Schulausschuss-Vorsitzender Dr. Dr. Wolfgang Griese leitet seine letzte Sitzung

Hoffnung auf den zweiten großen Wurf

Wolfgang Griese leitet am 25. Oktober seine letzte Schulausschuss-Sitzung – und gehört zu den scheidenden Kreistagstagsabgeordneten, die schon heute offiziell in Barnstorf verabschiedet werden. Der Kreistag hatte sich bereits Ende September von Griese als langjährigen Kreistagsvorsitzenden verabschiedet – und ihm stehend Beifall gespendet. - Foto: Seidel

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Am 25. Oktober tagt der Schulausschuss zum letzten Mal in dieser Wahlperiode – ein denkwürdiges Datum, weil es mit dem Ende einer Ära verbunden ist. Denn zum letzten Mal leitet Dr. Dr. Wolfgang Griese (CDU) die Beratungen. Er zieht nach 15 Jahren auf eigenen Wunsch einen Schlussstrich unter diese Funktion in der Bildungsarbeit. Bei den Kommunalwahlen war der Gymnasialdirektor im Ruhestand nicht mehr angetreten.

Obwohl, wie er öffentlich schon bekannt hatte, Kommunalpolitik Suchtfaktor für ihn hat. „Obwohl sie mit sehr viel Arbeit verbunden ist“, stellt der scheidende Schulausschuss-Vorsitzende fest. Warum Suchtfaktor? „Man gestaltet mit“, antwortet Griese, „das stellt sehr zufrieden“. Nämlich dann, wenn am Ende eines Entscheidungsprozesses die Feststellung steht: „Das Problem ist gelöst – und es ist gut gelöst!“

Der Pädagoge aus Bruchhausen-Vilsen kennt die Schulausschuss-Arbeit bereits seit 42 Jahren – aus unterschiedlichen Perspektiven. Denn 1974 war Wolfgang Griese als Vertreter der Lehrerschaft Mitglied in diesem Gremium geworden.

„Es war die Zeit der großen Schulreformen“, blickt er zurück, „in dieser Zeit hat sich in der Bildungslandschaft sehr viel verändert“. Als Politiker zog der Pädagoge 1986 in den Kreistag ein – arbeitete genauso in der Samtgemeinde sowie im Flecken Bruchhausen-Vilsen politisch. Zusammen bringt er es auf diesen drei Entscheidungsebenen auf 75 Jahre kommunalpolitisches Engagement, weil er sowohl auf Kreis- als auch auf kommunaler Ebene jeweils eine Wahlperiode ausgesetzt hatte.

Von 1991 bis 1996 war Griese Vize-Vorsitzender im Schulausschuss und ist seit 2001 Vorsitzender. Der Schulausschuss ist für ihn ummer ein besonderer Ausschuss gewesen. Denn dort gehe es um „sehr viel Geld und um sehr viele Investitionen, die auf den Weg gebracht werden“. Im Schnitt sind es 37 Millionen Euro, so Griese, die dort pro Jahr vergeben werden.

Ein besonderes Gremium ist der Schulausschuss für ihn auch deshalb, weil dort Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der Lehrer sowie der Eltern und Schüler mit am Tisch sitzen. „Dieser Ausschuss hat die meisten Zuhörer, schätze ich mal“, sagt der scheidende Vorsitzende. Denn das Interesse an den Themen sei in der Öffentlichkeit sehr groß. „Mehrfach sind sie begleitet von Demonstrationen und Protesten.“ Wie beim Schimmelpilz- und PCB-Befall an der Graf-Friedrich-Schule in Diepholz, an der außerdem der Brandschutz fehlte und der Landkreis 8,5 Millionen Euro investieren musste. Oder beim politischen Tauziehen um die Kooperative Gesamtschule in Bassum, die am Ende keine Mehrheit bekam. „Für mich ist es sehr interessant gewesen, die Emotionen nach und nach herauszunehmen, damit sach- und zukunftsorientierte Lösungen gefunden werden“, beschreibt der Vorsitzende seine Aufgabe in Konfliktsituationen, „das war für mich sehr reizvoll“.

