Kämmerer Andreas Schreiber verabschiedet sich / Nachfolger Hannes Homfeld war früher in Mathe „kein König“

Ein Auge lacht, das andere weint

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Der Nachfolger: Hannes Homfeld freut sich auf seine neue Stelle.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Ein bisschen komisch fühlte er sich gestern schon. „Mir wird jetzt richtig bewusst, was passiert“, sagte Andreas Schreiber. Zum letzten Mal saß der bisherige Kämmerer an seinem Schreibtisch im Rathaus Bruchhausen-Vilsen, zum letzten Mal schloss er seine Bürotür zu.

Andreas Schreiber verlässt sein Büro.

Am Montag tritt der 52-Jährige seine neue Stelle an – als Erster Stadtrat in Verden. Dort wird er den Fachbereich „Finanzen und Vermögen“ leiten. Sozusagen ein Schritt zurück zu den Wurzeln, denn bei der Kleinstadt absolvierte Schreiber einst seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Mit „einem weinenden und einem lachenden Auge“ verabschiedete Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann seinen Mitarbeiter. „Für ihn freut es mich unheimlich, aber wir verlieren einen guten Mann“, sagte er. Und auch wenn man mit Hannes Homfeld einen fähigen Nachfolger gefunden habe: „Andreas Schreibers Erfahrung und Wissensschatz kann man nicht eins zu eins ersetzen.“ Es werde sicher in der nächsten Zeit noch das eine oder andere Telefonat von Bruchhausen-Vilsen nach Verden geben.

Schreiber brennt für seinen neuen Job, aber der Abschied fällt ihm auch schwer: „Ich werde die Kollegen auf jeden Fall vermissen.“ Immerhin hat er fast 25 Jahre im Bruchhausen-Vilser Rathaus gearbeitet. Zuletzt oblag ihm das Ressort „Zentrale Dienste“, zu dem neben der Kämmerei und der Kasse auch das Personalbüro gehörte.

Letzteres fällt in Verden für Schreiber weg, dafür kommen Aufgaben rund um die Grundstücks- und Gebäudeverwaltung, die Gebäudewirtschaft, den Neubau und die Unterhaltung von Gebäuden sowie den Umwelt- und Naturschutz hinzu.

In Bruchhausen-Vilsen durchlief Schreiber verschiedene Fachbereiche, und die Vielfalt der Aufgaben erweiterte seinen Horizont. Manchmal sei es nicht ganz einfach gewesen, erinnert er sich. Zum Beispiel, als er Anfang der 90er-Jahre Fremdenverkehrsbeiträge bei verschiedenen (wenig begeisterten) Firmen anfordern musste. Spannend fand er es, vor sechs Jahren auch die Leitung des Bereichs Personal zu übernehmen. „Vieles geht mit Erfahrung und Bauchgefühl, aber einiges musste ich mir erst mal erarbeiten.“

Interessant seien auch die Jahre 2005 bis 2015 gewesen, in denen er nebenbei an der Berufschule in Syke die angehenden Verwaltungsfachangestellten im Fach Haushalt unterrichtete: „Es ist eine tolle Erfahrung, anderthalb Stunden Unterricht so zu gestalten, dass die jungen Leute zuhören und man auch was rüberbringt.“

Als persönlichen Erfolg verbucht der passionierte Camper es, den damaligen Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch 2006 überzeugt zu haben, dass ein Wohnmobilstellplatz in Bruchhausen-Vilsen keine Müllberge, sondern eine Bereicherung bedeuten würde. Dass er Recht hatte, bezweifelt heute wohl niemand mehr.

Privat bleibt Schreiber Bruchhausen-Vilsen verbunden: Seine Frau und er werden weiter im Luftkurort wohnen. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder: Sohn Marvin (22) arbeitet bei der AOK, Tochter Salina (25) im Bereich „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ im Landratsamt in München.

In seiner Freizeit joggt Schreiber gerne. „Das ist gut, um den Kopf freizukriegen.“ Und am Wochenende fährt er mit seiner Frau regelmäßig im Wohnmobil an die Nordsee, nach Lüneburg oder in den Harz.

Schreibers alter Fachbereich „Zentrale Dienste“ wird ab Februar in die Bereiche Finanzen, Personal und Kommunalverfassung aufgeteilt. Für die Finanzen zeichnet dann der neue Kämmerer Hannes Homfeld verantwortlich.

Der 24-Jährige aus Bruchhausen-Vilsen freut sich auf seinen neuen Posten. Er hat 2010 seine Ausbildung im gehobenen Dienst beim Landkreis Nienburg angefangen. „Schon während der Studienzeit habe ich meine Hingabe für Steuern und Finanzen entdeckt“, sagt er. Anschließend arbeitete er noch ein Jahr in Nienburg, bevor er im Sommer 2014 nach Bruchhausen-Vilsen wechselte, um sich dort mit Steuern und Abgaben zu befassen. „Das war mein persönlicher Sechser im Lotto“, sagt er und lacht. „Und dass ich jetzt Kämmerer werde, ist die Zusatzzahl.“ Er habe „unheimlich viel“ von Andreas Schreiber gelernt und fühle sich gut auf die neue Herausforderung vorbereitet.

Als Schwerpunkt sieht Homfeld in der nächsten Zeit, die Rückstände bei den Jahresabschlüssen aufzuarbeiten. „Das ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit“, betont er. „Sondern auch die Grundlage unseres zukünftigen Handelns.“

Das ist es, was der 24-Jährige, der in Mathe übrigens nie „ein König“ war, an seiner Arbeit schätzt: „Hinter den Zahlen steckt mehr, als es scheint. Die Finanzen geben den Handlungsrahmen für die Kommune vor.“

Nach Feierabend widmet sich der gebürtige Duddenhauser gerne seiner zweiten Leidenschaft: der Musik. Homfeld spielt Schlagzeug, Trompete und Keyboard. „Ich bin für alles zu haben – von Schlagern über Posaunenchor- bis zur Rockmusik.“

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