„Jazz for Fun“: Dietrich Wimmer verblüfft an der Orgel selbst Kenner

Jazzelemente noch jazziger, Raffinessen noch raffinierter

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Dietrich Wimmer brachte Ungewöhnliches zu Gehör.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. „Die Raffinessen einer Orgel“ kündigte Dietrich Wimmer am Sonntagabend an. „Jazz for Fun“ stand auf dem Konzertprogramm, das der ehemals hauptamtliche Organist und nun freischaffende Musiker in der St.-Cyriakus-Kirche in Vilsen bot. Eine Kirchenorgel, Jazz, und beides auch noch zum Vergnügen – das sollte zusammenpassen? Wimmers Stammpublikum unter der zahlenstarken Zuhörerschar wusste, dass die Antwort auf diese Frage ein klares „Ja“ war. Was er dann aber seinem vertrauten Instrument entlockte, verblüffte selbst die Kenner.

Denn Dietrich Wimmer setzte noch eins drauf. Die Raffinessen sind raffinierter geworden, die Jazzelemente jazziger und die Improvisationen einfallsreicher. Dass die Orgel für satten Bigband-Sound gut ist, überraschte nicht. Dass die „Königin der Instrumente“ aber auch etwas so Feines wie Vogelgezwitscher an einem erwachenden Morgen darzustellen vermag, bewies Wimmer mit seiner Version von Louis Armstrongs Hit „What a Wonderful World“, in der einem sanften A-Teil ein kraftvoller B-Teil mit raumfüllenden „Bläsersätzen“ folgte.

Noch bis vor zwei Wochen, so berichtete der Organist in seinen Begrüßungsworten, sei nicht einmal sicher gewesen, dass „Jazz for Fun“ überhaupt stattfinden konnte. Ein unerwartet aufgetretener Fehler am Instrument sei aber zum Glück mit der Hilfe eines Orgelbauers behoben worden. Zu seinem Konzertprogramm erklärte Dietrich Wimmer, es seien Jazzmelodien dabei, die man nicht unbedingt in einer Kirche vermuten würde. Im Kontrast dazu stünden Choräle, die man nicht unbedingt als Jazzstücke erwarten würde.

Nach dem Auftakt mit einem Swing-Titel in bester Bigband-Manier, untermalt von markigem Bass-Drive, unternahm Wimmer einen Ausflug in das evangelische Gesangbuch und stellte dabei die Besetzung einer Jazzcombo dar, die sich, wie er sagte, sehr gut auf eine Orgel übertragen lasse – nämlich mit der Bassstimme, der Leadstimme und der Begleitung. Die Leadstimme stehe für das führende Instrument, meist eine Trompete oder ein anderes Blasinstrument, während man sich die Begleitung als Keyboard vorstellen könne.

So formte Dietrich Wimmer aus bekannten Kirchenliedern Jazzstücke, in denen er die Klangvielfalt der Orgel am Beispiel von Improvisationen unterschiedlicher Instrumente erlebbar machte. Eindrucksvolle Kontraste zeigte er mit Titeln wie „Come Sunday“ von Duke Ellington mit dem Vocal Horn, das an Kazoo-Klänge aus der Frühzeit des Jazz‘ erinnerte. Den Zuhörern servierte Wimmer ein Klang-Kaleidoskop, mit dem er die Möglichkeiten einer Kirchenorgel in ihrem ganzen musikalischen Spektrum ausschöpfte.

Nachdem das Programm am Sonntag bereits die fünfte Veranstaltung dieser Art war, plant Dietrich Wimmer für das nächste Jahr eine Konzertreihe unter dem Motto „Orgelschätze“. Dann wird er auf den für ihn faszinierenden Instrumenten in den Kirchen zwischen Hoya und Verden spielen, unter anderem in Wechold und Magelsen. „Solche Veranstaltungen hätte ich als hauptamtlicher Kirchenmusiker nur schwer verwirklichen können“, sagt Wimmer. „Aber jetzt, als freischaffender Musiker, habe ich alle Möglichkeiten.“

Nach 18 Jahren als Hauptamtlicher hat sich die Vielfalt seines Schaffens mit der Freiberuflichkeit ohnehin vergrößert. So unterrichtet der Bruchhausen-Vilser unter anderem in der Bläserklasse des Gymnasiums, leitet den Posaunenchor und übernimmt musikalische Dienste in der Kirche.

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