„Holdkroog-Speeler“ feiern gelungene Premiere / Vollbesetzter Saal

Theatergruppe entzündet „Feuerwerk der Heiterkeit“

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Gemeinsame Sache machten Putzfrau Katrin Piper (Ilse Grimberg, links) und Haushälterin Mile Haak (Anke Bensemann) beim Entziffern eines Liebesbriefs, den ihr gemeinsamer Hausherr und Arbeitgeber zerrissen hatte.

Weseloh - Von Horst Friedrichs. Wenn Kramer Kray seinen Kummer in Kümmel und Korn ertränkt, steht ihm sein bester Freund Asmus Broihann treu zur Seite. Und weil die beiden in Hamburg zu Hause sind, wählen sie für gemeinsame Züge durch die Gemeinde den naheliegendsten Ort – St. Pauli und die Reeperbahn. Das ist die Ausgangslage für „Kramer Kray un de verdreihten Wiever“ – eine plattdeutsche Komödie. „De Weseloher Holdkroog-Speeler“ präsentierten sie am Freitagabend erstmalig einem begeisterten Publikum im vollbesetzten Saal des Gasthauses Clausing in Weseloh.

Renate Bremer begrüßte die vielen Gäste und gab ihnen einen Überblick über die vielen Helfer, die am Zustandekommen der Inszenierung beteiligt waren. Die Spielleitung hatte Brigitte Sante, die zugleich als Souffleuse fungierte. Nachdem sich die Zuschauer mit einer Schlachteplatte gestärkt hatten, hieß es „Vorhang auf!“ für ein wahres Feuerwerk der Heiterkeit. Die „Holdkroog-Speeler“ entfesselten es mit derart überzeugendem Witz und treffsicheren Pointen, dass sich die Bühnenbretter bogen.

Immer wieder belohnten Lachsalven und Applaus die Akteure für ihre schauspielerischen Glanzleistungen. Die Zuschauer litten und lachten mit Karsten Kray (Frank Bremer), der als Witwer und wohlhabender Hamburger Geschäftsmann die Höhen und Tiefen seiner Einsamkeit mit nächtelangen Ausschweifungen im Rotlichtviertel erträglich zu gestalten versucht. Dass sich sein Kumpel Asmus Broihann (Rolf Benger) dabei nicht gerade als sein bester Freund erweist, durchschaut die ihm nahestehende Damenwelt natürlich von Anfang an.

Bei letzterer handelt es sich um zwei treusorgende Seelen, allen voran Haushälterin Mile Haak (Anke Bensemann), dichtauf gefolgt von Putzfrau Katrin Piper (Ilse Grimberg). Der mehr oder weniger offen ausgetragene Konkurrenzkampf der beiden gilt ihrem Hausherrn, den sie in seltenem Einverständnis samt seiner Firma den Bach hinuntergehen sehen. Einig sind sie sich auch darin, dass ihr fehlgeleiteter Arbeitgeber und Witwer dringend eine neue Frau braucht. In deren Rolle sehen sich die beiden Haushaltshilfen natürlich insgeheim selbst, ohne dass sie es auch nur mit einer Silbe zugeben würden. Ebenso wenig gibt Kramer Kray zu, dass er sich in Wirklichkeit durchaus nach einem sicheren Ehehafen sehnt.

Weil sie ihm nichts als Verwirrungen bereiten, schimpft Kray ständig und lautstark über die titelgebenden „verdreihten Wiever“ und wird folgerichtig von seinem Freund, dem notorischen Junggesellen Broihann, darin bestärkt, Abwechslung im verlockenden und ebenso kostspieligen Hamburger Nachtleben zu suchen. Als sich daraus mehr und mehr Verwicklungen anbahnen, steht Krays Hausknecht Hein Kohrs (Arne Wachendorf) zwischen den Fronten, obwohl er sein bestes tut, vermittelnd einzugreifen. Als dann aber eine „Abgesandte“ der ach so fernen und fremden Rotlichtwelt in das gutbürgerliche Leben im Hause Kray einbricht und das ihr versprochene goldene Armband abholen will, geht der Verwicklungs-Spaß erst richtig los. Hinzu kommt eine geheime Verehrerin namens Laura, die den Kramer per Brief und per Telefon in Bedrängnis bringt.

Die Irrungen und Wirrungen nehmen ihren Lauf, und zur Freude des Publikums ziehen die Darsteller alle komödiantischen Register – bis hin zu einem fast schon nicht mehr erhofften Happy End, das hier aber nicht verraten werden soll. Immerhin stehen noch einige Aufführungen auf dem Plan (siehe Homepage).

Ein atmosphärisch einfühlsames Gesamtbild der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts boten die „Holdkroog-Speeler“ sowohl bühnenbildnerisch als auch darstellerisch. Denn jene Zeit, in der das Stück spielt, lebte mit eingängigen Requisiten wie Vorkriegstelefon und Koffergrammofon ebenso auf wie mit den Bestandteilen eines perfekt gedeckten Frühstückstischs, Mile Haaks vollendeter Praxis des Strümpfestopfens und des Umgangs mit dem Nähkästchen sowie nicht zuletzt Katrin Pipers eindrucksvoll vorgeführten Feudel-Fähigkeiten.

www.theater-weseloh.de

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