Klassische Philharmonie Nordwest gibt brillantes Konzert in Bruchhausen-Vilsen

Das Herz wird erregt, aber bald wieder besänftigt

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Die virtuose Soloviolinistin Annette Behr-König und der Dirigent Ulrich Semrau begeisterten mit der Klassischen Philharmonie Nordwest in der Mensa am Schulzentrum.

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Für ein musikalisches Highlight hat der Verein Kultur und Kunst am Sonntag in der Mensa am Schulzentrum Bruchhausen-Vilsen gesorgt. Die Klassische Philharmonie Nordwest spielte dort zwei Werke von Johannes Brahms, die begeisterten. Schade, dass die Sitzplätze nur zur Hälfte belegt waren. Das brillante Konzert hätte durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

In Erwartungsfreude gespannte Gesichter gab es im Publikum, als das 50-köpfige Ensemble die Bühne betrat. Alles junge Musiktalente der Klassik aus der Region, die eine Chance auf eine große internationale Karriere haben. Es folgten Orchesterchef und Dirigent Ulrich Semrau sowie Annette Behr-König als Solistin an der Violine.

Die erste Konzerthälfte bestand aus der Darbietung des Violinkonzerts D-Dur op. 77, das einzige Werk dieser Art aus der Feder von Johannes Brahms. Er schrieb das aus drei Sätzen – Allegro non troppo, Adagio und Allegro giocoso, ma non troppo vivace – bestehende Opus 1878. Im folgenden Jahr fand die Uraufführung im Leipziger Gewandhaus statt. Das Opus zählt zu den bedeutendsten seines Genres.

Es ist ein verhalten komponiertes Werk, aber ein substantielles. Dramaturgische Schwerpunkte werden nicht häufig gesetzt. Aber wenn sie dann kommen, dann sind sie gehaltvoll. Ein emotional pulsierendes Opus, das erst im dritten Satz teils von drückender Schwere, vor allem aber von Temporeichtum geprägt ist.

Eindeutig im Vordergrund, dabei aber niemals das Orchester überflügelnd, stand die mehrfach preisgekrönte Soloviolinistin Annette Behr-König. Sie beherrscht ihr Instrument in Vollendung. Die Virtuosin vermochte mit Doppelgriffen, gebrochenen Akkorden, rasanten Skalierungspassagen und rhythmischen Variationen nachhaltig zu beeindrucken.

Nach der Pause ging es weiter mit Brahms' Sinfonie Nr. 3 in F-Dur op. 90, die 1883, im 50. Lebensjahr des Komponisten, entstanden ist. Eine Komposition ähnlichen Charakters wie die vorherige, diesmal aber in vier Sätzen: Allegro con brio, Andante, Poco allegretto und Allegro. Ein poetisches Werk, angereichert mit einer Vielzahl harmonischer Stimmungen. Vielfältig, variantenreich und voller Dynamik.

„Herrlich folgt dann der letzte Satz mit seinem leidenschaftlichen Aufschwung: das erregte Herz wird aber bald wieder gesänftigt“, beurteilte die Sinfonie einst Clara Schumann, die große, aber letztendlich unerfüllte Liebe von Johannes Brahms. „Zuletzt die Verklärung, die sogar in dem Durchführungs-Motiv in einer Schönheit auftritt, für die ich keine Antwort finde.“

Ja, diese 1884 verfassten Worte treffen nicht nur aufs Allegro zu, sie charakterisieren den gesamten Konzertgenuss.

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