Luftfilter für Kita

Eltern aus Uenzen werden ihre 9000 Euro-Spende nicht los

Spielplatz eines Kindergartens
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Obwohl die Kita mit Fenstern ausgestattet ist, wollen Eltern Luftfilter anschaffen. „Das ist nicht so einfach“, meint die Samtgemeinde.

Uenzen / Samtgemeinde – Eltern aus Uenzen haben Sponsoren aufgetan, um „ihren“ Kindergarten mit Luftfiltern auszustatten. Doch sie haben das Gefühl: „Unsere Spende will niemand haben“, so Sönke Schierloh, Sprecher einer „Gruppe von engagierten Eltern“, wie er sagt. Diesen Eindruck weist Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann zurück. „Das ist leider nicht so einfach“, meint er.

Schon seit dem ersten Coronawinter werden Luftfilter für Kitas und Schulen als Alternative zum Lüften gehandelt. Können Räume nicht belüftet werden, gelten sie sogar als Mittel der Wahl. Unter diesen Umständen gibt es für die Anschaffung hohe öffentliche Zuschüsse. Aber nur dann.

In der Samtgemeinde seien nahezu alle Räume in Schulen und Kitas mit Fenstern ausgestattet, die zum Lüften geöffnet werden können. Für Geräte in diesen Räumen gebe es daher keine Zuschüsse, erklärt Bernd Bormann den Sachstand. Und: „Ein Luftfilter ersetzt nicht das Lüften“, so die aktuelle Auffassung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne. „Und auch keine anderen Schutzmaßnahmen. Die Luftreinigungstechnik ist immer eine Ergänzung, aber niemals ein Ersatz für Masken, Testen, Lüften und Hygiene“, hat er im November gesagt. Daran orientiere sich die Samtgemeinde, führt Bernd Bormann aus. Daher habe sich die Politik bisher dagegen ausgesprochen, Luftfiltergeräte flächeneckend anzuschaffen.

„Aber Filter reinigen die Luft zwischen dem Lüften zu 99 Prozent von Viren“, vertraut die Mehrzahl der Uenzer Eltern dieser Technik. In einer privaten Umfrage hätte sich „mehr als 80 Prozent“ der Elternschaft für den Einsatz entsprechender Geräte ausgesprochen, so Schierloh. „Viele Kinder sind keine fünf Jahre alt, für sie gibt es keinen Impfschutz“, darin sehe er eine Notwendigkeit zu handeln: „Es geht um die Gesundheit der Kinder.“

Binnen weniger Stunde habe ein Teil der Elternschaft 9 000 Euro an Spenden akquiriert und drei Geräte bestellt. „Die waren zertifiziert“, betont Schierloh. „So einfach ist das nicht“, mussten die Uenzer dann jedoch im Rathaus hören.

Ob Möbel, Spielzeug oder Geräte welcher Art auch immer – was in Kitas oder Schulen benutzt wird, muss eine Gefährdungsbeurteilung hinter sich haben. „Dazu sind wir als Kommune verpflichtet“, sagt Bernd Bormann. Ein von einem Hersteller zertifiziertes, von Eltern finanziertes Gerät dürfe die Kommune nicht ohne Weiteres aufstellen. Das habe er den Uenzer Eltern in einem Telefongespräch vor Weihnachten erklärt.

Zudem müsse der Samtgemeinerat eine solche Spende formal annehmen. Das habe die Politik bisher noch nicht getan,

„Wir wollen das Angebot der Uenzer Eltern aber nicht per se ausschlagen“, so Bormann. Er habe sich mit ihnen auf einen Kompromiss verständigt: Sie schaffen ein entsprechendes Gerät an, und die Samtgemeinde als Trägerin der Kindertagesstätten übernehme die erforderliche Überprüfung durch einen Sicherheitsbeauftragten. In Uenzen sollen dann Erkenntnisse zu Lautsärke, Unfallvermeindung und Effizienz gesammelt werden. „Auf dieser Grundlage wird der Rat der Samtgemeinde in seiner nächsten Sitzung Ende Februar öffentlich über das Thema Luftfilteranlagen und die entsprechende Spende für die Kita in Uenzen diskutieren“, kündigt Bernd Bormann an.

Die Eltern nehmen laut Schierloh diesen Kompromissvorschlag an. Die ursprünglich ausgewählten Geräte seien derzeit allerdings nicht mehr lieferbar. Sie hoffen zeitnah auf ein Testgerät eines Anbieters. „Das ist für Mitte Januar angekündigt“, sagt Sönke Schierloh.

Dass Uenzen mit privater Initiative anders, nämlich vermeintlich besser als andere Kitas in der Samtgemeinde ausgestattet sein könnte, sei ihnen bewusst. „Jede Elternschaft ist sich selbst die Nächste“, meint Schierloh und hofft, dass sich weitere angesprochen fühlen, ebenfalls aktiv zu werden.

Ob der Samtgemeinderat diese Auffassung teilt, bleibt mit Spannung abzuwarten. Bisher hat er alle kommunalen Kindergärten bewusst einheitlich ausgestattet. Zuletzt mit sogenannten „Ampeln“, die anzeigen, wann es fällig ist zu lüften.

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