Unabhängig davon erinnert sich Griese an ein „riesengroßes Problem“ in der Bildungspolitik: Eine Vielzahl von Reformen habe das Land in einer Zeit auf den Weg gebracht, in der dem Landkreis das Geld für die notwendigen Investitionen fehlte. Deshalb musste der Kreistag die Kreisschulbaukasse von 2004 bis 2008 aussetzen. „Die Auswirkungen haben wir lange gespürt“, blickt Griese auf den Sanierungs- und Investitionsstau. Der habe 2007 rund 40 Millionen Euro betragen – und sei in fünf Jahren auf 20 Millionen Euro reduziert worden. „Entscheidend mitgeholfen hat dabei das Konjunkturprogramm des Bundes“, sagt Griese. Noch immer wirft die Zeit ohne Kreisschulbaukasse Schatten. „Wir sind dabei, die Altfälle aufzuarbeiten“, sagt der scheidende Vorsitzende, „und die Kreisschulbaukasse so aufzubereiten, dass sie nicht nur Neubauten, sondern auch größere Sanierungen finanzieren kann“.

Zu den Meilensteinen in seiner Ära zählt der Bildungspolitiker vor allem das Berufsschulkonzept mit der Schwerpunktbildung an den drei Standorten im Landkreis: „Damit sind wir auf dem besten Wege, ein Vorzeige-Landkreis zu werden.“ Denn mit adäquater moderner Ausstattung und den räumlichen Möglichkeiten könnten „effiziente didaktisch-methodische Ansätze“ wie das Lernfeldkonzept umgesetzt werden. Griese: „Es wäre wünschenswert, wenn ein solch großer Wurf mittelfristig auch für die allgemeinbildenden Schulen in Angriff genommen werden könnte.“ Das setze allerdings voraus, „dass man die Orientierung an den veralteten Schulbauhandreichungen aufgibt, und den heutigen vielfältigen Anforderungen von Schule stärker Rechnung trägt“.

Will heißen: Schulunterricht braucht heute einen völlig anderen Rahmen als noch vor Jahrzehnten. Griese formuliert das so: „Pädagogisch sinnvolle Unterstützungsformen und Differenzierungsmodelle verlangen – sollen sie in der Praxis gelingen – auch zeitgemäß angepasste Raumkonzepte.“

Der Landkreis Diepholz sei ein Landkreis, „in dem Bildung, Ausbildung und Weiterbildung einen herausgehobenen Stellenwert haben“. Denn er erfülle mehr als nur seine reine Schulträger-Aufgabe: „In der Steuerungsgruppe Bildung sucht er mit Hilfe des Bildungsbüros nach Möglichkeiten, um die Rahmenbedingungen für Schulen zu verbessern.“ Wie zum Beispiel über das Bildungsmonitoring, das die Bildungslandschaft im Landkreis zunächst analysiere, um „punktgenaue Verbesserungen“ zu ermöglichen.

„Bildung ist das Entscheidende“, sagt der scheidende Fachausschuss-Vorsitzende, „und das betrifft die Erwachsenenbildung ganz genauso“. Der 72-Jährige blickt zurück auf seine nebenberufliche Arbeit als Dozent an der Kreisvolkshochschule sowie darauf, dass er die Abend-Oberschulen in Syke und Sulingen einst initiiert und in Syke selbst gelehrt hat. Außerdem habe er als Mitglied des Deutschen Volkshochschulverbands „intensiv im pädagogischen Arbeitskreis mitgearbeitet“. Als Dozent an der Universität Oldenburg habe er didaktisch und pädagogisch „immer den Zeitgeist mitbekommen“.

25 Jahre wirkte Griese im heutigen Betriebsausschuss der Volkshochschule im Landkreis Diepholz mit, war fünf Jahre Vize-Vorsitzender. „Ich wollte immer über den Tellerrand hinausschauen“, so der 72-Jährige.

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