„Schülerhilfe boomt“

Schülerhilfe bietet Hilfe – nicht nur bei den Hausaufgaben

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Abdullah, Yomna und Kefaa (vorne, von links) basteln mit Anna Peldszus (hinten, rechts) regelmäßig Kunstwerke aus Ton. Dieses Angebot vom Verein „Lebenswege begleiten“ ist nur eins von vielen, erklären die hauptamtlichen Mitarbeiter Christina Alonso (hinten, links) und Ingo Rahn (hinten, Mitte). 

Br.-Vilsen - Von Vivian Krause. Viele Kinder und Jugendliche suchen Unterstützung – ob beim Lernen, bei den Hausaufgaben oder bei ganz alltäglichen Dingen. Dabei hilft der Bruchhausen-Vilser Verein „Lebenswege begleiten“ oder genauer: dessen Schülerhilfe. Eine neue Idee ist, den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Dazu läuft derzeit der Probelauf des neuen Angebots „Übergang Schule-Beruf“.

„Die Schülerhilfe boomt“, sagt Ingo Rahn, hauptamtlicher Betreuer, über das Angebot, das es bereits seit mehr als neun Jahren gibt. Seit den Herbstferien verzeichne der Verein, der außerdem die Flüchtlingshilfe der Samtgemeinde koordiniert, fast jede Woche ein bis zwei neue Anmeldungen in der Schülerhilfe. Derzeit sind rund 24 Kinder und Jugendliche bei dem Angebot gemeldet, zu Spitzenzeiten sind 18 Teilnehmer gleichzeitig in den Räumlichkeiten auf der Loge 17a in Bruchhausen-Vilsen. Da kann es schon mal ziemlich eng werden, wissen die Verantwortlichen. Die Lösung? Das Verlagern von dort angebotenen Deutschkursen in das ehemalige Gasthaus Peters am Marktplatz. Dort eröffnete kürzlich das „Café Lebenswege“. Auch die Fahrradwerkstatt des Vereins ist dort untergebracht. Ein weiterer Raum könne fürs Unterrichten genutzt werden. Ans Umziehen mit der Schülerhilfe denken die Hauptamtlichen Ingo Rahn und Christina Alonso nicht. Die Nähe zu den Schulen und die Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr könne besser nicht sein als auf der Loge.

Nach dem Unterricht kommen die Kids in die Räumlichkeiten des Vereins – ob zur Nachhilfe, Unterstützung bei den Hausaufgaben, zum Malen, Basteln, Spielen oder für Gespräche. Denn Schülerhilfe habe nicht nur etwas mit der Schule zu tun, sondern auch mit alltäglichen Anliegen von Kids unterschiedlichen Alters. Es geht um das begleiten der Kinder und Jugendlichen in allen Lebenslagen, wie der Vereinsname schon verrät.

„Sie sollen hier mitbestimmen können“, sagt Ingo Rahn. Vertreten sind Teilnehmer von der zweiten Klasse der Grundschule bis zum zehnten Jahrgang der Oberschule und des Gymnasiums.

„Die Kinder sollen sich hier wie in einem zweiten Zuhause fühlen“, sagt Ingo Rahn. Manche bräuchten nach der Schule eine Anlaufstelle. Mal seien die Eltern nicht zu Hause, mal gebe es Probleme im Elternhaus. Auch da hilft der Verein, nimmt die Funktion als Vermittler ein, steht in Kontakt zu den Schulen, den Eltern und zum Teil auch zum Jugendamt.

Zurzeit betreuen zusätzlich zu Ingo Rahn und Christina Alonso acht Ehrenamtliche die Kids, montags bis donnerstags von 13 bis 16 Uhr sowie freitags nach Bedarf. „Bei uns ist jedes Kind und jeder Jugendliche willkommen“, wirbt der Verein. „Inzwischen hilft sogar eine Schülerin bei der Betreuung“, sagt Ingo Rahn. Aber auch der Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) Maximilian Kues sowie ein dualer Student, der ehemalige Bufdi Jonas Enkelmann. „Die bekommen oft leichter einen Draht zu den Kindern, weil sie jünger sind“, sagt der 63-jährige Rahn. Als Beispiel nennt er Marilena. Sie hat ihren Zukunftstag bei der Schülerhilfe gemacht. Jetzt ist die 15-Jährige selbst nachmittags dort und hilft.

Anna Peldszus ist ebenfalls eine der Ehrenamtlichen. Sie unterrichtet die Kids derzeit dienstags im Arbeiten mit Ton. „Heute muss man erst mal Ideen reinwerfen“, sagt sie. Früher sei das von selbst gekommen. Die Kinder und Jugendlichen konsumieren dank der modernen Technik viel, sind aber selbst passiver geworden. Doch es sei für die Kreativität wichtig, sei für viele Kids ein Ausgleich.

Neues Projekt „Übergang Schule-Beruf“ im Probelauf

Irgendwann soll Christina Alonso die Aufgaben von Ingo Rahn übernehmen. „Das ist ein fließender Übergang“, sagt Rahn. Die 34-Jährige ist seit rund anderthalb Jahren dabei. „Es gibt so viel, wo ich noch reinwachse“, sagt sie. Ihr Engagement zeigt sich beispielsweise im neuen Projekt des Vereins: „Übergang Schule-Beruf“. Und dahinter steckt, was der Titel schon verrät: Es soll den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern. Ingo Rahn und Christina Alonso bemerken eine Orientierungslosigkeit bei vielen Jugendlichen. Oft stünden die Erwartungen an den späteren Job nicht im Verhältnis zu dem, was möglich ist. So könne ein Hauptschüler nicht ohne Weiteres Medizin studieren.

Das Projekt, das derzeit anhand einer Gruppe ausprobiert wird, gliedert sich in unterschiedliche Phasen. Zunächst lernen sich die Teilnehmer kennen. „Ich habe selbst eine Bankausbildung angefangen und mich total unwohl gefühlt“, erzählt Christina Alonso das, was sie auch den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben hat. Jetzt ist sie Sozialtherapeutin. Durch die eigene Offenheit würden die Gespräche mit den Jugendlichen persönlich und echt.

Dann werden die Stärken der Schüler herausgefiltert, und dadurch das Interesse an einem Beruf abgeleitet. Im nächsten Schritt geht es ans Bewerbungstraining – vom Lebenslauf über das Anschreiben bis hin zu gestellten Bewerbungsgesprächen, die auf Video aufgezeichnet werden. Dabei sollen laut Christina Alonso, die das Angebot zusammen mit Julia Grimpe-Nagel gestaltet, mögliche Fragen eines Bewerbungsgesprächs aufgegriffen werden. Auch Kontakte zu Unternehmen möchte der Verein mit diesem Projekt herstellen. Bis zum 13. Juni läuft der Probekurs, immer mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr. Der Wunsch wäre, dies anschließend fest zu etablieren. Insgesamt sei er für 15 Schüler der achten bis zehnten Klasse ausgelegt. Interessierte erreichen Christina Alonso unter der E-Mail-Adresse (christina-alonso@ lebenswege-begleiten.de).

Wer dieses Projekt oder die Arbeit der Schülerhilfe unterstützen möchte, kann über die Webseite oder via Facebook spenden.

www.lebenswege-begleiten.de

www.facebook.com/ Lebenswege.begleiten

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