Pflanze breitet sich im Landkreis Diepholz aus

Jakobskreuzkraut - die schöne „Mörderin“ am Wegesrand

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Schön, aber giftig: das Jakobskreuzkraut.

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. Hübsch sieht sie ja aus. Kleine gelbe, puschelige Köpfchen, umrahmt von schmalen, zarten Blütenblättern erinnern an Sonnen an grünen Stängeln. Eine Blume zum Pflücken und in die Vase stellen, perfekt für ein Sommerbild. Doch der Anblick trügt, denn hinter der schönen Fassade verbirgt sich eine stille „Mörderin“, der man am Ende nur mit aufwendigen medizinischen Methoden ihre Tat nachweisen kann. Das Jakobskreuzkraut ist giftig für Mensch und Tier. Und es ist auf dem Vormarsch.

„Vor zwei Jahren habe ich das Kraut das erste Mal in Eystrup bemerkt“, berichtet Tanja Schönhardt aus Asendorf. In diesem Jahr sei die Pflanze auf der Weide aufgetaucht, auf der ihre beiden Pferde stehen. „Es breitet sich rasant aus“, sagt Schönhardt. „Das Kraut wandert über Hoya in Richtung Bruchhausen-Vilsen.“

Die Pferdebesitzerin möchte so viele Menschen wie möglich über die Gefahr aufklären, die von der Pflanze ausgeht. „Viele wissen nicht darüber Bescheid, dabei ist es gerade für die Pferde- und Rinderhalter wichtig.“ Sie selbst hat immer Handschuhe und einen Sack im Auto, und sobald sie das Jakobskreuzkraut irgendwo sieht, rückt sie ihm zu Leibe. Die Handschuhe sind nötig, da die Giftstoffe auch über die Haut aufgenommen werden und in den Körper eindringen können.

In einem frühen Stadium ist die Pflanze gut an ihren gezackten Blättern zu erkennen.

Die Blüte schneidet sie ab, steckt sie in den Sack, verschließt den sorgfältig und schmeißt ihn dann entweder in den Hausmüll oder verbrennt ihn gleich. Der Grund dafür ist die Notreife, durch die sich die Samen der Pflanze auch nach dem Ausrupfen noch verteilen können. Und eine Blüte beinhalte 2000 Samen, sagt Schönhardt. „Ich mache mir große Sorgen. Die Pflanze tritt nicht nur auf Weiden auf, sondern auch auf Kinderspiel- und Hundeplätzen.“

Pferdezüchter ebenfalls in Sorge

Carsten Leopold vom Pferdezuchtverein Freudenberg teilt diese Sorge. Auch er hat schon das ein oder andere Jakobskreuzkraut von seinen Weiden entfernen müssen. „Dort, wo regelmäßig gemäht wird und Weidehaltung stattfindet, breitet sich das Kraut in der Regel nicht aus. Dafür schießt es dann an Weide- oder Wegrändern aus dem Boden, wenn nicht rechtzeitig etwas getan wird.“

Gut sei es, die Pflanze in einem frühen Stadium zu entfernen. Zu erkennen sei sie dann an ihren ungewöhnlich gezackten Blättern. „Dann sollte man sie großräumig ausgraben. Wir dokumentieren die Stellen zusätzlich und kontrollieren jedes Jahr, ob etwas nachgewachsen ist.“

Der Aufwand sei berechtigt, denn die Pflanze sei eine Gefahr. Am meisten bedroht sind Pferde, dann Rinder, Schafe und Ziegen. „Ein Pferd von 350 Kilogramm kann sterben, wenn es zwischen 14 und 20 Kilogramm des Krauts frisch aufnimmt.“ Tückisch sei, dass die Tiere diese Mengen nicht auf einmal essen müssten, um daran zu verenden. Denn die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an, summieren sich und führen zu chronischen Krankheitsprozessen.

Untersuchungen nach dem Tod kosten viel Geld

Sterbe das Tier, brauche es eine Obduktion und aufwendige Untersuchungen, um das Kraut als Verursacher festzustellen. Und: „Wer hat das Geld schon?“, fragt Leopold. Somit könne er auch keinen Halter benennen, dessen Pferd an dem Kraut gestorben ist. Man könne nur vermuten.

Beim Menschen verhält es sich ähnlich. Eine kurze Berührung mit der Pflanze sei nicht giftig und auch nach einer direkten Aufnahme von Jakobskreuzkraut zeigten sich keine unmittelbaren Symptome, heißt es auf der Internetseite des Arbeitskreises Kreuzkraut. Das liege an der langfristigen Auswirkung auf den Organismus. Eine direkte Einwirkung auf den Menschen könne und werde erst nach Wochen, Monaten oder Jahren zu Erkrankungen führen.

Das Kraut ist nicht nur giftig, es ist auch noch extrem haltbar. „In Hoyerhagen war eine ganze Wiese gelb davon. Die wurde umgebrochen, kann jetzt aber nicht genutzt werden, weil die Samen sich 20 Jahre lang im Boden halten und fruchtbar bleiben“, sagt Schönhardt. Eine weitere Gefahr entstehe beim Heuen. „Wenn dabei das Jakobskreuzkraut aufgenommen und mit dem Heu verfüttert wird, schmecken es die Tiere nicht. Und das Kraut behält auch im Heu seine hohe Giftigkeit.“

Die einzige wirkliche Waffe gegen die „hübsche Mörderin“ ist die Aufklärung, sind sich Schönhardt und Leopold einig. „Die Menschen müssen diese gelbe Pflanze als Gefahr erkennen. Wir wollen auch die Mitarbeiter des Bauhofs dafür sensibilisieren, wenn sie das Kraut an Wegrändern stehen sehen“, sagt Leopold.

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