Er verbindet Kulturen

Kamil Harbi ist erster „Lebenswege begleiten“-Bufti

In seiner Zeit als Bufdi arbeitet Kamil Harbi für „Lebenswege begleiten“ in der Flüchtlings- und Schülerhilfe und in der Fahrrad- und Selbsthilfewerkstatt.  
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In seiner Zeit als Bufdi arbeitet Kamil Harbi für „Lebenswege begleiten“ in der Flüchtlings- und Schülerhilfe und in der Fahrrad- und Selbsthilfewerkstatt.
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Br.-Vilsen – Kamil Harbi ist ein ausgeglichener und positiver Mensch. In seinem noch jungen Leben hat der 18-Jährige schon viel erlebt. Er spricht unter anderem vier Sprachen. Das kommt seiner Arbeit als erster Bundesfreiwilliger (Bufdi) mit Migrationshintergrund beim Verein „Lebenswege begleiten“ in Bruchhausen-Vilsen zugute. Dort geht seine Zeit am 31. Juli nach einem Jahr zu Ende.

Kamil Harbi blickt auf eine vielseitige Zeit zurück: „Es gab viele Bereiche, in die ich hineinschnuppern durfte.“ Kamil habe das „Rundum-Paket“ erleben dürfen, beschreibt Bianka Hrabowski, Leiterin der Schülerhilfe von „Lebenswege“ seinen Aufgabenbereich. Einer davon war die Flüchtlingshilfe. Dort habe er seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in die Arbeit einbringen können. „Ich weiß, was man denkt, wenn man seine Heimat verlässt“, erklärt er.

Kamil kommt ursprünglich aus dem Nordirak. Im Alter von 13 Jahren ist er mit seinem großen Bruder 2015 nach Deutschland gekommen. „Ich wollte nie nach Deutschland“, erinnert er sich: „Zu Hause ging es uns eigentlich ganz gut.“ Aber um des Friedens Willen habe er sich dennoch auf den Weg in ein fremdes Land gemacht. Von der Türkei aus war er die meiste Zeit zu Fuß unterwegs. „Das war eine unsichere Reise, aber wir haben es einfach riskiert“, sagt Kamil. Dabei wirkt er gefasst und rational.

Kamil Harbi erhält Unterstützung

Als er in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen ankam, konnte er noch kein Wort Deutsch. Deswegen hat ihn die Flüchtlingshilfe von „Lebenswege“ in den ersten Tagen begleitet und geholfen. Mittlerweile versteht er die Sprache und fühlt sich in der Region wohl: „Mir gefällt es hier. Mir geht es sehr gut und ich kann leben, wie ich immer leben wollte.“ Dass er jetzt auf der anderen Seite steht, freut ihn: „,Lebenswege‘ hat mir geholfen, jetzt helfe ich anderen.“

„Kamil verbindet Kulturen“, sagt Bianka Hrabowski und ergänzt: „Wir konnten durch ihn so viel lernen. In seiner Zeit als Bufdi hat er als Vermittler zwischen Geflüchteten und dem Personal sehr gute Arbeit geleistet. Das lag unter anderem auch daran, dass Kurdisch seine Muttersprache ist. Neben dieser Sprache spricht er auch noch Arabisch, Deutsch und Englisch – „Schulenglisch“, wirft Kamil Harbi mit einem Lachen ein. Diese Vielfalt ist für den Verein Gold wert. „Wenn Geflüchtete irgendwo einen Termin haben, dann komme ich als Übersetzer mit“, erklärt er.

Neben der Fluchltingshilfe ist Kamil Harbi bis zum Ende seines Bundesfreiwilligendienstes auch bei der Schülerhilfe und der Fahrrad- sowie Selbsthilfewerkstatt des Vereins tätig. „Kamil ist eigentlich überall“, sagt Bianka Hrabowski freudig. Bei der Schülerhilfe gibt er regelmäßig Nachhilfe. „Er ist ein absolutes Vorbild“, sagt Hrabowski im Hinblick auf den hohen Migrationsanteil bei der Schülerhilfe. „Das ist total viel wert. Die Kinder lieben ihn.“

Auch praktische Arbeiten wie Blumengießen und Rasenmähen gehören zu seinem Aufgabenbereich. Als „Lebenwege“ vor der Corona-Krise noch Deutschkurse für Mütter angeboten hat, hat Kamil sich manchmal um die Kinder der geflüchteten Mütter gekümmert. „Das war richtig schön. Die Kinder hatten Spaß und die Frauen konnten sich auf den Unterricht konzentrieren“, meint Bianka Hrabowski.

Zum ersten Mal bei „Lebenswege“ gekocht

An eine Sache bei „Lebenswege“ erinnert sich Kamil Harbi besonders gern zurück: Das erste Gericht, das er in seinem Leben gekocht hat – Falafel mit Salat. „Zu Hause darf ich nicht kochen, das macht immer meine Mutter. Hier darf ich kochen“, erklärt er lachend. „Er war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich die Leiterin der Schülerhilfe. „Es macht mir wirklich Spaß zu kochen“, resümiert Kamil.

Nach seinem Bufdi-Jahr möchte Kamil zurück an die Schule und sein Abitur machen. „Das ist mein Ziel“, sagt er selbst. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. „Ich kann schlecht im Voraus planen“, gibt Kamil zu. Außerdem möchte er sich jetzt noch nicht festlegen. Eine Rückkehr zu „Lebenswege“ ist zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen, was die Kollegen von ihm freut. „Kamil ist so vielseitig. Er ist zuverlässig und immer gut drauf. Eigentlich wollen wir ihn gar nicht gehen lassen“, meint Bianka Hrabowski.

Wenn Kamil seinen Bundesfreiwilligendienst abgeschlossen hat, dann werden bei „Lebenswege begleiten“ zwei Bufdi-Plätze zum 1. August frei. Hauptsächlich für die Flüchtlings- und die Schülerhilfe. „Das ist eine gute Chance, den Charakter zu entwickeln“, verspricht Bianka Hrabowski.

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