Jamsessions im BO in Asendorf

„Einfach ein bisschen Musik machen“

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Rüdiger (links) und Karl Regert demonstrieren bei einer Jamsession ihr musikalisches Können.

Asendorf - Von Philipp Schockenhoff. Musiker brauchen keine großen Worte. Langsam, beinahe zaghaft steigt der Mann auf die Bühne. Das Licht, gelenkt durch eine Diskokugel, lässt seine langen, schwarzen Haare glitzern. Der Mann blickt zum Schlagzeuger, nickt und setzt sich ans Keyboard. Das Spiel kann beginnen.

Besagte Bühne, auf der außer dem Schlagzeuger und dem etwas schüchternen Keyboarder auch ein E-Gitarrist und ein Bassist die Finger hüpfen lassen, befindet sich in der Diskothek Breakout (BO) in Asendorf. Der Typ am Schlagzeug heißt Jörg Hensch. Der Asendorfer veranstaltet zusammen mit Mario Schaaf, ebenfalls aus Asendorf, die Jamsession, an der ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Musikern teilnimmt.

Später wird Hensch auch an anderen Instrumenten spielen – vor allem immer wieder mit anderen Personen. Denn sich abzuwechseln, das ist die Idee der regelmäßig stattfindenden Jamsessions. „Jeder darf mal auf die Bühne. Wir wollen nicht die ganze Zeit hier bleiben“, sagt Hensch. Letzteres ist allerdings schwer zu glauben, wenn man sieht, wie begeistert er an der Gitarre zupft oder auf der Conga trommelt. Dass der Musiker Spaß hat, muss er nicht extra erwähnen.

Irgendwann geht Hensch tatsächlich von der Bühne, oder, genauer gesagt, von einer Bühne zur nächsten. Er schnappt sich eine Djembé, eine Bechertrommel aus Afrika, und schlendert vom Haupt- in den Billardraum der Diskothek, wo die eher ruhigen Töne angeschlagen werden, wo Instrumente ohne Verstärker bereitliegen und die Unsicheren etwas leichter ihre ersten Bühnenerfahrungen sammeln können.

Einer von der leisen Sorte ist Rüdiger, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Hensch, der in verschiedenen Bands spielt, hat ihn bei einem Auftritt in Nienburg kennengelernt. Rüdiger gehört zu den Stammgästen der Jamsessions im Breakout. Ein anderer Gast namens Karl Regert hingegen ist zum ersten Mal dabei. Er hat bereits einige musikalische Erfahrungen in Trommelgruppen gesammelt.

In der Ecke des Billardzimmers unterhalten sich derweil zwei Jungen über verschiedene Akustikgitarre-Spieltechniken und über den richtigen Anschlag der Saiten. Vielleicht trauen sie sich später auch noch auf die Bühne. Vielleicht auch nicht. Zuschauen, mitmachen, an der Theke sitzen, sich austauschen – hier darf jeder tun, wozu er Lust hat.

Und so spielen zwischendurch zwei Generationen zusammen, während die dritte mit verträumtem Blick zusieht. Menschen mit afrikanischer Kopfbedeckung, Kapuzenpullover oder Lederweste finden einen gemeinsamen Rhythmus und lassen ihre eigene Musik entstehen. Ein Mann in ordentlich gebügeltem Hemd und mit akkurat kurzen Haaren steht an den Congas, während sich hinter ihm ein anderer in lässigem T-Shirt und mit langem Zopf am Bass austobt.

Kurz bevor man sich an das Setup aus E-Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard und Congas gewöhnt hat, blitzt aus der Ecke der Bühne das typische Gold von Blechblasinstrumenten im Diskokugel-Licht auf, und plötzlich greift jemand zu Saxofon oder Posaune. Die Jamsession ist eben immer für eine Überraschung gut.

Manchmal weckt das Erinnerungen, wie bei den Gesprächen deutlich wird: „Dich hab ich vor 20 Jahren mal in Bremen im Viertel spielen sehen, kann das sein?“, fragt der eine. Und der andere freut sich: „Ja, damals hatte ich eine kleine Band.“

Der 46-jährige Peter Hensch sagt im Vorbeigehen: „Manchmal reicht es einfach, ein bisschen Musik zu machen.“ Dann ist er wieder verschwunden und begrüßt mit freundlichem Grinsen alle, die sich ein bisschen unsicher umschauen und noch nicht so recht wissen, wie genau sie den Abend am liebsten verbringen wollen. Am Ende entscheiden sich die meisten fürs Rampenlicht.

„Die Jamsessions finden alle ein bis zwei Monate statt. Der nächste Termin steht noch nicht genau fest, wird aber irgendwann im Februar sein“, erklärt Organisator Hensch. Der Musiklehrer wird das genaue Datum demnächst in dieser Zeitung bekannt geben.

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