Horst Brockmüller bietet Nachtwächter-Führungen durch den Ortskern an

Schlaflos in Vilsen

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Horst Brockmüller führt Interessierte als Nachtwächter durch den Ort. Dabei wird es schon mal gruselig.

Br.-Vilsen - Von Max Brinkmann. Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist längst dunkel auf den Straßen von Vilsen. Nur ein Mensch ist zu dieser späten Stunde noch unterwegs. Er macht die Gaslaternen aus und schaut nach dem Rechten: der Nachtwächter. Diese Zeiten sind längst vergangen. Doch Nachtwächter gibt es immer noch. Oder, genauer gesagt: Wieder. Denn ab sofort bietet der Flecken Bruchhausen-Vilsen Führungen mit Nachtwächter Hors von Brooke alias Horst Brockmüller an.

„Das neue Angebot ist dank der Eigeninitiative von Horst Brockmüller entstanden“, erzählt Jutta Filikowski vom „TourismusService“. Brockmüller ergänzt: „Ich mache gerne Urlaub in Städten und schaue mir dort die Nachtführungen an. Und so hatte ich vor über einem Jahr die Idee, so was auch in Bruchhausen-Vilsen zu machen.“ Bevor es losging, recherchierte der Gästeführer erst mal ausgiebig im Archiv zum Thema Nachtwächter.

Wenn Hors von Brooke die Bürger abends durch den Ortskern führt, dann ist er passend gekleidet – mit Umhang, Schlapphut, Horn, Laterne und Hellebarde. Die Hellebarde ist eine Hieb- und Stichwaffe, die früher jeder Nachtwächter dabei hatte. Er brauchte sie, falls er für Ordnung sorgen musste. Heute dürfte sie beim Gang durch Vilsen nur noch Zierde sein.

Nachtwächter waren vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts – ungefähr bis zur Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung – auch hierzulande aktiv. Ihre Aufgabe war es beispielsweise, aufzupassen, dass während der Nacht alles ruhig blieb und Alarm zu schlagen, wenn es ein Feuer gab.

Horst Brockmüller ist seit drei Jahren als Gästeführer in Bruchhausen-Vilsen tätig, er bietet etwa die Radtour „Bruchhausen-Vilsen und unser Lebenselixier, das Wasser“ an. Von September bis März führt er fortan auch mit Einbruch der Dunkelheit Einheimische und Touristen durch den Ort. Kinder sind gerne gesehen.

In seinen Führungen berichtet Brockmüller von der Vergangenheit Bruchhausen-Vilsens, er erzählt Geschichten von einer Bierbrauerei am Heiligenberg und hat sogar einen echten Nachtwächtervertrag von 1794 aus dem Archiv dabei. Darin steht genau, was der Wächter einst zu erledigen und welches Signal er in welchem Fall mit seinem Horn zu blasen hatte.

Unterwegs wird Brockmüller durchaus kreativ: Seine Geschichten sind nicht immer zu 100 Prozent wahr, und so kann es schon mal gruselig werden. „Die Nachtführungen sind ein Erlebnis, es gibt nicht nur pure Information“, verspricht Brockmüller.

Eine Tour dauert eine bis anderthalb Stunden und führt vom Bavendamschen Haus aus zum Kohlwührensee, zum Engelbergplatz, zum Gartenweg, zur alten Schule und zum Kirchplatz. Eine Gruppe sollte höchstens 20 Personen umfassen.

Wer Interesse an einer Führung mit Nachtwächter Hors von Brooke hat oder mehr Informationen wünscht, kann sich beim „TourismusService“ unter Telefon 04252/930050 oder E-Mail tourismus@bruchhausen-vilsen.de melden. Die Teilnahme kostet je nach Gruppenstärke etwa drei Euro pro Person.

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