Hilmar Bauch züchtet „Tropischen Frauenschuh“ und andere seltene Sorten

Orchideen aus Graue blühen sogar in Vietnam

+
Hilmar Bauch topft kleine Orchideen ein.

Graue - Von Andree Wächter. Die Orchideen von Hilmar Bauch haben nur wenig mit denen gemeinsam, die man aus dem Baumarkt kennt. Während dort Massenware verkauft wird, züchtet Bauch auf seinem Hof in Asendorf-Graue seltene Exemplare. Dabei legt er großen Wert auf den Naturschutz. Bauch zeigt und verkauft seine Orchideen weltweit.

Bauch besitzt 2500 bis 3000 prämierte Orchideen-Mutterpflanzen verschiedener Arten. Eine kleine Auswahl an Siegerwimpeln hängt über dem Arbeitstisch in einem Gewächshaus. „Das sind nur die aus England“, schränkt der Experte ein. Er ist regelmäßig bei Ausstellungen in vielen Ländern vertreten.

Spezialisiert hat sich Hilmar Bauch auf den „Tropischen Frauenschuh“ (Paphiopedilum). Diese Art hat ihre Heimat in Südostasien und Südamerika. Die Käufer sind in der Regel Orchideenliebhaber und -experten. Privatpersonen gehören selten zu den Kunden, da Bauchs Pflanzen naturnah gehalten werden müssen: „Sie können auch bei Privatpersonen 20 Jahre leben, allerdings muss man sich den Bedürfnissen der Orchideen anpassen. Wenn man die Eigenarten zum Beispiel beim Gießen kennt, ist der Umgang nicht komplizierter als mit anderen Pflanzen auch“, weiß der Diplomagraringenieur.

Auf seinem Hof in Graue stehen zwei große Gewächshäuser. Darin herrschen eine Temperatur von circa 20 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese Bedingungen sind optimal für die Orchideen.

Von den Mutterpflanzen gewinnt Bauch Samen. „Ich vermehre über die Saat, wie es auch in der Natur passiert“, erklärt Bauch. Um die Bestäubung kümmert sich ein externes Labor. Dort können die Orchideen wie gewünscht vermehrt werden, und es entstehen keine „Zufälle“ durch die natürliche Bestäubung. Die im Gewächshaus stehenden Pflanzen wachsen in der Natur normalerweise viele hundert oder tausend Kilometer voneinander entfernt.

Um die Reinheit zu wahren, reift die Saat bis zu 18 Monate im Labor. Die kleinen Setzlinge bekommt Bauch dann zurück. Nach noch einmal der selben Zeit sind die Pflanzen soweit, dass sie verkauft werden können. Per Paketdienst verschickt der Grauer die Orchideen weltweit. Je nach Art muss der neue Besitzer Geduld aufbringen, denn es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis man die erste Blüte sieht.

Bevor die gezüchteten Orchideen auf Reisen außerhalb der EU gehen, muss eine Art „Reisepass“ ausgestellt werden. Dieses Dokument ist wichtig, da Bauch geschützte Arten nach CITES (siehe Infokasten) vertreibt. Grundsätzlich ist der Handel damit verboten. Eine Ausnahme bilden vom Bundesamt für Naturschutz lizensierte Händler. Dazu gehört der Betrieb in Graue.

Rund 130 Orchideen-Arten hat der gebürtige Soltauer schon vermehrt. Dass er sich auf vom Aussterben bedrohte Arten spezialisiert hat, hat besondere Kunden nach Asendorf gebracht. Der Botanische Garten Hanoi (Hauptstadt von Vietnam) hat Orchideen in Graue gekauft, da die landestypischen Pflanzen vor Ort ausgerottet worden waren. Bauchs Orchideenzucht gehört weltweit zu den führenden Firmen. Sie ist einer von drei Betrieben, die mehr als 60 Arten haben und sich intensiv um die Vermehrung kümmern.

In Bauchs „Arche Noah“ wachsen auch einige unbekannte Arten. Speziell ist die Vanilleorchidee. In den Tropen wird daraus Naturvanille gewonnen. Bauch versucht, die Pflanzen zu bestäuben, um den Samen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Das Problem: Es gibt nur einen Tag im Jahr, an dem das klappt, und das Zeitfenster umfasst nur sechs Stunden. „Da werde ich wohl nachts um vier Uhr mit der Taschenlampe hier stehen und es probieren“, gibt sich Bauch optimistisch. Die Orchideenzucht hat viel mit Experimentieren zu tun, denn es gibt wenig bis gar keine Literatur darüber.

In der Medizin sind die Inhaltsstoffe von Orchideen noch wenig erforscht. In Indien und Ostasien gehören sie zur traditionellen Medizin, und das schon seit über 1000 Jahren. Hilmar Bauch bringt es auf den Punkt: „Orchideen, das unbekannte Wesen.“

Seit seinem zwölften Lebensjahr versucht Bauch, das Geheimnis der Tropenpflanze immer weiter zu entschlüsseln. Damals bekam er den ersten „Frauenschuh“ geschenkt. Während des Studiums züchtete der Diplomagraringenieur im Keller seiner Studentenwohnung Orchideen. Nach dem Agrarstudium baute Hilmar Bauch den Hof in Graue aus. Seit 2007 arbeitet er ausschließlich auf dem Hof – immer mit Blick auf den Naturschutz.

CITES

CITES steht für „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“, bekannt als „Washingtoner Artenschutzabkommen“. Ziel ist es, den internationalen Handel mit wild lebenden Tier- und Pflanzenarten zu regulieren, um ihr Überleben nicht zu gefährden. Auf der „Roten Liste“ unmittelbar bedrohter Arten stehen Tiere wie Nashörner, Eulen und Wale, aber auch Pflanzen, etwa mehrere Kakteen- und Orchideenarten. Der Handel damit ist verboten.

awt

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Fünf Rückkehrer beim Werder-Training am Freitag

Fünf Rückkehrer beim Werder-Training am Freitag

Neue Tragödie im Mittelmeer

Neue Tragödie im Mittelmeer

Meistgelesene Artikel

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Nach 26 Jahren: Mann soll Heim verlassen

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare