Thomas Rupf referiert über Machtkämpfe

Kinder sind Meister im Weghören

Thomas Rupf. - Foto: jaw

Br.-Vilsen - Von Jana Wohlers. „Warum muss ich meinem Kind eigentlich alles zehnmal sagen – und es passiert trotzdem nichts?!“ Mit dieser Frage beschäftigte sich vergangene Woche der letzte Vortrag der Reihe „Eltern zwischen Macht und Ohnmacht“ im Schulzentrum in Bruchhausen-Vilsen. Diplom-Pädagoge Thomas Rupf referierte vor zahlreichen interessierten Müttern und Vätern zum Thema „Machtkämpfe der Kinder – wie gehe ich damit um?“ und bot einen ebenso humorvollen wie lehrreichen Abend.

Egal, ob die Nicht-ins-Bett-wollen-Problematik oder das Ich-habe-keine-Lust-auf-Zähne-putzen-Gequengel – „die Probleme kennen Sie natürlich alle gar nicht“, scherzte Rupf. Er präsentierte sich nicht nur als Mann vom Fach, sondern sprach auch als fünffacher Vater zu dem Publikum. Er weiß: Was in der Theorie zumeist ganz leicht klingt, verlangt den Eltern in der praktischen Umsetzung oft eine große Portion Disziplin ab. „Zu allererst möchte ich Sie beruhigen: Dass Eltern alles zehnmal sagen müssen, liegt weder an den schlechten Ohren noch am Geisteszustand Ihrer Kinder. Wir reden hier über ganz gesunde, menschliche Probleme.“

Die Hauptproblematik im scheinbaren Verständigungsproblem zwischen Eltern und Kindern liegt nicht in einem mangelnden Verständnis begründet, sondern entsteht durch unterschiedliche Bedürfnisse der Generationen. „Kinder haben ein ‚Ich‘-zentriertes Denken. Sie leben in der Gegenwart, im Hier und Jetzt“, sagte Rupf.

Mit altbekannten Situationen, die den Zuhörern stets ein Schmunzeln oder Kopfnicken abverlangten, deckte Rupf die trickreichen Machtkämpfe der Kinder auf: Sie haben das Weghören perfektioniert, das Diskutieren geübt („Ich argumentiere doch nur! Darf ich jetzt schon keine Argumente mehr haben?“) und das Auslösen von Schuldgefühlen bei den Eltern einstudiert („Ich weiß, dass ich zu blöd für Mathe bin. Immer mache ich alles falsch!“). „Wenn Ihr Kind etwas nicht so macht, wie Sie wollen, haben wir ein Willens-, kein Verständnisproblem“, erklärte Rupf. „Alles ganz normal.“

Der Diplom-Pädagoge, der mit seinen Vorträgen bundesweit unterwegs ist, zeigte den Eltern die größten situativen Problemverursacher auf. „Eltern fragen – und reden – zu viel. Wer fragt, muss ein ,Nein‘ akzeptieren. Reden bringt nicht viel, wenn Sie sich am Ende nicht durchsetzen können“, sagte der Referent. Der wichtigste Aspekt in den täglichen Machtkämpfen: Grenzen setzen – und bis zum Ende durchhalten. „Wer Grenzen setzt und sie am Ende nicht einhält, wirkt inkonsequent und verliert an Autorität.“

Auch sollten Eltern bei einer Grenzsetzung nicht mit Spielchen arbeiten. Das laut Rupf beliebte „Wer ist schneller im Bett?“-Spiel etwa ist als Dauerzustand keine Lösung. Ebenso sollten Eltern zum Erreichen ihrer Ziele bei den Kindern keine Angst schüren oder die Wenn-Dann-Methode als Belohnung oder Bestrafung verwenden. Bezahlen Eltern ihre Kinder etwa für gute Noten in der Schule, so stellt sich nach einiger Zeit eine Abhängigkeit ein. „Wenn sie jedes Mal 7 000 Euro von Ihrem Chef bekommen würden, nur weil Sie pünktlich zur Arbeit erscheinen, dürfte Ihr Chef das doch auch nicht einfach abstellen, oder?“, fragte Rupf. „Was selbstverständlich ist, sollte man nicht belohnen.“

Auch Sätze wie „Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, darfst du nachher nicht zum Fußball“ versprechen keinen Erfolg, denn: „Das steht für Kinder in keinem logischen zeitlichen Zusammenhang.“

Thomas Rupf verstand es, den Eltern ein Lächeln und eine große Portion Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. Der Rat des Diplom-Pädagogen: „Seien Sie authentisch und hören Sie öfter auf Ihr Bauchgefühl. Schüren Sie nicht zu viel Drama – reden Sie weniger und tun Sie mehr!“

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