Forstverbands-Vorsitzender Weidenhöfer: Waldbauern legen bares Geld zu

Holzpreise auf Tiefststand

Holz schafft Kunst, wie auf diesem Bild einer Kopfweide im Schwarmer Bruch im frühen Frühling. Es ist ebenso ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor. Foto: Hermann Schröder

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Holz ist ein unverzichtbarer Werkstoff in der Bauwirtschaft, Industrie und Möbelbranche. Aber die Preise für diesen elementaren Rohstoff sind zurzeit auf dem Tiefststand – nicht zuletzt wegen Corona: „Alle Absatzmärkte sind dicht“, beschreibt Gert Weidenhöfer als Vorsitzender des Forstverbands Grafschaft Hoya und Grafschaft Diepholz die aktuelle Lage.

Holz aus den Wäldern im Landkreis Diepholz und darüber hinaus wird – über Zwischenhändler – bis nach China exportiert. Nicht nur die Pandemie wirft lange Schatten. Stürme und der Borkenkäfer machen den Waldbauern das Leben ebenso schwer. Mit spürbaren Folgen, die der Vorsitzende des Forstverbands mit Zahlen und Fakten belegen kann.

Das sogenannte Industrieholz, das einen hohen Anteil des aufbereiteten Waldholzes ausmacht, brachte seinen Besitzern vor neun Jahren noch 26,50 Euro pro Raummeter ein. Verwendet wird dieses Holz für die Herstellung von Span- und Faserplatten – aber genauso als Grundstoff für die Papierherstellung oder die Produktion von Holzwolle. „Die Konjunktur lief damals gut“, blickt Gert Weidenhöfer auf das Jahr 2011 zurück.

Heute sei dieses Industrieholz nicht mehr kostendeckend zu vermarkten, so der Verbandsvorsitzende. Allein die Aufarbeitung betrage 12,50 Euro pro Raummeter. „Zu verkaufen ist es aber nur noch für zwölf Euro“, erläutert Gert Weidenhöfer, der seit sage und schreibe 48 Jahren Vorsitzender des Forstverbands ist. Zu berücksichtigen seien außerdem noch die zu entrichtenden Kosten für Verwaltung und anderes. Deshalb müssten die Waldbauern bares Geld zulegen – etwa drei Euro pro Raummeter, schätzt Weidenhöfer.

Wenigstens am Paletten- und Bauholz könnten die Waldbesitzer noch etwas verdienen – wenngleich deutlich weniger als in den Vorjahren: „Ich schätze, dass in der Summe ein bis zwei Euro pro Raummeter übrig bleiben“, taxiert der Verbandsvorsitzende den aktuellen Gewinn.

In solchen Preisen spiegeln sich aber auch die Auswirkungen von Kyrill, Emma oder Klaus. Diese und andere Stürme haben in den Wäldern enormen Windbruch verursacht – und damit eine Angebotsschwemme an Holz ausgelöst. In Niedersachsen sind laut Landwirtschaftsministerium 26  280 Hektar Wald beschädigt. Bundesweit werden allein im laufenden Jahr mehr als 13 Millionen Kubikmeter Schadholz erwartet.

Denn gleichzeitig nagt der Borkenkäfer kräftig am Holz und seiner zukünftigen Ernte – im Wortsinn. Vor allem Fichten und Kiefern befällt diese Gattung. Allein in Deutschland sind 110 Arten dieser Rüsselkäfer dokumentiert. Fachleute schätzen, dass diese Käfer pro Jahr 0,7 Prozent der Holzeinschlagsmenge in Europa vernichten – Tendenz steigend.

Wobei die Witterung, wie stets in der Natur, eine wichtige Rolle spielt. Die Klimaveränderungen mit lang anhaltenden Trockenheits-Phasen werfen lange Schatten auf die Waldwirtschaft. Laut Gert Weidenhöfer leiden die Flächen im Forstverband Grafschaft Hoya und Grafschaft Diepholz nicht so stark unter dem Wassermangel wie in anderen Regionen.

Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind laut Bundeslandwirtschaftsministerium 48 Prozent in privatem Besitz. Es sind Waldbauern wie die 1 500 Mitglieder im Forstverband, die auf Beratung angewiesen sind. Eine Aufgabe, die Förster übernehmen und für die es bisher Zuschüsse gibt. Aber genau das will die EU – aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – ab 2020 ändern. Der Forstverband sucht nach einer besseren Lösung.

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