Spendenaktion im Netz

Herzenswunsch: Würdiger Abschied für die an Krebs gestorbene Mutter

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Lilly Dias in ihrem Heiligenfelder Blumengeschäft „Die Künstlerei“.

Der 23-jährige Marc Hinrichs hat seine Mutter verloren. Sie starb an Krebs. Ihr Sohn steht noch immer unter Schock – und wünscht sich nur eines: einen würdigen Abschied. Doch dafür reicht das Geld der Familie nicht. Deshalb hat der junge Mann im Internet eine Spendenaktion gestartet. Die Anteilnahme ist groß, aber noch reicht das Geld für die Beerdigungskosten nicht.

Bruchhausen-Vilsen – Von Anke Seidel. „Ich bin ein Kämpfer, wie meine Mutter“, sagt Marc Hinrichs. Nur einen Tag nach ihrem 50. Geburtstag hat er seine Mutter Lilly Dias an den Tod verloren: Krebs.

„Es ging alles so schnell“, berichtet der junge Mann aus Bruchhausen-Vilsen mit leiser Stimme. Der Schock sitzt immer noch tief. „Vor etwa zehn Wochen war noch alles gut. Meine Mutter war fit wie ein Turnschuh und lebte ihr Leben nach ihren eigenen Regeln. Sie war eine Kämpfernatur, gab ihren Mitmenschen viel Liebe und war immer da, wo man sie auch brauchte“, sagt Marc Hinrichs.

Vor sechs Wochen – nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub in Portugal – habe sie zwei kleine Schlaganfälle erlitten und sich deshalb ärztlich untersuchen lassen. Die Diagnose versetzte dem jungen Mann den ersten Schock: Hirn- und Lungentumor stellten die Ärzte fest.

„Der Tumor breitete sich schnell aus und streute“, schildert ihr Sohn den Verlauf der tückischen Krankheit. „Meine Mama gab sich trotzdem durchweg positiv und tapfer und zeigte trotz ihrer Diagnose kaum Schwäche. Sie vermittelte uns allen, dass sie noch Monate, wenn nicht Jahre packen würde...“

Ihr Sohn Marc Hinrichs möchte für seine verstorbene Mutter jetzt einen würdigen Abschied gestalten.

Diese Hoffnung ging nicht in Erfüllung. Lilly Dias starb nur wenige Wochen später in einem Krankenhaus. Jetzt muss der 23-Jährige die Vorbereitungen für die Beerdigung bewältigen – und weiß nicht, wie er alle Kosten bezahlen soll.

Zwar steht ihm seine 32-jährige Schwester zur Seite. Doch sie sitze seit ihrer Kindheit im Rollstuhl und lebe im Emsland. „Sie ist auf Pflegegelder angewiesen“, sagt ihr Bruder. Trotzdem habe sie sich ihre positive Lebenseinstellung bewahrt: „Dafür bewundere ich sie sehr.“

Er selbst, sagt der 23-Jährige, verdiene nicht genug: „Wir stehen vor einem Berg von Kosten, den wir nicht bewältigen können.“ Die Mutter habe nichts hinterlassen können – obwohl sie viel gearbeitet habe. Als Selbstständige betrieb sie in Syke-Heiligenfelde das Blumengeschäft „Die Künstlerei“ – und außerdem die Firma „Putzteufel und Gartenengel“.

Geboren wurde sie auf der portugiesischen Insel Madeira, war aber schon als Kind nach Deutschland gekommen. Aus ihrer Heimat habe sie die Liebe zu den Blumen mitgebracht, verrät ihr Sohn: „Sie liebte allerdings keine roten Rosen, sondern weiße.“

Mit viel Freude habe seine Mutter gearbeitet: „Sie hat Blumensträuße für offizielle Anlässe mit viel Liebe gebunden. Darauf war sie sehr stolz“, erinnert sich der 23-Jährige. Außerdem habe sie oft Blumenschmuck für Beerdigungen gestaltet – und lange Arbeitstage bewältigt. „Blumen sind keine Arbeit, sondern Hobby“, erinnert sich Marc Hinrichs an einen Satz seiner Mutter. Trotz ihres Fleißes seien die Einnahmen nicht üppig gewesen: „Es hat gereicht zum Überleben...“

Um die Beerdigungskosten schultern zu können, haben die Geschwister zwei Anträge auf Sozialleistungen am Sterbeort ihrer Mutter gestellt. Aber ob sie bewilligt werden, ist noch völlig unklar.

Der Gedanke, seiner Mutter bei der Beerdigung nicht gerecht werden zu können, „frisst mich Nacht für Nacht auf“, formuliert es Marc Hinrichs. Dabei sei nichts Übertriebenes geplant: „Sie soll ein schönes Grab, eine annehmbare Urne und eine schöne Bestattung bekommen“, sagt ihr Sohn – und stellt klar: „Sie war ein toller Mensch und eine wundervolle Mutter.“

Deshalb hat er auf der Internetseite „Gofundme“ eine Spendenaktion gestartet. Den Tipp hatte ihm eine Bekannte gegeben. 16 Menschen haben mittlerweile Beträge zwischen 10 und 100 Euro gespendet. Insgesamt 539 Euro waren bis Mittwoch zusammengekommen – etwas mehr als ein Fünftel des 2 500-Euro-Spendenziels.

Zum Vergleich: Laut Stiftung Warentest kostet eine Bestattung in Deutschland im Schnitt rund 4 500 Euro. Die Internet-Seite „Bestattungsvorsorge heute“ nennt sogar Durchschnittskosten von 8 000 Euro und beschreibt die Rechtslage so: „Nur in wenigen Fällen können Angehörige darauf hoffen, dass der Staat die Beerdigungskosten übernimmt. Wer nachweisen kann, dass er kein Geld hat, um für die Bestattung aufzukommen, muss diese auch nicht zahlen. Dann greift der Staat ein. Jedoch kommt es dann nur zu einer einfachen Bestattung.“

Marc Hinrichs ist sehr dankbar dafür, dass Menschen Anteil nehmen und durch Spenden den würdigen Abschied für seine Mutter unterstützen. Es sei so, nennt er einen Vergleich, als wenn sie eine schöne Rose auf ihrem Grab ablegen würden.

Das Spendenkonto

Für die Beerdigung von Lilly Dias hat Marc Hinrichs in Zusammenarbeit mit dem Bestattungsunternehmen Horizont in Schwarme auch ein direktes Spendenkonto eingerichtet: DE 762 569 163 345 564 876 01

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