertagesstätten nicht drei-, sondern viergruppig planen“, sagte Siemers. Jedes Gebäude werde so gebaut, dass ein Anbau im laufenden Betrieb möglich sei.

Rubriklistenbild: © dpa

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