Der junge Kutscher Frederick Johannhardt hat sein Ziel fest vor Augen: Er will bei den Deutschen Meisterschaften antreten

Mit Donna und Paul auf der Fahrt zum Titel

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Frederick Johannhardt trainiert jeden Tag mindestens eine Stunde.

Br.-Vilsen - Von Charlotte Reinhard. Ein Pferd macht viel Arbeit. Zwei Pferde machen doppelt so viel Arbeit. Dennoch hat sich der junge Kutscher Frederick Johannhardt aus Bruchhausen-Vilsen entschieden, seinen einspännigen Wagen gegen einen zweispännigen zu tauschen.

Mit seinem Hannoveraner Cezanne, genannt Paul, wurde der 21-Jährige 2011 und 2012 Jugend-Landesmeister im einspännigen Fahren. Jetzt hat er ein neues Ziel: Zusammen mit Paul und der sechsjährigen Stute Donna will Frederick Johannhardt auch mit dem Zweispänner große Preise abräumen und Meistertitel gewinnen.

„Mich reizt beim Fahren mit zwei Pferden das Zusammenspiel von Mensch und Tieren als Team“, erklärt Johannhardt. Noch mehr Vierbeiner sollen es dann aber doch nicht werden: „Ein Vierspänner wäre mir zu stressig. Für ein Turnier jedes Mal vier Pferde fertig zu machen, zu verladen und zu trainieren wäre mir zu viel.“

Frederick Johannhardt ist mit Pferden aufgewachsen. Seine Familie züchtet seit Generationen Hannoveraner. „Für den Eigenbedarf“, sagt er. Auch den Wallach Paul haben die Johannhardts selbst gezogen. Während der Hannoveraner schon Turnier-Erfahrung hat, ist die Schimmelstute Donna ein Neuling. Trotzdem wirkt das Pferd gelassen, als es die Kutsche zieht: „Ich glaube, ich bin vor Turnieren nervöser als Donna“, sagt der Bruchhausen-Vilser.

Pferde, die gefahren werden, dürfen sich nur schwer aus der Ruhe bringen lassen. „Ein Kutschpferd muss vor allem ruhig und ausgeglichen sein“, sagt der 21-Jährige. Tatsächlich stehen Donna und Paul auch unangebunden regungslos da, während ihr Fahrer sie striegelt und ihnen das Geschirr anlegt. Der Kutscher wirkt ebenfalls entspannt, jeder Handgriff sitzt.

Kein Wunder, schließlich fährt er schon seit seinem elften Lebensjahr Kutsche. Auf einer Pferdefreizeit probierte er es das erste Mal aus. Schon einen Monat später machte er sein Fahrabzeichen. Mit zwölf Jahren übernahm er das Pony seines älteren Bruders, fuhr damit seine ersten Turniere und Erfolge ein. Frederick Johannhardt hatte eine Glückssträhne – bis das Pony Lümmel an einer Kolik (eine Erkrankung des Verdauungstrakts) starb.

Er probierte es danach mit einem Hannoveraner. Erfolglos. Zum Glück kam Paul bald, frisch als Kutschpferd ausgebildet, zurück auf den Hof der Johannhardts. Mit dem Wallach fuhr der 21-Jährige zu seinen bisher größten Erfolgen, er wurde zweimal Jugend-Landesmeister in Niedersachsen und landete dreimal bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im ersten Drittel. „Mein Traum ist es, irgendwann mal bei den richtigen Deutschen Meisterschaften mitzufahren“, sagt das Mitglied des Fahr- und Reitvereins Driftsethe. Mit Donna und Paul wurde Johannhardt gerade Vize-Meister des Bezirks Stade.

Bis dahin wird er noch viel trainieren – jeden Tag mindestens eine Stunde. Ohne die Unterstützung seiner Familie wäre das neben seiner Ausbildung zum Disponenten nicht möglich. „Der Fahrsport ist Familiensport“, sagt Johannhardt. Sein älterer Bruder ist ebenfalls bis heute vom Kutschvirus infiziert. Die Eltern helfen, wo sie können. Organisationstalent ist nötig, viel Freizeit bleibt dem Jungkutscher nicht. Seine Freunde haben Verständnis für das für einen jungen Mann eher ungewöhnliche Hobby: „Natürlich kommen da auch mal doofe Kommentare, da muss man drüber stehen“, erzählt Johannhardt. „Viele meiner Freunde fahren aber auch gerne mal mit.“

Ein Beifahrer, der im Notfall die Leinen übernehmen kann, muss aus Sicherheitsgründen immer dabei sein. Denn der Fahrsport ist alles andere als gemütlich. Er ist auch gefährlich: Im schlimmsten Fall kann der Wagen umkippen, den Fahrer begraben und die Pferde in Panik versetzen – und die können mit ihren 600 bis 700 Kilogramm Körpergewicht einiges anrichten.

Donna und Paul wirken indes, als wären sie nur schwer zu beeindrucken. Ob vorbeidonnernde Lastwagen, Schlaglöcher, losfliegende Vögel oder entgegenkommende Traktoren: Sie bleiben vollkommen ruhig, wie es sich für gute Fahrpferde gehört. An ihnen dürfte der Weg zum Titel also nicht scheitern.

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