Der Stern von Bethlehem

Hobby-Astronom Romke Schievink über den Himmel in der heiligen Nacht über Bruchhausen-Vilsen

Romke Schievink an einem historischen Teleskop. Alle Einstellungen müssen von Hand vorgenommen werden.
+
Romke Schievink an einem historischen Teleskop. Alle Einstellungen müssen von Hand vorgenommen werden.

Br.-Vilsen – Es ist eine der vielen ungeklärten Fragen der Bibel: Welchem Himmelsphänomen folgten die Heiligen Drei Könige, um zur Krippe Jesu zu gelangen? Am meisten genannt werden der Halley’sche Komet, eine große Konjunktion, also Bewegung von Saturn und Jupiter, ein anderer unbekannter Komet oder eine (Super-)Nova, also Sternenexplosion.

Romke Schievink ist sicher: „Eine Nova war es nicht.“ Der Grund: Die Chinesen hatten schon viele hundert Jahre vor Christi Geburt entsprechende Phänomene beobachtet. Rund um das Jahr null haben sie aber nichts notiert. Und dass alle chinesischen Astronomen es übersehen haben, hält er für unwahrscheinlich.

Romke Schievink ist seit Frühjahr der neue Besitzer der Wassermühle in Bruchmühlen. Zusammen mit seiner Partnerin Bea Tilanus will er in den kommenden Monaten dort ein Planetarium aufbauen (wir berichteten).

Seiner Meinung nach haben die Heiligen Drei Könige folgendes gesehen: „Es sind die Positionen von Saturn und Jupiter.“ Diese beiden Planeten sind aktuell dicht beisammen. Am 22. und 23. Dezember kommt der Mond noch hinzu. „Wenn der Himmel klar ist, ist es ein absolutes Highlight“, so der Techniklehrer an einer Hochschule. Dazu stehen die Planeten tief, also direkt über dem Horizont. „Mit einem einfachen Teleskop hat man das ganze Schauspiel im Blick. Hinzu kommt noch der Saturnmond Titan.“ Bis auf unseren Mond, gab es diese Planetenstellung auch um das Jahr null. Durch die enge Konstellation hat es damals wie ein heller Stern ausgesehen. Vor rund 2000 Jahren war das Sterneschauen einfacher als heute. Es gab noch keine Lichtverschmutzung, also künstliches Licht, die den Blick in den Himmel beeinträchtigt.

Kleine Pikanterie für alle Heiligenberg-Forscher: Am 4. März 1226 standen Jupiter und Saturn auch an dieser Stelle über den Heiligenberg. Es ist davon auszugehen, dass diese Konjunktion den Mönchen nicht entgangen ist.

Schievink gibt zu bedenken, dass zur Zeit der Geburt von Jesus Astronomie mehr Astrologie war. Mit dem Deuten von Sternenbildern konnten weise Männer Geld und Ansehen verdienen. Viel astronomisches Wissen war bereits bekannt. Neben den Chinesen haben auch die Griechen Sterne und Planeten beobachtet. Der „Mechanismus von Antikythera“ ist so eine antike „Sternenuhr“. Die ältesten Aufzeichnungen von Sternen haben Archäologen in Höhlen der ersten modernen Menschen gefunden.

Oft wurden die Objekte am Himmel mit den Augen, also ohne Hilfsmittel, beobachtet. Mit dem Blick zum Himmel begann auch für Romke Schievink die Liebe zu den Sternen. „Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich stundenlang den Mond angeschaut“, sagt Schievink. „Ich habe meiner Fantasie dabei freien Lauf gelassen.“ Seitdem ist Sternegucken sein Hobby. Hilfreich war, dass es in seinem Heimatort eine Sternwarte gab. Übrigens auch neben einer Wassermühle. Inzwischen hat er einen so großen Wissensschatz, dass der Holländer in der Fachwelt angekommen ist.

Obwohl Astronomie um das Jahr null eine wichtige Rolle gespielt hat, so kommt sie in der Bibel nur zweimal vor: Beim Stern von Bethlehem und beim Siebengestirn. Bei der Erstellung der Bibel und der vielen Bilder rund um das Ereignis, muss man auch die künstlerische Freiheit im Blick haben. In einem Bild macht sich ein Komet deutlich besser als „nur“ ein Stern. Auch muss man berücksichtigen, dass damals über Sternbilder, Himmelskörper und Sterne im symbolischen Sinne geredet wurde.

Unter Astronomen kursieren Theorien darüber, was der „Stern“ im Matthäus-Evangelium gewesen sein könnte. Es wird angenommen, dass die Weisen östliche Astrologen waren, die im Stern ein Omen der Geburt des Königs der Juden sahen.

Nach heutigem Wissensstand hält Romke Schievink den Halley’schen Kometen als „Stern von Bethlehem“ für wahrscheinlich. Doch egal, welcher Stern nun die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem führte, für Christen ist das Ereignis das Entscheidende. Und Wissenschaftler würden der Lösung vermutlich näherkommen, wenn das exakte Geburtsjahr von Jesus ermittelt werden könnte. Aufgrund von historischen Daten ist Jesus vermutlich zwei bis sieben Jahre älter als es die Bibel aussagt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Leipzig verpasst Tabellenspitze - BVB strauchelt gegen Mainz

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Meistgelesene Artikel

Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion

Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion

Seniorin aus Weyhe stirbt nach Corona-Impfung: Entwarnung nach der Obduktion
Wolfsrudel siedelt sich im Landkreis Diepholz an: Noch geschützt – bald bejagbar?

Wolfsrudel siedelt sich im Landkreis Diepholz an: Noch geschützt – bald bejagbar?

Wolfsrudel siedelt sich im Landkreis Diepholz an: Noch geschützt – bald bejagbar?
Ärger mit Vodafone: Ehepaar schaltet Anwalt ein

Ärger mit Vodafone: Ehepaar schaltet Anwalt ein

Ärger mit Vodafone: Ehepaar schaltet Anwalt ein
 „Menschen für unsere Stadt aktivieren“

„Menschen für unsere Stadt aktivieren“

„Menschen für unsere Stadt aktivieren“

Kommentare