Maximilian Stratmann (25) arbeitet für Frank Thelen („Die Höhle der Löwen“)

Jungunternehmer aus Leidenschaft

Max Stratmann aus Bruchhausen-Vilsen ist Firmengründer aus Leidenschaft. Aktuell verhilft er dem Start-up Scanbot in ein wirtschaftlich lukratives Fahrwasser. - Foto: Ulf Kaack

Br.-Vilsen - Über zwei Grundeigenschaften verfügt Maximilian Stratmann: Er besitzt viel Fantasie und eine erhebliche Portion Ehrgeiz. Außerdem prägen ihn zwei weitere Leidenschaften – die Liebe zu Automobilen aus der Sportwagenschmiede Porsche und seine Affinität zur Gründung von jungen Unternehmen mit pfiffigen Ideen, auch als Start-ups bekannt. Nun stand er vor einer einschneidenden Entscheidung.

Bereits vor fünf Jahren machte Max Stratmann mit einem Start-up-Projekt von sich Reden: Gemeinsam mit zwei Kumpels gründete er das Modelabel „piu“. 20 Jahre war er damals alt und stand ganz am Anfang seines „International Business“-Studiums. Was zunächst mit modisch bedruckten T-Shirts begann, mauserte sich schnell zu einer recht erfolgreichen Marke für Strandkleidung, Streetmode und Skatefashion. Der BruchhausenVilser war für das Marketing und den Online-Shop verantwortlich.

„Ursprüngliches Ziel war es, dass wir drei von ,piu‘ leben können“, sagt der 25-Jährige, der heute in Bonn lebt. „Das haben wir nicht erreicht, was allerdings weniger an den Produkten lag. Die haben sich ganz ordentlich verkauft – und das weltweit. Wir drei standen voll im Studium und haben die Firma nebenbei geführt. Das reicht bei einer Neugründung nicht aus. Um die Umsätze und Erträge auf das gewünschte Niveau hochzufahren, hätten wir fulltime arbeiten müssen.“

Die Businesswege der drei Studenten trennten sich letztendlich. Darum hat Max Stratmann „piu“ im vergangenen Jahr liquidiert. Mittlerweile hat Max Stratmann sein BWL-Studium hinter sich gebracht, dabei erfolgreich den Bachelor und den Master of Science absolviert. Den inhaltlichen Schwerpunkt hat er auf den Bereich Automotive gesetzt, auf das Marketing innerhalb der Automobilbranche. Er war als Praktikant und Werkstudent acht Monate bei der Porsche AG in Zuffenhausen beschäftigt, für ihn das absolute Highlight des Studiums.

„Schon als Kind haben mich die rassigen Sportwagen fasziniert, vor allem der legendäre 911er“, plaudert Stratmann. „Bei Porsche ist man sehr bemüht um qualitativ hochwertigen Nachwuchs beim Personal. Das Unternehmen bietet Studenten verschiedene Förderprogramme an. So hatte ich das Glück, acht Monate lang im Produktmanagement von „Exclusive & Tequipment“ zu arbeiten. Dahinter verbirgt sich die werkseigene Sparte Veredelung, Tuning und Zubehör. Das war schon extrem spannend.“

Bei Porsche stehen dem Vilser bis heute die Türen offen. Er gehört dem Praktikantenprogramm „Pole Position“ an, wird von den Sportwagenbauern nach wie vor intensiv umworben. Eigentlich sah Stratmann auch seine berufliche Zukunft in Zuffenhausen. Wäre da nicht im Spätsommer vergangenen Jahres dieser Anruf von Frank Thelen gekommen.

Thelen gilt als eine Koryphäe im internationalen Wirtschaftsleben. Er ist Chief Executive Officer, also Geschäftsführer, der Risikokapitalfirma e42. Gezielt investiert sein Unternehmen in technologie- und designorientierte Jungunternehmer in der Frühphase ihrer Aktivitäten. Bekannt wurde er als Jurymitglied der Vox-TV-Show „Die Höhle der Löwen“.

