Brandbrief an das Kultusministerium

Hilferuf: Der Grundschule Bruchhausen-Vilsen fehlen Lehrer und ein Leiter

Grundschule Bruchhausen-Vilsen.
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Problem und Engagement: Zu wenige Lehrer leisten weit mehr als sie müssten.

Zu wenige Lehrer, keinen eigenen Schulleiter und demnächst auch noch eine offene Konrektor-Stelle. Das Kollegium der Grundschule Bruchhausen-Vilsen arbeitet mit Leidenschaft am Limit. So sehen es die Elternvertreter, die am 10. November einen Brandbrief geschrieben haben.

Br.-Vilsen – Zurzeit leitet Torben Wittmershaus, Schulleiter der Grundschule Asendorf, die Lehreinrichtung in Bruchhausen-Vilsen kommissarisch mit. Doch das reiche nicht aus, sind sich die Elternvertreter um Nadine Henke sicher. Daher haben sie am 10. November einen Brandbrief an die Landesschulbehörde geschickt. Es ist ein Hilferuf an das Kultusministerium.

Hintergrund: Der eigentliche Schulleiter, Lutz Hoffmeyer, ist seit dem Frühjahr erkrankt, daher werde er nicht gekündigt. Die seit 1. April eingesetzte Konrektorin beendet ihre Tätigkeit zum Beginn der Winterferien. Die Konrektorin vor ihr, habe der Liebe wegen die Schule verlassen, die daher lange ohne Leitung dastand.

Wittmersdorf sei zudem keine ideale Lösung, da er wiederum in Asendorf fehle. Nach Bruchhausen-Vilsen sei er für jeweils zwölf Stunden pro Woche abgeordnet.

Die Grundschule Bruchhausen-Vilsen selbst möchte keine Stellungnahme abgeben. „Wir dürfen hier gar keine Auskunft erteilen“, heißt es dort. Verwiesen wird auf die Landesschulbehörde, das sogenannte Landesamt für Schule und Bildung. Deren Pressesprecherin ist Bianca Trogisch. Sie sagt: Streng genommen gebe es dort ja einen Schulleiter. Trogisch betont: „Eine Schule ohne Schulleitung gibt es in Niedersachsen nicht.“

Ob Trogisch von dem Unmut der Eltern und deren Brandbrief wisse, hat die Kreiszeitung nachgefragt. Doch so ein Elternbrief ist im zuständigen Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Hannover ihren Angaben nach nicht bekannt.

Eine Schule ohne Schulleitung gibt es in Niedersachsen nicht.

Bianca Trogisch, Pressesprecherin Landesamt für Schule und Bildung

Nichtsdestotrotz braucht jede Schule eine Leitung. Ein Schulleiter habe dabei eine Vielzahl von Aufgaben. Er gewährleistet den laufenden Betrieb der Schule, organisiert den Unterricht, ist unter anderem zuständig für die Qualitätsentwicklung und die Außendarstellung der Schule. Zudem ist er auch Ansprechpartner für das jeweils zuständige Regionale Landesamt für Schule und Bildung sowie für die Eltern.

Ein Schulleiter müsse viele administratorische Dinge organisieren. „Warum kann man da nicht eine Verwaltungskraft einstellen?“, fragt Henke.

Das nur die Konrektoren-Stelle ausgeschrieben ist, findet Henke wenig attraktiv. Da bliebe trotzdem die Arbeit des Rektors offen. Ob die vakante Konrektor-Stelle daher besetzt werden könne, sei fraglich. „So wie es jetzt aussieht, gibt es nach den Weihnachtsferien keine Schulleitung mehr“, befürchtet Henke. Es fehlten auch schlichtweg Lehrer. Das Problem der Unterrichtsversorgung sei aber landes- und bundesweit so.

Momentan habe die Grundschule zwölf Klassen und den Schulkindergarten mit acht Stammlehrern, Abordnungen vom Gymnasium, Referendaren und Studentinnen, die zwischen Master und Referendariat stehen. Letztlich sei die Samtgemeinde auch daran interessiert, dass das Schulsystem laufe. „Wir Eltern wollen, dass unsere Kinder eine gute Bildung erhalten und die Lehrer wollen einen guten Job machen können“, so Henke. Das Einfachste sei, dass der Rektor wieder gesund werde. „Wir wollen eine langfristige Lösung“, sagt Henke. Die Situation sei „für alle Beteiligten sehr, sehr unzufrieden“.

Vielleicht gelinge es, irgendwie Lehrer anzuwerben, um den ein oder anderen nach Bruchhausen-Vilsen zu locken. Eine Möglichkeit sei, so Henke, an die Universitäten zu gehen, um sich dort als Schule vorzustellen. „Direkt die jungen Nachwuchslehrer angeln“, beschreibt sie die Idee aus der freien Wirtschaft. Oder: Lehrer im Freundes- oder Bekanntenkreis anwerben.

„Was uns wichtig ist: Wir versuchen, alle Mann an einem Strang zu ziehen. Das Ganze nach vorne zu bringen“, sagt Henke und lobt vor allem das engagierte Kollegium der Grundschule. „Das ist echt toll. Die versuchen alles, um den Unterricht am Laufen zu halten.“

Elternbrief des Schulelternrats Bruchhausen-Vilsen an das Kultusministerium

Sehr geehrte Herr Tonne,

in der Coronazeit haben wir sehr viele Briefe von Ihnen erhalten. In großer Not schreiben wir nun Ihnen. Anlass hierfür ist die mittlerweile mehrjährige andauernde prekäre Situation in unserer Grundschule in Bruchhausen-Vilsen.

Auch bereits vor der Coronasituation war die Grundversorgung nicht gewährleistet. Wir als Eltern sind ratlos und brauchen dringend Ihre Hilfe. Leider sind alle bisherigen Bemühungen unsererseits in den Mühlen des offiziellen Dienstweges sozusagen „versandet“.

Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir uns in „besonderen Zeiten“ befinden, dennoch: wir können nicht mehr. „Kinder haben ein Recht auf Bildung“ – das fordern wir ein!

Leider kann dies nicht gewährleistet werden, wenn an unserer Schule eine ständige Lehrer:innen – und somit UNTERRICHTSUNTERVERSORGUNG vorherrscht. Ein Blick in die Zukunft verspricht keine Besserung. Im Gegenteil: an unserer Schule fehlt die Schulleitung. Die Konrektorenstelle ist ebenfalls vakant.

Derzeit übernehmen 8 Stammlehrkräfte die Leitung von 12 Klassen und den Schulkindergarten!

Wir bitten Sie daher dringend, sich dieser Angelegenheit anzunehmen und Abhilfe zu schaffen.

Wir zählen auf Sie!

Mit besorgten Grüßen aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen,

Vorstand des Schulelternrates

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