Aktion in der Mensahalle

Zweiter Piks für U-80-Gruppe: Geimpfte sprechen über zurückgewonnene Freiheiten

Das Vater-Tochter-Duo aus Schwarme freut sich über die zurückgewonnenen Freiheiten.
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Das Vater-Tochter-Duo aus Schwarme freut sich über die zurückgewonnenen Freiheiten.

Br.-Vilsen – Es muss keine Reise sein, auch kein Restaurantbesuch. Die 92-jährige Marga Breitinger freut sich besonders über die kleinen Dinge, die ihr mit der vollständigen Impfung nun wieder möglich sind.

Es muss keine Reise sein, auch kein Restaurantbesuch, stattdessen freut sich Marga Breitinger ganz besonders über die kleinen Dinge, die ihr nun wieder möglich sind. „Der Schnack mit den Nachbarn im Garten kann jetzt wieder regelmäßiger und mit weniger Abstand erfolgen“, erklärt Betreuerin Elsbeth Kruse im Namen ihrer Tante. Die 92-jährige Seniorin aus Hustedt ist eine von knapp 420 Personen der Ü-80-Gruppe, die gestern die zweite Corona-Schutzimpfung in der Mensahalle in Bruchhausen-Vilsen erhalten haben.

Und darüber ist sie sichtlich froh. Mit Nebenwirkungen nach dem ersten Piks habe sie gar nicht kämpfen müssen. „Ich habe es mir viel schlimmer vorgestellt, dachte, dass ich gar nicht auf der Einstichstelle liegen könnte, aber ich habe wunderbar geschlafen“, berichtet sie. Auch ihrer Nichte Elsbeth Kruse, die bei einem Pflegedienst arbeitet und sich um die Seniorin kümmert, gibt dieser letzte Termin im Impfzentrum ein Gefühl von Sicherheit: „Man ist jetzt einfach viel beruhigter“, sagt sie.

Durch ihren Beruf ist auch sie bereits vollständig geimpft und freut sich, mit der zurückgewonnenen Freiheit an Himmelfahrt nun endlich wieder ein paar Tage verreisen zu können. „Wir planen einen Campingausflug. Auch wenn ich nun wieder gastronomische Betriebe besuchen dürfte, ohne einen negativen Test vorzulegen, ist das für mich nicht unbedingt nötig. In unserem Wohnmobil koche ich gern selbst“, erläutert Elsbeth Kruse aus Hoyerhagen ihre Pläne. An ihrem Verhalten ändert sich durch den Impfschutz somit nur wenig. Bereits vorher habe sie beispielsweise die Möglichkeit, in Einzelhandelsgeschäften mit einem Negativ-Test einkaufen zu gehen, nicht in Anspruch genommen. „Ich hatte kein großes Problem damit, dass mir dieses Angebot verwehrt blieb, es musste einfach nicht sein.“

Ebenso erleichtert sind ein Vater und seine Tochter aus Schwarme über den Impfschutz. „Diese Woche ist sein erstes Urenkelkind geboren, das können wir jetzt auch unbesorgt besuchen“, freut sich die Krankenschwester, die den Senior an diesem Tag begleitet. Darüber hinaus sehe ihr Vater jetzt auch bald ihre Schwester endlich wieder, worauf er schon lange gewartet habe. „Ich habe so viele Tests machen müssen und bin froh, dass das jetzt ein Ende hat“, hebt sie außerdem hervor. In Bezug auf die zurückgewonnenen Freiheiten für Genesene und vollständig Geimpfte, kann die Krankenschwester jedoch Verständnis für diejenigen aufbringen, die davon bisher noch ausgeschlossen sind.

Marga Breitinger und ihre Nichte Elsbeth Kruse (rechts) hatten beide nicht mit Nebenwirkungen zu kämpfen.

„Ich kann die Jugendlichen verstehen. Sie sind immerhin seit knapp eineinhalb Jahren eingesperrt“, meint die Schwarmerin. Sie würde daher Lockerungen für kleinere Gruppen begrüßen, sodass sich die jüngere Generation beispielsweise mit fünf statt mit 30 Personen treffen könnte, um gemeinsam zu grillen oder Musik zu hören. „Auch die Schausteller und viele Kleinunternehmer wie Zoos haben um ihre Existenz zu kämpfen. Trotzdem ist natürlich klar, dass man sich schützen muss“, lautet ihre Meinung.

Freude kam nach dem zweiten Piks jetzt auch bei einer Frau aus Haendorf auf, die gestern gemeinsam mit ihrem Mann ein letztes Mal das Impfzentrum aufsuchte. „Es ist toll, dass ich nun endlich wieder im Schwimmbad in Bruchhausen-Vilsen baden gehen kann“, sagt sie. Ebenso geht es ihrem Mann, der sich besonders auf ein Wiedersehen mit seinem Enkelkind freut. Darüber hinaus plant er, sich mal wieder mit einem Freund auf ein Bier zu treffen oder mit seiner Frau einen Kaffee trinken zu gehen. Den „Nicht-Geimpften“ rät er, weiterhin vorsichtig zu sein, und appelliert an die Vernunft der Jugend, auch weiterhin auf ausschweifende Partys zu verzichten. Doch so groß die Freude über den Schritt zurück zu mehr Normalität auch sein mag, so schlecht ging es ihm nach der ersten Impfung. „Das muss aber ja nicht unbedingt daran gelegen haben, jedoch hatte ich knapp fünf Tage mit einem Infekt zu kämpfen“, erläutert der Senior.

Ein letztes Mal ins Impfzentrum: Rund 420 Senioren der Gruppe über 80 Jahren kamen gestern für die Zweitimpfung in die Mensahalle nach Bruchhausen-Vilsen.

Trotz der großen Anzahl an Personen, die gestern einen Termin für die zweite Impfung in Bruchhausen-Vilsen hatte, wirkte die Mensahalle keineswegs überfüllt, sondern schon fast leer. Von langen Warteschlangen fehlte jede Spur. Neben der guten Organisation könnte das wohl auch daran liegen, dass einige der Senioren ihren Termin aus gesundheitlichen Gründen abgesagt haben. „Die müssen sich nun für den zweiten Piks mit ihrem Hausarzt, dem Impfzentrum in Bassum oder dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen“, erklären Cathleen Brinkmann und Andreas Schnichels vom Organisationsteam der Samtgemeinde. Sie sind stolz darauf, vielen Menschen vor Ort eine Impfung anbieten zu können und freuen sich, dass das Thema Impfung nun endlich Fahrt aufgenommen hat.

„Das größte Problem ist aber, dass zu wenig Impfstoff vorrätig ist, sodass beispielsweise die Jugend noch keine Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen“, so Schnichels. Dadurch, dass eine bestimmte Gruppe nun Freiheiten zurückgewinne, diese anderen zeitweise jedoch noch verwehrt blieben, sei es verständlich, dass Unruhe aufkomme. „Gäbe es Impfstoff für alle Gruppen, hätten wird dieses Problem gar nicht“, meint Andreas Schnichels. Mit Blick in die Zukunft befürchtet er, dass der Gesellschaft noch ein harter Weg bevorstehe, der seiner Meinung nach nur gemeinsam gemeistert werden könne.

Weitere Impftermine

.  5. Juni: Zweite Impfung für die Ü-70-Jährigen der älteren Jahrgänge

.  21. Juni: Zweite Impfung für die Ü-70-Jährigen der jüngeren Jahrgänge

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