„KinderWaldProjekttage“: Lehrreiches Programm auf dem Hof Arbste 7

Hänsel und Gretel hätten klatschen sollen

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Ein „Spinnennetz“ aus bunten Fäden entstand, als Kinder und Erwachsene sich auf dem Hof Arbste 7 mit Namen vorstellten und sich dabei Wollknäuel zuwarfen.

Arbste - Von Horst Friedrichs. Wie man in den Wald hineinklatscht, so trifft man sich wieder. Welchen Sinn diese Sprichwort-Verballhornung durchaus ergibt, lernten 14 junge Projektteilnehmer im Alter von fünf Jahren aufwärts auf dem Hof Arbste 7 in Asendorf. Unter der Leitung von Vera Henze, Ines Bormann und Manuela Halwig boten die drei „Waldtage für Kinder“, so der Programmtitel, indes noch eine Menge mehr. Dass über den Wipfeln nicht nur Ruhe herrscht und was auf dem Boden unter trockenen Blättern und Zweigen wimmelt, gehörte zum staunenswert vielfältigen Inhalt der spielerischen Waldspaziergänge.

Wie unterschiedlich die Symbolik des Klatschens sein kann, erfuhren die Eltern am späten Sonnabendnachmittag, als sie ihre Kinder abholten. In den drei Tagen zuvor hatten die Mädchen und Jungen eine Menge gelernt. Unter anderem, was man alles ausdrücken kann, wenn man in die Hände klatscht.

Einen Moment lang waren die Eltern denn auch verblüfft, als sie in der Runde unter den alten Bäumen des Hofs von rauschendem Beifall begrüßt wurden. So schien es. Dann aber erzielte die ungewöhnliche Art des Empfangs ihre Wirkung, und Mütter und Väter, Omas und Opas, Brüder und Schwestern fielen in das Klatschen ein – anfangs ein wenig zögernd, schließlich immer kräftiger, bis sich das Aha-Erlebnis dieses fröhlichen Begrüßungsrituals bei den bis eben noch ahnungslosen Abholern durchgesetzt hatte.

Im Wald kann man sich schnell mal verlaufen oder den Anschluss verlieren, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist. „Herumschreien nützt dann wenig“, vernahmen die Kinder von Vera Henze, die derzeit eine Ausbildung zur Waldpädagogin absolviert. Und tatsächlich: Das Klatschen hört man besser, wenn man sich wiedertreffen möchte. Hätten die Grimmschen Märchenfiguren Hänsel und Gretel das gewusst, wären sie der bösen Hexe vielleicht nicht auf den Leim gegangen.

„Klatschen kann vieles ausdrücken“, erklärte Vera Henze weiter, „so zum Beispiel das Signal ,Wir wollen alle zusammenkommen‘ als Bestandteil der waldpädagogischen Regeln.“ Klatscht jemand allein, kann er damit kundtun: „Ich möchte etwas sagen.“

Nach der Begrüßung folgte die Vorstellungsrunde auf dem Bauernhof von Vera und Peter Henze im Asendorfer Ortsteil Arbste: Kinder und Erwachsene stellten sich rund um ein „Spinnennetz“ aus bunten Wollfäden auf, das bei früheren Anlässen dieser Art schon begonnen worden war. Die Teilnehmer nannten ihre Namen und warfen sich Wollknäuel zu, und ganz nebenbei konnten sie feststellen, dass das „Spinnennetz“ immer dichter und bunter wurde. Weiter ging es in die Scheune, wo die Kinder stolz ihre „Arbeitsblätter“ zum Thema Baumkunde zeigten.

Und dann ab in den Wald mit seiner atemberaubenden Atmosphäre: Richtig gemütlich wurde es auf dem Waldsofa; dort stellte die Teilnehmerrunde ihre Waldfiguren vor – Puppen aus Aststücken und weiteren Bodenfunden. Die Betonung lag auf „Fund“: Nichts wurde gepflückt, abgerissen oder abgebrochen; nur Herumliegendes wurde verwendet.

„Selbst Kinder vom Land kennen den Wald nicht“, erzählte Manuela Halwig. So wurde das Kennenlernen von Bäumen und Pflanzen für die jungen Teilnehmer aus Asendorf, Bruchhausen-Vilsen und Umgebung zu einer Entdeckungsreise in das so naheliegende Unbekannte – getoppt noch vom Verarbeiten der „Fundsachen“ vom Waldboden. „Das Gestalten mit den eigenen Händen regt die Fantasie der Kinder an“, berichtete Ines Bormann, „und letztlich fördert es die Feinmotorik.“

Den Abschluss des Abholprogramms bildete ein heiteres Ratespiel, ehe es Kaffee und Kuchen gab. „Die heutige Veranstaltung“, sagte Peter Henze, „ist aus dem Tafeltheater in Bruchhausen-Vilsen hervorgegangen.“ Das Tafeltheater besteht seit sieben Jahren und wurde sogar für einen Kulturpreis der Bundesregierung nominiert. Auch die „KinderWaldProjekttage“ finden große Anerkennung, insbesondere dadurch, dass sie vom Landschaftsverband Weser-Hunte gefördert werden, weshalb die Teilnahme kostenlos ist.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse

www.landundkunst.de

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