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Hirntumor: Trotz erfolgreicher OP kann Kathrin Kolkmann nicht gesund werden

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Von: Regine Suling-Williges

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Ehepaar sitzt auf dem Sofa
Halten fest zusammen: Kathrin Kolkmann und ihr Mann René. © Regine Suling-Williges

Schwarme – „Ich bin eigentlich immer positiv und habe selten so richtig schlechte Laune“, erzählt Kathrin Kolkmann lächelnd, während ihr Sohn durchs Obergeschoss tobt. Für schlechte Laune hätte die 36-Jährige wahrlich jeden Grund: Im vergangenen Sommer ist bei der Schwarmerin ein Glioblastom diagnostiziert worden, ein bösartiger, unheilbarer und schnell wachsender Hirntumor, der ihr nach damaligen Schätzungen eine Lebenserwartung von zwölf bis 18 Monaten lässt.

Die junge Frau und ihr Mann René gaben jedoch nicht auf: Damit sie ihr Haus in Schwarme behalten und gemeinsam mit ihrem Sohn Jonas in dessen gewohnten Umgebung bleiben konnten, spendeten viele Menschen nach ihrem Hilferuf Geld; die Freunde der Familie starteten eine beispiellose Aktion und einen großen Hausflohmarkt (wir berichteten).

„Es gibt Leute, die mich dafür verteufelt haben, an die Öffentlichkeit zu gehen, und andere, die sagten: ‚Das war die beste Idee, die du je hattest‘“, bringt René Kolkmann die Reaktionen seiner Mitmenschen auf den Punkt. Das Ziel des Familienvaters war es, das Umfeld für seine Familie zu erhalten.

Klar, man hätte das Haus verkaufen können. „Aber wo bleibt man dann?“, fragt Kathrin Kolkmann angesichts der angespannten Situation auf dem Markt. Mietwohnungen sind nicht unbedingt günstiger als ein Hausabtrag. Ein entscheidender Grund, in Schwarme nicht nur bleiben zu wollen, sondern es sogar zu müssen, war aber ein anderer: Der fünfjährige Jonas hat Diabetes Typ 1 und ist rund um die Uhr auf Unterstützung angewiesen. „Der Kleine braucht eine Assistenz für den Kindergarten. Die ist nur für den Landkreis Diepholz genehmigt. Und allein bis zu dieser Genehmigung hat es sechs Monate gedauert“, erläutert René Kolkmann. Er hat seit dem 1. Januar seine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert. Dank der Spenden kommt die Familie über die Runden. „Es hilft ja jeder Euro. Ein großes Dankeschön gilt allen Spenderinnen und Spendern“, äußert René Kolkmann seine große Dankbarkeit.

Direkt nach der niederschmetternden Diagnose im vergangenen Jahr ist Kathrin Kolkmann in Rotenburg operiert worden und hat sich im Anschluss einer Chemotherapie unterzogen.

Ende vergangenen Jahres fand sich in ihrem Gehirn wieder ein Rezidiv. Während eine weitere Operation in Rotenburg abgelehnt wurde, stellte sich Kathrin Kolkmann am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf (UKE) vor. „Die haben gesagt: ‚Wir würden’s operieren‘“, erzählt Kathrin Kolkmann. Sie unterzog sich der erfolgreich verlaufenen OP und macht jetzt eine Immuntherapie, für die sie alle drei Wochen ins UKE fahren muss. „Wir hoffen, dass das Erfolg bringt“, wünscht sich die 36-Jährige.

Vor der ersten Hirn-OP war ihr besonders mulmig, vor der zweiten ging es ihr schon besser. „Entweder du wirst wach und hast alle Sinne beisammen – oder nicht“, habe sie sich gedacht. Sie vergesse viel, sagt die 36-Jährige. Und auch körperlich besonders belastbar sei sie derzeit nicht. Sie könne gut über ihre Erkrankung sprechen. „Aber wenn ich dann Jonas sehe, holt mich das wieder ein.“

Ihr großes Ziel sei es, seine Einschulung im nächsten Jahr mitzuerleben. Dass sie nicht dabei sein werde, wenn er zum ersten Mal eine Freundin mit nach Hause bringe, mache sie traurig. Sie hat sich jedoch genau das zu Herzen genommen, was ihr ein Arzt gesagt hat: „Leben Sie Ihr Leben weiter wie bisher, auch wenn es schwer ist.“

Wie viel Zeit ihr noch bleibt? „Es gibt keine Prognose und keine Genesung“, weiß Kathrin Kolkmann, die bis zu ihrer Erkrankung als Assistentin der Werksleitung bei einem Unternehmen in Bremen gearbeitet hat. Ihr befristeter Vertrag läuft jetzt aus. „Die Arbeit da hat mir immer Mega-Spaß gemacht“, erzählt die 36-Jährige.

„Aber auf einmal bist du ein Krebspatient. Und viele Menschen stehen dir gegenüber und wissen erst mal nicht, was sie sagen sollen“, hat sie festgestellt. 36 Jahre – das sei kein Alter, um zu sterben. „Ich bin einfach zu jung“, sagt Kathrin Kolkmann. Der Humor indes ist ihr nicht abhandengekommen. Auf die Frage, ob sie gerne noch etwas loswerden möchte, was in diesem Artikel unbedingt erwähnt werden sollte, kennt sie nur eine Antwort: „Ja, den Tumor.“

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