„Netzwerk: Gemeinsam leben auf dem Dorf“ bekommt Preis

Die Integration klappt in Asendorf

+
Stolz zeigen die Landfrauen und das Team des Begegnungscafés das Schreiben aus Hannover.

Asendorf - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Das „Netzwerk Asendorf: Gemeinsam leben auf dem Dorf“ freut sich über den niedersächsischen Integrationspreis 2018. Die Auszeichnung wurde dieses Jahr zum neunten Mal vergeben. Ministerpräsident Stephan Weil, die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, und das Bündnis „Niedersachsen packt an“ gaben die Preisträger bekannt.

Der Wettbewerb zum Preis steht unter dem Motto „Integration in Vereinswesen und Nachbarschaft“. Wie die Staatskanzlei Niedersachsen mitteilt, war auch dieses Mal die Zahl der Bewerbungen hoch. Aus über 160 Vorschlägen ermittelte die Jury unter dem Vorsitz von Doris Schröder-Köpf vier Preisträger: die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Oderwald (Landkreis Wolfenbüttel) für die Integration von Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund, den Kleingartenverein Deutsche Scholle (Osnabrück) für das Einbeziehen syrischer Flüchtlinge, die Naturfreundejugend Braunschweig für gemeinsame Projekte für Jugendliche mit und ohne Zuwanderungshintergrund – und eben das Asendorfer Netzwerk, das informelle Begegnungen und Aktivitäten für Alt- und Neubürger in der Gemeinde ermöglicht.

Die Bewerbung für den Wettbewerb hatte Axel Hillmann vom Flüchtlingshilfeverein „Lebenswege begleiten“ aus Bruchhausen-Vilsen verfasst und abgeschickt. „Wir haben uns einen Abend lang zusammengesetzt, und ich habe vom Netzwerk Input für die Bewerbung bekommen“, erzählt Hillmann.

Zu dem Netzwerk zählen der Runde Tisch, das Begegnungscafé-Team und die Landfrauen Asendorf. „Grund für die gelungene und gelingende Alltagsintegration, für die gleichberechtigte Teilhabe am Dorfleben, ist ein Netzwerk aus institutionellen Bausteinen, informellen Begegnungen und Aktivitäten und vor allem 30 Aktiven aus deutschen und geflüchteten Familien“, hat es Hillmann in der Bewerbung formuliert.

Die Landfrauen Asendorf waren einst die Ersten, die sich Gedanken um Integration machten. „Wir haben uns schon im Februar 2015 zusammengesetzt und überlegt, was man machen könnte. Am 1. Juli fand dann das erste gemeinsame Kochen mit Flüchtlingsfrauen statt“, blickt Landfrau Melanie Bockhop zurück.

Im Mai 2015 entstand der Runde Tisch Asendorf unter der Federführung von Lothar Dreyer. Jetzt nur noch sporadisch stattfindend, „da der Druck raus ist“, traf man sich zu Beginn regelmäßig auf Einladung der Kirchengemeinde, berichtet Dreyer. Beim Runden Tisch geht es vor allem um organisatorische Fragen, Hilfe bei der Wohnungssuche und Berichte von Asylbegleitern.

Entstanden sind danach auch Begegnungscafés. „Hier kommen jedes Mal bis zu 80 Menschen aller Altersstufen und Nationalitäten zusammen. Sie alle eint die Freude an der interkulturellen Begegnung“, erklärt Hillmann. „Bei den Begegnungscafés kommen die ganzen Familien mit Kindern, es gibt eine Kinderbetreuung, und alle bringen etwas zu essen mit“, ergänzt Dreyer.

Die Netzwerk-Beteiligten Runder Tisch, Landfrauen und Begegnungscafé-Team bieten auch zusammen verschiedene Aktionen an, zum Beispiel einen Shuttle-Service zu Behörden oder zur Tafel. „Leider ist das ÖPNV-System in Asendorf wenig ausgebaut, da ist man ohne Auto aufgeschmissen“, erklärt Dreyer.

Dabei sei es gerade die dezentrale Unterbringung, die in seinen Augen – und alle anderen Netzwerker stimmen ihm zu – für die gelungene Integration in Asendorf steht. Lothar Dreyer lobt den Landkreis Diepholz und die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, die dieses System ermöglichen: „Die dezentrale Unterbringung ist der Schlüssel zum Erfolg einer Integration“, ist er sich sicher. „Zehn, 15 Familien kann ein Dorf im Blick behalten, und so etablieren sich auch schnell Nachbarschaftskontakte.“

Neben dem Shuttle-Service organisiert das Netzwerk auch Ausflüge und Wohnungsauflösungen, bietet einen Zumba-Kurs an, lädt die Flüchtlinge zur Apfelsaftherstellung ein oder zu Aktionen wie der Renaturierung der vier Fischteiche in Asendorf.

Bereits vor zwei Jahren hatte Axel Hillmann von „Lebenswege begleiten“ eine Bewerbung zu dem Wettbewerb geschickt. Damals ohne Erfolg. Umso mehr freuen sich nun alle Beteiligten über die Auszeichnung. Am Montag, 27. August, findet die Preisvergabe bei einem Festakt um 18 Uhr im Alten Rathaus in Hannover statt. Wer aus Asendorf teilnehmen wird, steht noch nicht fest. „Wir müssen uns erst im Team treffen und das besprechen“, erklärt Lothar Dreyer.

Das Preisgeld – die Netzwerker rechnen mit 6 000 Euro – freut alle gleichermaßen. „Wir sind komplett spendenfinanziert, das hilft uns sehr“, sagt Melanie Bockhop. Für die Landfrauen hat sie schon eine Idee, was man mit einem Teil des Gelds machen könnte: „Lebensmittel für die Kochkurse und eine Kochplatte einkaufen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

Arme Staaten ziehen bittere Klima-Bilanz: "Nichts erreicht"

Arme Staaten ziehen bittere Klima-Bilanz: "Nichts erreicht"

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt der GdS: Auf der Alten Bremer Straße ist der Tiger los

Weihnachtsmarkt der GdS: Auf der Alten Bremer Straße ist der Tiger los

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Kommentare