Heute Protestaktion vorm Rathaus Bruchhausen-Vilsen

Streik: Krippen-Eltern organisieren Notbetreuung

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Kerstin Stüben, Elke Pache und Silvia Ravens (v.l.) gehören zu den Eltern, die eine Notbetreuung anbieten.

Br.-Vilsen - von Regine Suling. Elke Pache findet klare Worte für den seit vergangenen Freitag laufenden Erzieherinnen-Streik: „Ich halte das für eine Kriegserklärung an die Kinder. Und die Eltern sind der Kollateralschaden.“ Zusammen mit Kerstin Stüben und Silvia Ravens betreute sie gestern mehrere Kinder in der Krippe Zwergenburg in Bruchhausen-Vilsen.

Da steckt viel Organisation dahinter: „Für mich bedeutet jeder Streiktag Nachtschichten“, sagt Elke Pache, die ihre Arbeitszeit nun in die Zeit gelegt hat, in der ihre Tochter schläft. „Manche Eltern sind kurz davor, die Kündigung von ihrem Arbeitgeber zu kriegen“, sagt Kerstin Stüben. „Wir geben unsere Kinder ja nicht in die Krippe, weil wir sie loswerden wollen, sondern weil sie betreut werden sollen“, unterstreicht Heinrich Henke, einer der Elternsprecher. Er schätzt als problematisch ein, dass gerade die Kleinsten in der Krippe aktuell nicht von den Erzieherinnen betreut würden, die sie kennen und zu denen sie ein vertrautes Verhältnis haben.

„Die Kinder trifft der Streik, aber uns nervt er“, bringt er die schwierige Situation auf den Punkt. Gemeinsam mit anderen Betroffenen hat Henke eine Eltern-Notbetreuung organisiert, zusätzlich zu den 15 Plätzen, die die Krippe Zwergenburg über den offiziellen Notdienst während des aktuellen Erzieherinnen-Streiks anbietet. Die Hauptschuld für die schwierige Situation sehen die Eltern bei der Gewerkschaft Verdi: Sie habe die Erzieherinnen vor ihren Karren gespannt. „Denn gegen moderate Lohnerhöhungen hat doch niemand von uns etwas“, sagt Elke Pache.

Zusammen mit anderen Eltern arbeitet sie sich von Tag zu Tag vor. „Jeder bringt ein, was er an Zeit zur Verfügung hat.“ Das erste Hindernis stellte sich den drei Frauen, die gestern Dienst schoben, am Morgen in den Weg. „Eigentlich wurde uns zugesagt, dass wir die ganze Fläche der Krippe zur Verfügung haben.“ Dann aber durften sie nur in ein Zimmer, der Zugang zum Gruppenraum, in dem die kleinen Kinder auch schlafen können, blieb ihnen zumindest für gestern verwehrt. Das soll sich ab heute ändern. Problematisch für viele Eltern: Wer ein Kind im Kindergarten Löwenzahn nebenan in der Notbetreuung hat, muss dieses um 13 Uhr abholen. Mittagessen bekommt es dort keins. Anders in der Krippe: Die Kinder in der dortigen Notbetreuung nehmen ihr Mittagessen ein und werden bis 14 Uhr betreut. Wenn Eltern ihre Kinder in beiden Einrichtungen betreuen lassen, haben sie ein Abholproblem. Hinzu kommt: Die Kinder, die von der Elterngruppe betreut werden, erhalten in der Krippe kein Mittagessen und müssen dies selbst organisieren. „Die Bedürfnisse der Kleinsten werden mit Füßen getreten“, findet Kerstin Stüben. Deswegen gehen die Eltern heute Nachmittag mit ihren Kindern ins Rathaus, um zu protestieren und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Damit wollen wir ein Signal setzen“, sagt Heinrich Henke. Wer für sein Kind während des Streiks keinen Platz in den Notgruppen in der Krippe oder im Kindergarten bekommt, kann sich an die Elterninitiative wenden. „Wir nehmen auch Kindergartenkinder“, sagt Kerstin Stüben. Sie und die anderen Eltern haben grundsätzlich nichts gegen das Streikrecht, sagt Elke Pache, fügt aber an: „Aber nicht ohne Rücksicht auf Verluste.“

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