Die Band „Raoky“ tritt am Freitag in der Nolteschen Scheune in Süstedt auf

Den Alltag vergessen

Die Band „Raoky“ will das Süstedter Publikum zum Tanzen bringen.

Süstedt - Von Max Brinkmann. Deutschland und Madagaskar. Was auf den ersten Blick nicht viele Gemeinsamkeiten hat, verbindet den deutschen Gitarristen Marvin und die Madagassen Dada, Arthur und Brunell. Sie haben die gemeinsame Band „Raoky“ gegründet.

Dada singt Madagassisch und Englisch, Brunell spielt Schlagzeug. Zurzeit sind sie mit Arthur unterwegs, der sie am Bass unterstützt. Am Freitag, 20. Mai, spielen sie in der Nolteschen Scheune in Süstedt und wollen die Gäste zum Tanzen bringen. Gitarrist Marvin spricht im Interview über das Kennenlernen mit den madagassischen Brüdern, die Zusammenarbeit, Unterschiede zu Deutschland und neue Projekte.

Marvin, du bist Deutscher, Dada, Brunell und Arthur kommen aus Madagaskar. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Marvin: Ich bin Ende 2011 an eine Schule in Madagaskar gegangen, um dort in einer Art Freiwilligendienst auszuhelfen. Ich habe schon immer Musik gemacht und in vielen Bands gespielt. Als mir dort eine Gitarrensaite gerissen ist, habe ich Musiker kennengelernt, die mir aushelfen konnten. Darunter war auch Dada. Seitdem machen wir zusammen Musik. Ich habe noch nie so eine Stimme und so ein Talent kennengelernt, das hat mich sehr gepackt.

Du bist Bremer, deine Bandkollegen leben in Madagaskar. Wo und wie trefft ihr euch zum Üben? Wie läuft die Zusammenarbeit ab?

Ich habe gerade zum zweiten Mal über eine Crowdfunding-Kampagne (Spendenaufruf im Internet, Anm. d. Red.) Gelder gesammelt, um die Flüge für die Jungs zu bezahlen. 2013 waren sie das erste Mal in Deutschland. Jetzt gerade sind sie für sechs Monate hier. Ansonsten arbeite ich auch immer recht viel, um es zu schaffen, ein paar Monate in Madagaskar zu verbringen, damit wir dort an Aufnahmen arbeiten und vor Ort ins Studio gehen zu können.

Ihr macht World-Folk-Pop, wie klingt das?

Es gibt in der Basis die akustische Gitarre und die Stimme von Dada. Dazu Schlagzeug, Bass und noch eine Gitarre. World-Music in dem Sinne, dass es viele madagassische Rhythmen hat. Pop in dem Sinne, dass wir auch englische Titel haben, zu denen die Leute in Deutschland meist einen guten Zugang haben. Folk-Musik dadurch, dass es auch Stücke gibt, mit nur einer Gitarre und Gesang. Wir haben mittlerweile aber auch Afro-Soul und Reggae mit im Sortiment.

Was sind die größten Unterschiede zwischen deutscher und madagassischer Musik?

Vor allem der Rhythmus und auch das binäre Gefühl: Die Leute hier klatschen eher auf 1 und 3, in Madagaskar sind 2 und 4 wichtiger. Der Rhythmus ist dort viel komplexer und das Rhythmusgefühl versierter. Es ist ein bisschen treibender, es gibt mehr Abwechslung und ist etwas mehr auf den Punkt. Bei vielen Liedern in Deutschland bleibt der Rhythmus gleich. In der madagassischen Kultur gibt es ein großes Archiv, was die Rhythmen anbelangt.

Du hast als Freiwilliger in einer madagassischen Schule gearbeitet. Könntest du da leben?

Ich habe dort viel Zeit verbracht, und es ist auch sehr schön dort. Ich bin allerdings immer auch ganz froh, hier in Deutschland meine Herausforderung zu haben. Deswegen könnte ich Deutschland nicht ganz aufgeben.

Ist das Publikum bei euren Konzerten in Madagaskar anders als in Deutschland?

Auf Madagaskar sind es häufig lokale Anwohner, die Tanzen sehr gern mögen und dort hingehen, um zu feiern. Natürlich auch viele Touristen. Man kann sagen, dass die Leute auf Madagaskar sich weniger auf Neues einlassen, sie möchten gerne die bekannten Rhythmen hören und dazu tanzen. Hier in Deutschland interessiert sich das Publikum mehr für das kreative Schaffen und steht dem offener gegenüber.

Ihr wollt mit eurer Musik die Völkerverständigung voranbringen. Wie bewertet ihr die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich kann sagen, dass in Bremen eine große Offenheit besteht und unheimlich viel getan wird. Es wird sich sehr bemüht, und ich finde, was man hier sieht, ist recht positiv. Wie das in ganz Deutschland aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Gibt es neue Projekte von euch? Wie sieht es mit dem Album aus?

Das Album ist auf Sainte Marie (Insel vor Madagaskar, Anm. d. Red.) entstanden und wurde in Deutschland fertiggestellt. Es war ein Prozess über mehrere Besuche, bei denen ich auf Sainte Marie war. Dort haben wir das Album vorangebracht und dann hier in einem Studio professionell fertiggestellt. Das Problem war: Die Musiker hatten beim letzten Mal nur ein Visum für drei Monate. In diesem Zeitraum haben wir das Album fertiggestellt, und am Tag vor der Abfahrt kam es raus. Das heißt, wir konnten das Album überhaupt nicht spielen und bewerben. Es ist jetzt quasi so, als wäre das – auch wenn es eine Momentaufnahme von vor drei Jahren ist – das neue Album, welches wir jetzt erst anfangen zu spielen. Das macht auch sehr viel Spaß. Es wird schon in ein paar Radiosendern gespielt: Deutschlandfunk, Funkhaus Europa, Bayern 2, die haben das ein bisschen in ihre Playlist integriert. Wir arbeiten gerade sehr aktiv an unserem neuen Album, das wir hoffentlich im August oder September veröffentlichen werden.

Was ist das Besondere an der Band? Warum sollte man euch live sehen?

Die Band ist sehr lebensbejahend. Man kann wirklich sagen, dass die Musik einen ein bisschen auf eine kleine, magische Reise mitnimmt, durch Freude und auch Melancholie, die sehr gut durch die Musik transportiert wird. Trotzdem regt sie zum Tanzen an. Von Leuten hören wir, dass sie beim Konzert den Alltag vergessen konnten.

Karten für das Konzert kosten 10 Euro. Interessierte können bis Freitag um 13 Uhr Tickets im „TourismusService“ Bruchhausen-Vilsen unter der Telefonnummer 04252/930050 reservieren. Das Konzert beginnt um 20 Uhr.

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