Corona „flächiges Geschehen“

Infektionsquote in Bruchhausen-Vilsen auffallend hoch

Mann in Corona-Schutzkleidung
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Nabil Khodr betreibt seit dem 11. Dezember eine Teststelle an der Sulinger Straße 7 in Bruchhausen-Vilsen. An den Feiertagen hat er mehr als 200 Menschen bescheinigt, negativ auf das Corona-Virus getestet zu sein. Auch Silvester ist diese Teststelle geöffet.

Samtgemeinde – Das können doch keine Einzelfälle sein, raunt es im Dorffunk. An Supermarktkassen, beim Spaziergang, bei Weihnachtsbesuchen spekulieren die Menschen in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, wie ihre Kommune zu den Festtagen zu dem umrühmlichen Titel kam, am schlimmsten von Corona betroffene Region im Landkreis zu sein. Doch. „Es handelt sich um ein flächiges Geschehen“, bestätigte Kreisrat Jens-Hermann Kleine Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung.

„In der Samtgemeinde liegt die Anzahl der Infizierten tatsächlich relativ hoch“, heißt es aus dem Kreishaus. Doch weder eine einzelne Familienfeier noch eine einzelne Arbeitstelle lassen sich als Nährboden dieser Welle ausmachen. „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte dafür, wo diese flächige, relativ hohe Zahl herkommt“, so Kleine zu den Verhältnissen in Bruchhausen-Vilsen.

Bekannt seien hingegen Ansteckungswege. Sei jemand infiziert, stecke sich vor allem auch das familiäre Umfeld bei ihm an, kann Jens-Hermann Kleine zum Geschehen berichten.

Seit Mitte Juni schlüsselt der Landkreis in seiner tägliche Veröffentlichung das Infektionsgeschehen nur noch grob auf. Aus dem Zahlenwerk ist nicht mehr deutlich ersichtlich, wie viele Neuinfektionen es von einen auf den anderen Tag gibt. Sollte es jedoch Fälle an Schulen, in Kitas oder in Senioreneinrichtungen geben, weist der Landkreis dieses aus. In dieser Übersicht kam Bruchhausen-Vilsen in den vergangenen Wochen erfreulich selten vor. Corona in diesen Einrichtungen beschränkt sich auf Einzelfälle.

„Betroffen vom Geschehen sind alle Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde“, erläutert Kreisrat Kleine jedoch im Gespräch. Das „flächige Geschehen“, also die relativ gleichmäßige Verteilung der Infektionen auf das Gebiet der Samtgemeinde, beziehe sich auf Asendorf, Bruchhausen-Vilsen, Martfeld und Schwarme. „In jeder Gemeinde gibt es mindestens zehn akute Fälle“, sagte Kleine Dienstag zu den jüngsten Zahlen.

Demnach sind in der Samtgemeinde 76 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Im Vergleich zu 95 aktiven Fällen vor einer knappen Woche könne dennoch nicht von einem Abebben die Rede sein. Über die Feiertage sei lediglich deutlich weniger gestestet worden als in der Zeit davor. „Die Datenlage ist sicher nicht vollständig“, weist er auf ein bekanntes Problem der Datenerfassung hin. Und er erinnert: „Wie sich Treffen zu Weihnachten auf das Infektionsgeschehen auswirken, wissen wir erst in neun Tagen“; Die Inkubationszeitbeträgt 14 Tage. Beispiel für die Verzögerungen innerhalb des Meldesystems bietet eine Angabe von Dienstag: Am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen gibt es einen bestätigten Corona-Fall, heißt es in der täglichen Pressemitteilung. Der Betrieb an dieser und allen anderen Schulen ruht jedoch bereits seit einer Woche, es sind Weihnachtsferien. Ein Großteil der Schüler machte zudem vom Angebot des Landes Gebrauch, seit dem 19. Dezember nicht mehr am Präsensuntericht teilzunehmen.

Stand gestern hatten sich seit Ausbruch der Pandemie insgesamt 779 Menschen in der Samtgemeinde mit dem Virus infiziert. Im Landkreis waren es bis gestern insgesamt 11 069 Personen.

Elf Personen, die ihren Wohnsitz in der Samtgemeinde hatten, sind im Zusammenhang mit einer Infektion mit Covid-19 bisher verstorben. Kreisweit sind das bisher 118 Menschen.

Über das Infektionsgeschehen geben die Daten, die das Robert-Koch-Institut (RKI) zur Verfügung stellt, recht detaillierte Auskunft. Nicht so allerdings zum Impfgeschehen. „Wir als Landkreis haben keinen Zugriff auf die Daten des RKI“, sagt Jens-Hermann Kleine. Aussagen über bisher erfolgte Erst-, Zweit- oder Drittimpfungen der Einwohner lägen der Verwaltung nicht vor. An dieser Situation habe sich seit Beginn der Impfkampagne nichts geändert.

Das Interesse an den dezentralen Impfangeboten ist bisher jedoch ungebrochen hoch (wir berichteten). Auch in den mittlerweile zwei Testzentren herrscht reger Betrieb. 804 Personen haben sich seit Öffnung der Teststelle von Nabil Khodr im „Allerlei Postenmarkt“ an der Sulinger Straße 7 in Bruchhausen-Vilsen testen lassen.

Allein Heiligabend nutzen 86 Menschen das Angebot, am ersten Weihnachtstag waren es 79, am zweiten 49. „Die meisten benötigten die Bescheinigung für einen Besuch im Altenheim oder Krankenhaus“, weiß Khodr zu berichten. Aber auch Familien und Freundeskreise hätten sich verabredet, sich nur getestet zu treffen. „Vor allen vormittags war hier viel los“, erzählt Nabil Khodr über seine Dienstleistung an den Feiertagen.

Der organisatorische Ablauf, bei dem ihn seine Mitarbeiter unterstützen, erlaube eine kurze Wartezeit. „Die Unterlagen füllen wir während der Wartezeit auf das Testergebnis aus“, erklärt Nabil Khodr den Ablauf. Das Testergebnis selbst bescheinige er auf Papier, nicht online.

Bis zu acht Wartende können sich gleichzeitig in den Geschäftsräumen aufhalten, bevor jeder einzeln in einem separaten Raum getestet werde. Da das frühere Schuhgeschäft und die spätere Änderungsschneiderei nur über Stufen zu erreichen ist, kommt er weniger mobilen Menschen wortwörtlich entgegen. „Ich komme zu ihnen ans Auto“, sagt er. Bisher seien alle Ergebnisse in seiner Teststelle negativ ausgefallen.

Auch die Teststelle von Oliver Bender am Marktplatz hatte während der Feiertage geöffnet. Für eine Anfrage zur Resonanz war er Dienstag jedoch nicht zu sprechen.

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