Corona-Schutzimpfung

Mutter verhilft Oberschule Bruchhausen-Vilsen zu einem Impfangebot in der Schule

Arzt impft Jugendlichen
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Stefan Friedrichsen impft Schüler der Oberschule Bruchhausen-Vilsen in ihrem Forum.

Samtgemeinde – 42 Schüler der Oberschule (OBS) Bruchhausen-Vilsen haben Freitag ein Impfangebot in ihrem Forum wahrgenommen. Die private, von Schulleitung und zuständigen Stellen begrüßte und genehmigte Aktion, ist nach Kenntnisstand des Landratsbüros die kreisweit bisher erste und einzige Initiative dieser Art. Und wurde als solche auch von Impfgegnern zur Kenntnis genommen.

Ab 1. Oktober, also in knapp einer Woche, könnten bis zu vier mobile Teams grundsätzlich auch an Schulen gegen Corona impfen, informiert der Landkreis auf Nachfrage über neue Pläne des Landes. „Die Planungen hierzu befinden sich allerdings noch im Anfangsstadium“, teilt das Landratsbüro mit. „Vorrangig wird jedoch zu prüfen sein, ob die neu zu bildenden mobilen Impfteams in Alten- und Pflegeeinrichtungen für Drittimpfungen zur Entlastung der kassenärztlichen Regelversorgung eingesetzt werden“, heißt es in einer schriftlichen Antwort weiter.

Der Bassumer Kinder- und Jugendarzt Holger Theek hatte dem Landkreis bereits Anfang September vorgeschlagen, den Impfstoff zu den Kindern zu bringen und Ideen vorgestellt, wie eine Impfkampagne an Schulen aussehen könne. „Wir werden von Anfragen nach Impfungen überrannt“, schildert der Mediziner aus seinem Alltag.

Holger Theek sei bisher der Einzige, der zu diesem Thema das Gespräch mit dem Landkreis suche, teilt das Landratsbüro mit. Anfragen von Schulen nach Impfaktionen lägen nicht vor. Die OBS habe bei allen Behörden jedoch offene Türen eingerannt, sagt Jürgen Schiffbach, Mitglied der kommissarischen Schulleitung. Schulträger, Schulbehörde, Gesundheitsamt, alle seien einverstanden gewesen.

Die Initiative zum Impftermin im Forum hatte Sabrina Macit ergriffen, eine Mutter, deren Kinder im sechsten und achten Jahrgang der OBS unterrichtet werden. Als Mitarbeiterin einer internistischen Hausarztpraxis in Weyhe konnte sie ihren Chef gewinnen, für einen Vormittag mit ihr nach Bruchhausen-Vilsen zu kommen. „Ich bin selber Vater“, stellte sich der Arzt Stefan Friedrichsen den Jugendlichen gestern vor.

Detailliert informierte er die Kinder über den Ablauf und die Nebenwirkungen. Die Eltern hatten ihr Einverständnis zuvor schriftlich erklärt. „Wir achten heute besonders auf euer Befinden, ihr könnt uns jederzeit ansprechen“, ermutigte die Schulleitung ihre Schützlinge, sich bei Unwohlsein jeder Art zu Wort zu melden.

„Mir geht es gut“, bestätigten die Teilnehmer aus Jahrgang sieben, die nach dem Pieks für 15 Minuten auf den Stühlen im Forum abwarteten, ob es zu körperlichen Reaktionen auf die Impfung kommt. „Ich möchte mich vor einem schweren Verlauf schützen“, erzählte die zwölfjährige Emma, warum sie sich impfen ließ. „Mein Vater war sofort einverstanden“, meinte sie. Als die Nebenwirkungen zur Sprache kamen, habe sie zwar ein flaues Gefühl gehabt, ihre Entscheidung aber nicht geändert.

„Das macht mir keine Angst“, sagte der 13-jährige Stefan zu möglichen Impfreaktionen. Er lasse sich gegen Corona impfen, weil dann die Tests für ihn entfallen. „Es ist bequemer, geimpft zu sein“, sagt er zu seiner Motivation.

Von den 461 Schülern der OBS sind etwa 320 älter als zwölf Jahre. Neben den gut 40, die sich jetzt für eine Impfung vor Ort entschlossen haben, sind weitere 80 bis 100 bereits geimpft. Sie müssen sich an den vorgeschriebenen Tests auf Covid-19 nicht beteiligen.

„Wir freuen uns über das Angebot und die Resonanz, denn so ein Schuljahr wie das letzte möchte niemand von uns noch einmal erleben“, sagte Jürgen Schiffbach und erinnerte an monatelangen Ausfall des Präsenunterrichts. Die Folgen seien verheerend. „Es hapert an allen Ecken und Enden“, sagte er gestern zum Wissensstand der Schüler nach eineinhalb Jahren Pandemie. Die Schule stelle sich dem Auftrag, viel Stoff aufzuarbeiten. „Aber uns fehlen vier bis fünf volle Lehrerstellen“, berichtete er aus der Realität. Die Unterrichtsversorgung an der OBS liege derzeit bei 90 Prozent.

Wie die Impfquote unter Jugendlichen im Landkreis aussieht, darüber liegen dem Landkreis keine Angaben vor „und können aus den vorliegenden Daten auch nicht generiert werden“, ist aus dem Büro des Landrats zu hören. Die Impfquote aller lag Freitag im Landkreis Diepholz bei 68,58 Prozent Erstimpfungen und 62,16 Prozent Zweitimpfungen, informiert der Landkreis in diesem Zusammenhang.

Am 15. Oktober erhalten die Schüler der OBS den zweiten Teil ihre Impfung. Für Interessierte des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen besteht dann die Gelegenheit, sich vom Weyher Team erstmals impfen zu lassen. Das Gymnasium habe das Angebot der OBS gerne angenommen, sich der Aktion anzuschließen, heißt es aus der Schulleitung.

In der Nacht zu Freitag hatten Unbekannte auf dem Gelände des Schulzentrums Anti-Impf-Slogans aufs Pflaster gesprüht. Wer das Forum zum Impfen betreten wollte, kam an den neon-pinken, mit Schablonen erstellten Schriftzügen „Impfung tötet“ nicht vorbei. „Wir hätten uns gefreut, wenn jemand den Mut gehabt hätte, hier heute Morgen seine Argumente mit uns auszutauschen“, sagte Jürgen Schiffbach zu der anonymen Aktion, die die Schule bei der Polizei angezeigt hat.

„Den Gebrauch von Schablonen muss man professionell nennen. Diese Form des Protests gegen das Impfen kennen wir im Landkreis bisher nicht“, so Polizei-Pressesprecher Thomas Gissing auf Nachfrage. Die Samtgemeinde als Schulträger habe ein Unternehmen beauftragt, die Verschmutzung kurzfristig zu entfernen, teilte Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann mit.

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