Männer wecken Deutz-Kraftpaket aus dem Tiefschlaf

Einem 113 Jahre alten Motor wieder das Laufen beibringen

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Das Team am Motor: (von links) Ralf Gräpel, Dr. Rainer Paape, Ernst Meininger und Heinrich Gräpel. Es fehlt Cord Fehsenfeld. 

Martfeld - Von Dieter Niederheide. Eingeschlossen in der Enge des für ihn errichteten Anbaus an der Fehsenfeldschen Mühle in Martfeld hat er Jahrzehnte ein trostloses Dasein im Verborgenen geführt. Vergessen, verstaubt, ölverschmiert. Die Rede ist vom 1904 gebauten Deutz-Benzolmotor, der etwa um 1930 in den Anbau der Mühle eingebaut wurde.

Es ist ein Kraftpaket mit einem Hubraum von 21 Litern, der 16 PS bei 200 Umdrehungen im Vollgas und 20 Umdrehungen im Standgas leistet. Schon lange war die Rede davon, diesen Motor wieder zum Laufen zu bringen. Das haben sich seit dem Vorjahr Chemiker Dr. Rainer Paape (61), Landwirt und Rentner Heinrich Gräpel (65), Student im Maschinenbau Ralf Gräpel (29), Cord Fehsenfeld (46), dessen Familie die Mühle besitzt, und der Verdener Maschinenbauer Ernst Meininger (64) auf die Fahnen geschrieben.

Zunächst stand die Frage im Raum: Ist es überhaupt möglich, den Motor wieder zum Laufen zu bringen? „Wir sind der Überzeugung, dass es geht“, sagt Ernst Meininger. Die beweglichen Teile wie Schwungrad, Kolben, Nockenwelle oder Pumpen sind gängig, so lautet die Diagnose des Maschinenbauers.

Drei der Tropf-Öler am Deutz-Benzolmotor, der etwa um 1930 in den Anbau der Mühle eingebaut wurde.

Inzwischen haben die Männer insgesamt rund 500 Arbeitsstunden investiert, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ernst Meininger ist überzeugt: „Dieser Motor hat kaum hundert Stunden Dienst getan.“ Das rund 4,5 Tonnen schwere Gerät war eins von 33, die Deutz auslieferte und die den gedachten Zwecken nicht Genüge taten. Einige wurden gar verschrottet.

Die Arbeitsgruppe des Heimat- und Verkehrsvereins Martfeld ist dem Motor mit Schmirgelpapier, jeder Menge Putzlappen, Drahtbürsten, Spachtel und Papier zu Leibe gerückt. Mit Erfolg. Stück für Stück kommen die Mitglieder dem Ziel näher, den Motor seiner vor 113 Jahren angedachten Verwendung zuzuführen. Genauer gesagt, er soll den Mahlgang im Erdgeschoss der Mühle wieder in Betrieb bringen. Gewünscht wird, dass der Motor schon bald wieder voll und ganz zu Diensten steht.

Ein Meilenstein in der Renovierung war erreicht, als der gesuchte und notwendige Schnappmagnetzünder als Spende zur Verfügung gestellt wurde. Karl Landwehr aus Beckeln erinnerte sich, als er von der Suche nach dem Zünder las, daran, dass er so ein Teil, inzwischen fast 120 Jahre alt, noch gelagert hatte. Er fackelte nicht lange und stellte es der Arbeitsgruppe des Heimat- und Verschönerungsverein zur Verfügung.

Arbeit gibt es noch zu genüge. Insbesondere Ernst Meininger und Ralf Gräpel, die beiden mit reichlich Sachverstand in Sachen Maschinenbau, sind gefragt. Zurzeit lässt die Arbeitsgruppe aber erst einmal ganz langsam angehen. Der Grund: Es sind Fördermittel beantragt worden, unter anderem beim Landschaftsverband Weser-Hunte. Heinrich Gräpel schätzt, dass neben der hohen Eigenleistung der Arbeitsgruppe Mühlentechnik etwa 12. 000 Euro nötig sind, um das Werk zu vollenden.

Wenn am Ende der Deutz-Benzolmotor wieder läuft, haben die Männer eine Rarität vor dem Verschrotten gerettet.

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