Mit ganzem Herzen dabei

Herbert Cordes gibt nach 27 Jahren die Koordination von „Essen auf Rädern“ ab

Das Team von Essen auf Rädern verabschiedet seinen langjährigen Koordinator: Bernhard Wessels, Harald Bergholz, Annette Langer, Marianne Kristandt, Dieter Borchers und Georg Becker (von links). Die Aufgaben von Herbert Cordes übernehmen Wilfried Heidhoff und Erika Heithoff (vorne, von rechts).
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Das Team von Essen auf Rädern verabschiedet seinen langjährigen Koordinator: Bernhard Wessels, Harald Bergholz, Annette Langer, Marianne Kristandt, Dieter Borchers und Georg Becker (von links). Die Aufgaben von Herbert Cordes übernehmen Wilfried Heidhoff und Erika Heithoff (vorne, von rechts).
  • Anne-Katrin Schwarze
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Engeln – Morgens um 6 Uhr ist der Chef der DRK-Großküche in Barrien gut zu erreichen. „Da hat er den Kopf frei.“ Gab es etwas zu ändern oder nachzubestellen, hat Herbert Cordes diese frühe Stunde gewählt, um sein Anliegen vorzubringen. Auf den Tag genau 27 Jahre lang hat er die Verantwortung für „Essen auf Rädern“ in Engeln mit seinen vielen Ortsteilen übernommen. Zu seinem 82. Geburtstag entschied er sich jetzt für den Ruhestand.

Rathaus-Chef Jürgen Lülf suchte seinerzeit Menschen, die im eigenen Wagen warme Mahlzeiten an Bedürftige verteilen. Er sprach den Landwirt aus Behlmer direkt an und musste nicht lange bitten. Am späten Vormittag konnte Herbert Cordes den Hof für zwei Stunden verlassen, kein Problem, das lässt sich organisieren. Wie so vieles andere, was es zu organisieren gab, als die Zahl der Bedürftigen zunahm und die Institution größer wurde. Zeit für den Bringdienst hat sich Herbert Cordes immer genommen.

Mit Zeit allein lässt sich die Koordination von bis zu 30 Kunden und zehn Fahrern vielleicht erledigen. Dass immer ausreichend Personal vorhanden war, dass man sich gegenseitig ausgeholfen hat, wenn sich ein privater Grund in den lange ausgeklügelten Dienstplan gedrängt hat, dass die Belastung für jeden Einzelnen gering blieb, das Große und Ganze aber immer lief, dass sich das Team einmal im Jahr auch zu einem geselligen Nachmittag gern getroffen hat – das hat „Essen auf Rädern“ einem Mann zu verdanken, der mit ganzem Herzen dabei war.

Die Mittagsmahlzeit dem Kunden ausliefern, so oder ähnlich mag es im Vertrag stehen. Der Anspruch von Herbert Cordes und seinem Team ging und geht darüber hinaus. „Wenn es Suppe gibt, dann gucken wir, dass unser Kunde auch einen Löffel zur Hand hat“, nennt er ein Beispiel. Denn der Bringdienst ist mehr als die Versorgung mit Essen. „Essen auf Rädern“ gewährleistet, dass die Kunden mindestens einmal am Tag Kontakt zu Menschen haben, die weiterhelfen können, wenn nötig.

Einen Löffel aus der Küchenschublade zu holen, war für Herbert Cordes ebenso selbstverständlich wie der kurze Schnack mit seinem Gegenüber. „Allns klor?“ Auch dafür trägt „Essen auf Rädern“ Sorge. Als Vertrauensperson hatte er zu einigen Wohnungen den Schlüssel, weil die betagten Kunden nicht selbst zur Tür kommen können. Zweimal in all den Jahren traf er die Bewohner nicht wie erwartet an. Sie waren seit dem Vortrag verstorben. Herbert Cordes war zur Stelle, alles Nötige in die Wege zu leiten.

Das Team aus Fahrern in Engeln zeichnet sich durch Kontinuität aus. „Am Anfang war es für machen interessant, dass es 30 Pfennige pro gefahrenen Kilometer als Entschädigung gab“, erinnert er sich. Ab 2008 war die Engeler Gruppe viele Jahre mit einem Fahrzeug unterwegs, dass die Volksbank gesponsert hatte. Seitdem hat sich das Einsatzgebiet rund um Engeln erweitert.

Nicht jeder, der die Aktion gern unterstützt hätte, hat sich zurechtgefunden. Ochtmannien, Oerdinghausen, Süstedt, Uenzen – dort ließen sich Adressen auch in Zeiten vor Navigationsgeräten für die Hosentasche finden. Voßberg, Rehmstedt, Behlmer fordern dagegen Ortskenntnis und Orientierungssinn. Herbert Cordes kennt wohl jede noch so kleine Straße.

Wer ihn als Ansprechpartner anrief, weil nach einem Krankenhausaufenthalt kurzfristig für ein Mittagessen gesorgt werden musste, hatte oft auch seine Frau Mathilde am Apparat. „Herbert war immer gut gestellt, wenn er von seiner Tour wiederkam“, sagt sie. „Das war ein Geben und Nehmen“, blickt er auf die vielen Jahre als Koordinator zurück. „Wenn man erst mal einen Plan hat, dann läuft‘s“, sagt er.

Auf diesen bewährten Plan greifen jetzt andere zurück. Ab sofort sind Wilfried Heidhoff und Erika Heithoff die Ansprechpartner für „Essen auf Rädern“ im Raum Engeln. Sie suchen für die etwa 50 Kilometer lange Tour weitere ehrenamtliche Fahrer und Fahrerinnen. Ziel ist es, dass jeder einzelne nur zweimal im Halbjahr für je eine Woche von Montag bis Sonntag für zwei Stunden zwischen 10.30 und 12.30 Uhr im Einsatz ist. Dafür werden weitere engagierte Fahrer benötigt. „Wer gerne Auto fährt und sich auch ein bisschen in den Dörfern auskennt oder auch in einem der Dörfer wohnt, meldet sich bitte“, ruft Erika Heithoff auf und verspricht: „Am Anfang werden die neuen Fahrer begleitet. Gerade in dieser Zeit, in der die Tagespflegeeinrichtungen wegen Covid-19 ihr Angebot ruhen lassen mussten, ist die tägliche Versorgung mit Mittagessen noch wichtiger. Auch wenn die Übergabe zum Schutz aller leider zur Zeit vor der Tür geschehen muss.“

Fragen zu „Essen auf Rädern“ beantwortet sie unter Telefon 04252/2698, Wilfried Heidhoff ist unter 04252/781 zu erreichen.

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