D-Räder pausieren in Bruchhausen-Vilsen

Jungfernfahrt mit 95 Jahren

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Christa (vorne) und Rolf Friedrichs machten gemeinsam mit rund 100 Fahrern mit ihren „Springböcken“ Halt auf dem Bahnhofsvorplatz in Bruchhausen-Vilsen. 

Br.-Vilsen - Am Museumsbahnhof in Bruchhausen-Vilsen bot sich Samstag zur Mittagszeit ein Anblick, der jeden Nostalgiker entzücken musste: Im Hintergrund dampfte und zischte die Kleinbahn, und auf dem Bahnhofsvorplatz knatterten alte Motorräder: 90 D-Räder aus den frühen 20er-Jahren, alle noch rüstig, laut und gut im Schuss.

Die D-Rad-Freunde veranstalteten ihr 23. Internationales D-Rad-Treffen in Neuenkirchen und unternahmen von dort aus eine rund 100 Kilometer lange Ausfahrt. Bei der Museumsbahn war eine längere Mittagspause geplant. Dort hatten die Fahrer genügend Zeit, die auf den schlecht gefederten Zweirädern durchgeschüttelten Knochen wieder zurechtzurücken. Sie nahmen sich aber auch die Zeit, um den vielen Besuchern ihre liebevoll gepflegten D-Räder vorzustellen.

Früher wurden ihre Maschinen wenig respektvoll als „Springböcke“ und „Bauernmotorräder“ bezeichnet. Gebaut wurden diese Räder in Berlin-Spandau in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, als Motorräder, die auf den holprigen Straßen und Sandwegen strapazierfähig und auch von ungeübter Hand reparierbar sein mussten. „Das ist simpelste Technik, aber was nicht ist, kann auch nicht kaputtgehen“, erklärt der Organisator dieses Treffens, Rolf Friedrichs.

Fahrt nur bei Tageslicht möglich

Dass das älteste Modell am Samstag seine Jungfernfahrt unternahm, ist kein Widerspruch: Jan Täschner aus Leipzig hatte für sein 1922 gebautes D-Rad fünf Jahre lang nach Teilen gesucht, um es zu restaurieren. Am vorigen Mittwoch lief „der Hobel“ endlich, am Samstag stellte er es seinen Motorradfreunden in Neuenkirchen vor und beteiligte sich damit an der Rundfahrt. Gut, dass diese bei Tageslicht endete und unterwegs keine Tunnel passiert werden mussten, denn die Beleuchtung seines D-Rads besteht aus einer alten Karbidlampe. Gemäß der Betriebserlaubnis darf er daher nur bis zum Einbruch der Dämmerung mit dem Motorrad fahren, und im Tunnel muss er es schieben. „Aber damit kann ich leben“, schmunzelt der stolze Besitzer.

Christa und Rolf Friedrichs waren die Gastgeber. Sie fahren beide einen „Springbock“. „Wir haben einen Hang zur Langsamkeit, und wenn wir langsam fahren, nehmen wir auch wahr, dass uns Passanten zuwinken oder uns mit ,Daumen hoch‘ gute Fahrt wünschen“, erklärt Christa Friedrichs. Auf den röhrenden Sound angesprochen bemerkt ihr Ehemann: „Der Motor klingt nicht irre laut, sondern irre schön.“

„Springbock“ dank eigenartiger Blattfederung

Seine Bezeichnung „Springbock“ verdankt das Motorrad seiner eigenartigen Blattfederung über dem Vorderrad. „Es ist angenehmer, mit 80 Stundenkilometern über holprige Straßen zu fahren als mit 30 Sachen“, beschreibt Helmut zum Felde aus Stade die Wirkung dieser Federung.

Ein Teilnehmer war aus Schwyz am Vierwaldstätter See angereist, drei weitere Fahrer kamen aus Warschau und hatten die weiteste Anreise zum „D-Rad-Treffen“ zurückgelegt. 

 bt

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