„Frank gründete 2011 mit seinen Kollegen Marc Sieberger und Alex Koch, beide ebenfalls in der Geschäftsführung der e42, die doo GmbH, die mit einer App rund um das Verwalten von Dokumenten in den Markt eingestiegen war”, blickt Max Stratmann zurück auf die Anfänge. „Trotz allerbester Bewertungen konnten zunächst nicht genügend aktive Nutzer generiert werden, so dass er sich zur Neuausrichtung entschloss. Ich war positiv überrascht, als er mich am Telefon fragte, ob ich einsteigen wolle.“

Maximilian Stratmann trennte sich – unter großen Schmerzen, wie er sagt – von der verlockenden Option im Hause Porsche und schloss sich im September 2016 dem Thelen-Team als Mitglied der Geschäftsführung an. Als Head of Operations ist er für das Marketing und die Begleitung der Produktentwicklung verantwortlich. Knapp zwei Dutzend Mitarbeiter umfasst das Team der doo GmbH.

App namens Scanbot am Markt platziert

„Wir haben die App überarbeitet und optimiert, sie unter der Bezeichnung Scanbot 6 neu am Markt platziert“, berichtet der Jungunternehmer. „Schon vorher war sie von den Fachmedien durch die Bank hoch bewertet. Im App Store von Apple erhielt Scanbot 2014 und 2015 die Best-of-Auszeichnung. Nach dem Relaunch sind wir stolz auf weltweit sieben Millionen Nutzer und monatlich etwa drei Millionen Scanvorgänge. Und die Tendenz steigt, da ist noch viel mehr drin.“

Mit Scanbot lassen sich alle Arten von Dokumenten – Rechnungen, Urkunden, Verträge … – binnen Sekunden mit dem Smartphone als pdf-oder jpg-Datei einscannen. Die App erkennt automatisch die Kanten des Originals, glättet Ecken und Falze. Das Ergebnis ist ein gestochen scharfes Schriftbild. Anschließend können die Scans bearbeitet, benannt und im persönlichen Ordnungssystem archiviert werden. Dies geschieht in den gängigen Cloud-Services wie zum Beispiel in der Dropbox oder konventionell auf der Festplatte.

Die übersichtlich gestaltete und einfach zu bedienende App läuft unter den Systemen iOS und Android. Die Basisvariante von Scanbot kann sich der Anwender kostenlos aus seinem App-Store herunterladen. Die Variante Scanbot Pro kostet einmalig 7,99 Euro und kommt mit weiteren Features wie einer OCR-Texterkennung daher. Laufend wird an der Weiterentwicklung gearbeitet. Mit der App Unfade haben Stratmann und sein Team vor einigen Monaten ein weiteres Software-Produkt auf den Markt gebracht, mit dem ganze Fotoalben in hochauflösender Qualität und durch Filter optisch optimiert gescannt und katalogisiert werden können. Momentan läuft diese Entwicklung nur auf dem iPhone und iPad.

„Ich finde es äußerst spannend, wenn aus einer ersten Idee ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit einem sinnbringenden Kundennutzen entsteht“, beschreibt Max Stratmann seine ganz persönlichen Intentionen in der Business-Welt. „Die kreativen Prozesse in der Startphase, die zum Teil weltweiten Kontakte bei der Produktplatzierung, die Arbeit in einem jungen leistungsfähigen Team – all das macht mir viel Freude im Job, da bringe ich mich gern mit vollem Engagement ein. Und das Sahnehäubchen ist es, wenn sich am Ende der wirtschaftliche Erfolg einstellt.“ Das ist dem jungen Vilser zu wünschen. Und vielleicht stellt sich der Erfolg ja auch in nicht allzu ferner Zukunft in Form eines rassigen Dienstwagens der Marke Porsche ein. J ufa

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