Garaus für das Y-Virus

Insektizid als Pflanzenschutz

Heiko Allhusen kümmert sich um den Pflanzenschutz im Weizenbestand. 
Fotos: Regine Suling-Williges
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Heiko Allhusen kümmert sich um den Pflanzenschutz im Weizenbestand. Fotos: Regine Suling-Williges

Oerdinghausen – Sitzt das Virus erst einmal in der Knolle, wächst die Kartoffel nur noch sehr verhalten. „Deswegen betreiben wir mit einem Insektizid alle drei bis vier Tage auf den Feldern Pflanzenschutz, auf denen wir gerade Pflanzkartoffeln vermehren“, erzählt Heiko Allhusen. Er will dem Y-Virus den Garaus machen. Auf einzelnen Blättern der Weizenpflanze wiederum sitzt ein anderer Schädling, das sogenannte Getreidehähnchen. „Das frisst sich durch das Fahnenblatt“, sagt Heiko Allhusen und deutet auf gelbe Stellen. Allerdings komme das Getreidehähnchen in diesem Bestand kaum vor. „Das müssen wir daher nicht behandeln.“

Dem Landwirtschaftsmeister und seinem Sohn Hilmar ist es wichtig, über das aufzuklären, was sie auf dem Feld machen. „Wir halten dann auch an und erzählen den Leuten, was wir gerade tun“, sagt Heiko Allhusen. Für den Landwirt ist es entscheidend, den Pflanzenschutz gezielt, gut dosiert und zum Wohl der Pflanzen einzusetzen. Das macht er in Absprache mit spezialisierten Beratern und stets mit einem Pflanzenschutzpass in der Tasche, für den er regelmäßig eine Prüfung ablegen muss. „Wir machen jetzt gerade die Abschluss-Spritzung im Weizen gegen Gelb- und Braunrost, zudem schützen wir die Ähre vor Fusarien“, berichtet Heiko Allhusen. Stoppe man die Rostpilze nicht, assimilierten sich die Pflanzen nicht mehr. Das heißt, dass sie das Kohlenstoffdioxid nicht mehr weiter verarbeiten und umwandeln können. „Dann gibt es am Ende einen wesentlich niedrigeren Ertrag und die Qualität des Korns leidet so, dass der Handel es nicht mehr abnimmt“, sagt Heiko Allhusen.

In normalen Jahren bringt ein Hektar Weizen etwa einen Ertrag von rund acht Tonnen. „In trockenen Jahren auch mal darunter“, erzählt der Landwirtschaftsmeister, der vermutet: „Nach momentanem Stand wird die Getreideernte aufgrund der Trockenheit ähnlich schlecht ausfallen wie 2018.“ Denn die Seitentriebe der Pflanzen hätten sich jetzt schon reduziert.

Dass Pflanzenschutz unerlässlich ist, sieht auch Hilmar Allhusen so. Es werde so wenig wie möglich eingesetzt und auch nicht pauschal gespritzt, sagt der Landwirt und studierte Agrarwissenschaftler. „Außerdem ist das auch ein Kostenthema.“ Wer möglichst wenig Pflanzenschutz einsetze, schone schließlich auch das Portemonnaie seines Betriebes. „Wir spritzen mit Section Control. Dieses System ist GPS gesteuert und sorgt dafür, dass wir jede Stelle nur einmal versorgen“, erläutert Hilmar Allhusen, welche Vorteile die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft mit sich bringt. Abdriftmindernde Düsen und der richtige Druck an der Spritze helfen dabei, dass die Pflanzenschutzmittel gezielt ausgebracht werden. Den Druck regelt die Spritze selbstständig. „Das ist heute Standard“, weiß Hilmar Allhusen. Sein Vater ist sich sicher, dass sich die konventionelle und die ökologische Landwirtschaft künftig weiter annähern werden, wenn es um die mehr und mehr mechanische Bearbeitung der Felder geht. Zudem würden künftig auch Roboter Teile der Feldarbeit übernehmen. „Das ist keine Vision, sondern schon in der Versuchsphase“, sagt Heiko Allhusen, der auf einer Maisfläche in diesem Jahr das Hacken und Striegeln und damit die mechanische Bearbeitung eines Ackers ausprobieren wollte, dann aber feststellte: Die Arbeitsbreite dieser Maschine müsse zu der der Legemaschine passen. „Daher kam das in diesem Jahr nicht zum Tragen.“

Roggen, Gerste, Weizen, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Zwischenfrüchte wachsen auf den Feldern der Familie, die neben dem Ackerbau rund 220 Sauen im geschlossenen System hält. Das heißt, dass alle Ferkel auf dem Hof der Allhusens bleiben und erst nach ihrer Zeit als Mastschwein den Betrieb in Richtung Schlachthof verlassen. Daneben setzt die Familie auf die Eigenvermarktung der Eier aus den beiden Hühnermobilen für 460 Tiere, die in Oerdinghausen und am Heiligenberg stehen.

Ganzheitlich zu denken, ist Allhusens in jeder Beziehung wichtig. Beim sorgsamen Pflanzenschutz auf dem Acker, aber auch bei ihren Legehennen, deren Eier in den hofeigenen Nudeln landen, und die am Ende ihres Lebens als Legehenne als tief gefrorene Suppenhühner vermarktet werden. Die Gülle der Schweine wiederum kommt in die Biogasanlage, die die Ställe mit Strom und Wärme versorgt, aber auch 36 Haushalte in Engeln.

Von Regine Suling-williges

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