Kutscher Frederick Johannhardt trainiert für die deutsche Jugendmeisterschaft

Hoch auf dem schwarzen Wagen

„Das ist kein Hobby wie jedes andere“: Frederick Johannhardt ist leidenschaftlicher Kutscher. - Foto: Alina Pleuß

Br.-Vilsen - Von Alina Pleuß. Während Gleichaltrige Fußball spielen oder sich mit ihrem Computer beschäftigen, betreibt Frederick Johannhardt ein ungewöhnliches Hobby. Er hat sich dem Pferdesport verschrieben: Der 23-Jährige ist leidenschaftlicher Kutscher.

Stolz zeigt Frederick Johannhardt auf dem Grundstück seiner Familie seine Pferde. Ernst und Paul begleiten den Bruchhausen-Vilser auf seinen Touren mit dem Kutschwagen. Die beiden Hannoveraner, die aus der familieneigenen Zucht stammen, bilden ein eingespieltes Team. „Es ist schön zu sehen, wie die Pferde trotz so unterschiedlicher Charaktere so aufeinander abgestimmt sind. Sie müssen vor der Kutsche harmonieren, anders geht es nicht“, erklärt der junge Mann.

Passionierter Pferdefan: Frederick Johannhardt. - Foto: os

Die Arbeit mit den Pferden sei anstrengend, da diese speziell ausgebildet und natürlich versorgt werden müssen. „Es sind Seelen, die auch mal einen schlechten Tag haben können. Außerdem sind sie auch im Winter da, wenn sich das Wetter nicht zum Kutschfahren eignet“, sagt Frederick Johannhardt. „Es ist nicht wie beim Autorennen, wo man sein Auto am Ende in die Ecke stellt. Man muss sich ständig um die Pferde kümmern. Aber es lohnt sich definitiv.“ Obwohl er dank seiner pferdebegeisterten Familie schon immer mit Pferden zu tun hatte, reizte ihn das Reiten nie. Dafür entdeckte Frederick Johannhardt mit zwölf Jahren sein Interesse am Fahrsport. Bei einem Jugendzeltlager kam er das erste Mal damit in Berührung. Von seinem Vater Rainer Johannhardt unterstützt, begann Frederick zunächst mit einem Einspanner, vor dem – wie der Name schon sagt – nur ein Pferd läuft. Er erzielte damit erste Erfolge und wurde Jugendlandesmeister.

Vater Rainer Johannhardt fand es immer wichtig, seinen Kindern die Möglichkeit zu geben, sich ihren eigenen Weg zu suchen. „Doch da wir eine Pferdefamilie durch und durch sind, prägte das natürlich schon früh“, erzählt er. Teamarbeit wird bei den Bruchhausen-Vilsern groß geschrieben: „Fahrsport ist Mannschafts- und Familiensport, alle helfen mit.“

Seit zwei Jahren fährt Frederick Johannhardt nun auch mit einem Zweispanner. Bei der diesjährigen Bezirksmeisterschaft in Stade schaffte er es damit auf den ersten Platz. „Das Gespannfahren macht wirklich Spaß“, sagt er.

Der 23-Jährige gehört dem Fahr- und Reitverein Driftsethe (Landkreis Cuxhaven) an. „Im Verein entwickelt sich eine starke Gemeinschaft, da hilft man sich gegenseitig. Das ist anders als bei anderen Sportarten.“

Als Frederick Johannhardt seine Pferde Ernst und Paul vor einen Wagen spannt, fällt dem Beobachter sofort auf: Jeder Handgriff sitzt. Geübt bereitet er alles für die Fahrt vor. Der Bruchhausen-Vilser weiß genau, was er tut.

So wird es sicher auch Ende Juli sein, wenn er in Okel an der deutschen Jugendmeisterschaft teilnimmt. Dafür trainiert Frederick Johannhardt zurzeit fleißig. Auf dem Familien-Gelände ist unter anderem ein Parcours aus Pylonen aufgebaut, wie es ihn auch bei Wettbewerben gibt. Zu den Turnierdisziplinen zählen Dressur, Kegelfahren und Geländefahren.

Bei Turnieren muss immer ein Beifahrer auf dem Kutschwagen sitzen, der im Notfall eingreifen kann. „Bei schneller Geschwindigkeit kann es nämlich durchaus passieren, dass der Kutschwagen ins Straucheln gerät oder sogar umkippt“, erläutert der junge Kutscher, dessen Bruder Hendrik die Aufgabe des Beifahrers übernimmt. Ferner sind bei der Dressur verschiedene Figuren in einem bestimmten Tempo zu fahren.

All das auf dem heimischen Platz zu trainieren, reicht allerdings nicht. „Man muss mit dem Gespann auch mal raus auf Feld und Wiesen. Immer nur auf dem Gelände zu fahren, ist ja auch für die Pferde nicht abwechslungsreich.“ Wichtig sei zudem, dass die Pferde in einem „optimalen Trainingszustand“ seien. Bei Meisterschaften werde auch überprüft, ob das Tier richtig gehorcht. „Dabei dient die Peitsche nicht zur Bestrafung, sondern um das Pferd zu dirigieren.“

Unterstützung rund um sein Hobby findet Frederick Johannhardt nicht nur in seiner Familie. An seinem Arbeitsplatz als Disponent bei einer Spedition in Bremen zeigen seine Kollegen Verständnis dafür, dass er sich für Turniere auch mal freinehmen muss. Seine Freunde fahren gerne ab und zu in der Kutsche mit, manchmal machen sie allerdings auch Witze über die ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung. „Die meisten wissen eben nicht, was alles dazu gehört und dass es kein ,einfach durch die Gegend fahren’ ist.“ Kutsche fahren sei ein Sport, der wirklich viel Spaß macht – und „kein Hobby wie jedes andere“.

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