„Ich vermisse die Essensstände“

Anna Sophia Helms aus Schwarme hat ein Jahr in Thailand verbracht

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Anna Sophia Helms (hinten, links) mit einigen thailändischen Freunden.

Schwarme - Ein Jahr verbrachte Anna Sophia Helms weit weg von ihrer Heimat Schwarme und ihrer Familie. Gleich drei neue Familien bekam sie dafür in Thailand, nacheinander wohnte sie bei ihnen.

Anna Sophia ist mit Unterstützung des Rotary Clubs Bruchhausen-Vilsen in die etwa 8 900 Kilometer entfernte Stadt Nakhon Ratchasima gereist, die auch Korat genannt wird. Die Planungen für den Auslandsaufenthalt begannen rund ein Jahr vor dem Abflug im August 2016. Bei Recherchen im Internet stieß die 18-Jährige auf die Rotarier. Es folgten einige Treffen, und die Schülerin des Gymnasiums in Hoya erstellte eine Rangliste der Wunschländer, in die sie für ein Jahr reisen wollte. Neben Thailand standen darauf auch Japan und Mexiko, erinnert sich Anna Sophia. Es wurde Thailand.

Dort ging sie in die elfte Klasse der Suratham Phithak School. In der Schule wurde jeden Morgen vor dem Unterricht gebetet, die Königs- sowie die Thaihymne gesungen. Zudem war eine Schuluniform Pflicht. Trug Anna Sophia diese, wurde sie auf Thai angesprochen, ohne Uniform nicht. „Generell bin ich schon aufgefallen“, sagt sie. Ihre Klausuren schrieb Anna Sophia in Englisch. „Die Thai-Schrift habe ich nicht gelernt.“

Wechsel zwischen drei Wohnungen

Blieb die Schule für Anna Sophia während des Jahres dieselbe, wechselte sie zwischen drei Wohnungen. Ihre erste Gastfamilie, die Juengsirikuls, hatte einen Antiquitäten-Laden. Anna Sophia lebte mit ihren Gasteltern und zwei Gastbrüdern zusammen, ein weiterer Sohn der Familie war zu der Zeit in Deutschland. Rund sechs Monate blieb die Schwarmerin in ihrer ersten Gastfamilie.

Dann ging es zu den Großeltern Juengsiriku, bei denen auch Onkel und Tante ihrer bisherigen Gastgeschwister lebten. Sie besaßen ein Geschäft für Auto-Ersatzteile. Dort lebte die Austauschschülerin bis April. „Ich habe dem vierjährigen Sohn beigebracht, auf Deutsch bis Zehn zu zählen“, erinnert sie sich.

In der dritten Familie, bei den Intawans, freute sich Anna Sophia über zwei jüngere Gastschwestern. Auch in Deutschland hat sie eine 14-jährige Schwester. Die musste während des Jahres übrigens nicht ganz auf eine große Schwester verzichten. Denn die Amerikanerin Kayla Larson verbrachte ein Austauschjahr in Deutschland bei Familie Helms, ebenfalls organisiert vom Rotary Club.

Oft mit Freunden getroffen

Doch zurück nach Thailand: Direkt nach der Schule war es üblich, sich mit Freunden zu treffen, beispielsweise an Ständen etwas zu essen, ins Kino oder shoppen zu gehen. Filme gibt es dort sowohl auf Thai als auch auf Englisch. „Einmal habe ich einen Film in Thai geschaut“, sagt Anna Sophia. „Und ihn ein wenig verstanden.“

Zu Beginn des Austauschjahrs hatte die Schwarmerin kein Wort Thai gesprochen. „Meine neuen Freunde haben mich förmlich dazu gezwungen, die Sprache zu lernen“, sagt sie lächelnd. Da sie zu Beginn des Jahres die einzige Austauschschülerin in Korat war, blieb ihr auch gar nichts anderes übrig, wenn sie sich unterhalten wollte. Mit ihren thailändischen Freunden hält sie noch heute Kontakt via „Line“, einem thailändischen Messenger. Besuchen möchte Anna Sophia die Freunde und Familien auf jeden Fall noch einmal.

Essensstände gab es in Korat an jeder Ecke. „Das ist wie das ganze Jahr Freimarkt“, sagt die 18-Jährige. Besonders scharfe Suppen haben es der Gymnasiastin angetan. Und das trotz extremer Hitze in dem Land. Man habe immer geschwitzt und war erschöpft, erinnert sich die 18-Jährige. „Die Regenzeit hat mir am besten gefallen.“ Generell herrscht in Thailand ein tropisches Klima – mit Temperaturen von bis zu 40 Grad.

Unterwegs war Anna Sophia per Songthaew, einem umgebauten Pritschenwagen, der eine Art Sammeltaxi ist. „Damit habe ich die ganze Stadt kennengelernt“, sagt sie. Und fügt grinsend an: „Essen war dabei die Hauptbeschäftigung.“

Essen wurde groß geschrieben

Apropos Essen, das wurde an sogenannten Familientagen besonders groß geschrieben. Dann kamen viele Verwandte zu den Juengsirikuls, ihrer ersten Gastfamilie. „Alle sitzen zusammen, es gibt verschiedene Teller mit Speisen“, erzählt die Gymnasiastin. Verwunderlich war für sie, dass sich jeder einfach etwas nimmt, wenn es ihm passt, und nicht gleichzeitig gegessen wird. „Und wenn man fertig ist, steht man auf und geht.“

Auch neu war für Anna Sophia eine extreme Form des Respekts. „Vor den Lehrern haben wir uns immer verbeugt“, erinnert sie sich. Und sobald sie älteren Menschen begegnet ist, war es normal, mit gesenktem Kopf an ihnen vorbeizugehen.

Respekt zolle die Schwarmerin auch König Bhumibol Adulyadej. Der 88-Jährige starb kurze Zeit, nachdem sie in Thailand angekommen war und hatte von 1946 bis zu seinem Tod am 13. Oktober 2016 Thailand regiert. Das hieß für die gesamte Bevölkerung: Einen Monat Schwarz tragen. „Die ganze Stadt war Schwarz, das war ein sehr komischer Anblick“, sagt die 18-Jährige. Abschlussfeiern seien ausgefallen. Auch fuhr sie gemeinsam mit ihrer Gastmutter zum Palastgelände in Bangkok. Dort erwiesen etliche Thais dem König den letzten Respekt.

Für Anna Sophia ging es während des Jahres aber nicht nur nach Bangkok. Mit anderen Rotary-Schülern reiste sie mehrere Male innerhalb Thailands. Es ging zum Wandern nach Phukradeung, mit den Van durch die Gebirge von Chiang Mai und Chiang Rai sowie zum Schnorcheln nach Phuket. „Ich würde so ein Auslandsjahr immer wieder machen“, sagt die Schwarmerin.

vik

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