Ein Therapeut mit vier Hufen

Ippen-Stiftung unterstützt das Angebot des Kinderheims „Kleine Strolche“ in Asendorf mit großzügiger Spende

Kind kuschelt mit einem Pony
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Kuschelstunde: Beim therapeutischen Reiten lernen die Kinder, wieder Nähe zuzulassen.

Asendorf – Die Möglichkeit, stolz auf sich zu sein, zu lernen, wieder Nähe zuzulassen oder sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen – all das erfahren die Bewohner des Kinderheims „Kleine Strolche“ durch das Arbeiten mit Pferden, erklärt Sonja Risse, die in der Einrichtung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das Kinderheim aus Asendorf bietet bereits seit rund eineinhalb Jahren therapeutisches Reiten an.

„Es ist Wahnsinn, wie glücklich und entspannt die teils stark traumatisierten Kinder auf dem Rücken der Tiere sind“, verrät Sonja Risse. Um auf dieser Erfolgsschiene auch langfristig weiterfahren zu können, freut sich der Verein ganz besonders über die großzügige Spende der Ippen-Stiftung, da sich sein therapeutisches Angebot ausschließlich privat finanziert.

Dirk Ippen, unter anderem Verleger der Kreiszeitung, rief im Jahr 2000 aus Anlass seines 60. Geburtstages die gemeinnützige Ippen-Stiftung ins Leben und stattete sie mit Kapital aus. Zweck dieser Stiftung ist die Stärkung von Bürgersinn und bürgerschaftlichem Engagement auf lokaler Ebene. Im Herbst vergangenen Jahres entschied die Stiftung wieder darüber, welche Vereine und Institutionen mit Fördermitteln unterstützt werden sollen. Die Wahl fiel unter anderem auf das Kinderheim „Kleine Strolche“. Die gespendeten 3 000 Euro sollen nun in das therapeutische Angebot der Einrichtung fließen – insbesondere in die Finanzierung des Reitunterrichts.

„Für das therapeutische Reiten stehen insgesamt sechs Tiere im Therapiezentrum auf dem Rittergut Ovelgönne in Bücken zur Verfügung, zwei große Pferde und vier Shetlandponys. Deren Futter und medizinische Betreuung muss natürlich auch bezahlt werden. Hinzu kommen noch die Kosten für die Stunden bei unserer festangestellten Reittherapeutin“, zählt Sonja Risse auf und macht damit klar, wofür die Spende der Ippen-Stiftung eingesetzt werde. Eine Unterrichtsstunde würde rund 45 Euro kosten. „Es ist trotzdem schwer zu sagen, wie lange der Betrag uns nun aushelfen kann. Es gibt ja auch noch Fördermitglieder, die regelmäßig einzahlen und uns unterstützen“, meint Sonja Risse. Wichtig sei ihrer Meinung nach, dass der Verein kalkulieren könne, um das Reiten langfristig anbieten zu können.

Aktuell seien rund 40 Kinder bei den „Kleinen Strolchen“ untergebracht. Viele von ihnen nehmen das Reitangebot in Anspruch. „Kids, die schwer traumatisiert sind, können sich nur schwer Menschen öffnen. Meistens sprechen sie auch sehr wenig. Das Pferd dient sozusagen als Medium“, beschreibt Sonja Risse das Konzept. Die Pferde würden bei der Kontaktaufnahme zu Kindern helfen, da selbst ein verstummtes Kind sich nur schwer dem Charme der Tiere entziehen kann, heißt es auf der Webseite der Einrichtung. Pferde seien zudem als Herdentiere soziale Wesen, die auf ihr Umfeld reagieren. In der therapeutischen Arbeit werde diese soziale Komponente genutzt, um den Umgang mit anderen Lebewesen zu erlernen.

Es gehe aber weniger um das Reiten an sich, sondern vielmehr um die seelische Unterstützung. „Den Kindern verhilft das Arbeiten mit den Tieren unter anderem zu mehr Selbstbewusstsein, wenn sie beispielsweise ein Pony allein führen dürfen. Oder sie trauen sich, ein großes Pferd anzufassen und lernen dann, stolz auf sich zu sein“, berichtet Sonja Risse weiter. Es gehe demnach auch um Freundschaft und Verantwortung.

Neben der seelischen Unterstützung spiele aber auch die Förderung motorischer Fähigkeiten eine Rolle. Die Kinder müssten sich auf die Bewegungen des Tieres einlassen. Das Bewegungsmuster der Pferde übertrage sich somit auf den Reiter, ähnlich dem menschlichen Gang – so werde die Muskulatur gestärkt und aufgebaut.

Noch etwas unterscheidet von einer „normalen“ Therapiestunde: Das Pferd stelle keine Fragen und sei unvoreingenommen.

Trotz aller Beschränkungen in der Corona-Pandemie finden die Therapieangebote im Kinderheim „Kleine Strolche“ auch weiterhin statt – unter der Einhaltung aller geltenden Hygienevorschriften. Die Asendorfer Einrichtung hatte 2018 die Entscheidung getroffen, intern ein Therapiezentrum auf dem Rittergut Ovelgönne in Bücken aufzubauen, um nicht abhängig von externen Therapeuten und Therapieangeboten zu sein. Davon profitiere das Kinderheim in der aktuellen Krisensituation.

„Wir sind spezialisiert auf traumatisierte und medizinisch herausfordernde Kinder“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Schubert. Stark traumatisierte Kinder könne es bereits aus der Bahn werfen, wenn eine Therapie in einem anderen Raum stattfinde oder der Tagesplan sich anders gestalte als verabredet. „Traumatisierte Kinder brauchen absolute Verlässlichkeit und Konstanz bei therapeutischen Angeboten und sozialen Beziehungen“, so der Geschäftsführer des Kinderheims „Kleine Strolche“.

Das Kinderheim „Kleine Strolche“ in Asendorf wurde 2008 gegründet und ist eines der wenigen Häuser in Deutschland mit Spezialisierung auf schwer traumatisierte und medizinisch herausfordernde Kinder, heißt es in einer Pressemitteilung. Heute stünden insgesamt 43 Plätze zur Verfügung, wo in Obhut genommene Säuglinge und Babys zur Ruhe kommen, Geschwistergruppen sich zusammen sicher fühlen, seelisch erkrankte Kinder einen familienanalogen Ort zum Aufwachsen finden oder Mütter mit ihren Kindern gemeinsam begleitet werden.

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