Henning Kothe gestaltet urkomischen Abend / Publikum entschleunigt und lernt Jugendsprache

Der das Klavier mit Füßen tritt

Ein schräger Typ, der das Schwarmer Publikum begeisterte: Henning Kothe (Dritter von links), hier mit drei Gästen.
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Ein schräger Typ, der das Schwarmer Publikum begeisterte: Henning Kothe (Dritter von links), hier mit drei Gästen.

Schwarme - Von Dagmar Voss. Herzerfrischend komisch gestaltete sich der Samstagabend im ausverkauften Kulturzentrum Robberts Huus in Schwarme. Verantwortlich dafür war Henning Kothe mit seinem plattdeutschen Programm „Wenn de Klassik en Platten het“.

Der aus Beppen stammende Kabarettist absolvierte in Schwarme quasi ein Heimspiel. So begrüßte ihn der Vorsitzende des Kulturvereins „Eule“ Hermann Schröder auch als alten Bekannten – Schröder war einst Kothes Lehrer am Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium in Achim, wo der Musiker 1986 sein Abitur machte. Daran allein lag es aber sicher nicht, dass sich das Publikum mehr als zwei Stunden lang bei Kothes kurzweiliger Vorstellung prächtig amüsierte.

Zwischen skurrilen bis bizarren Ausflügen in die eigene Biografie, in Werbung und Klassik brachte der gelernte Arzt und Musiker erstklassige Musikdarbietungen, professionelles Klavierspiel und besten, auch schon mal schrägen Gesang zu Gehör.

Gleich zum Auftakt fing Kothe seine Zuschauer ein: Bei „Funiculi funicula“ war mitsingen und -klatschen angesagt. Ein neapolitanisches Volkslied, das Kothe schließlich sogar auf Niederdeutsch vortrug, denn „Klassik, de is wonderbar“. Außerdem sei das Plattdeutsche zur Entschleunigung hervorragend geeignet, auch wenn Plattschnacker eine Randgruppe darstellten. Dermaßen in einen langsameren Gang geschaltet, ging es mit witzigen Geschichten in Kothes Vergangenheit. Zum Beispiel in seine Kindheit, als das Trompetenkonzert von Haydn zu seiner Leidenschaft für die Klassik führte und als sein Vater, der Trompeter, ihn mitnahm in Mozarts „Töverfleut“, also „Zauberflöte“. Humorvolle Anekdoten von der bregenklöterigen Tante, seinem Hartklabastern bei verschiedenen Opern und vor allem seinem Rumpeeten up de Footklavier, also dem Walking Piano, folgten.

Dieses ungewöhnliche Instrument musste her, als der agile Mann seine beiden Arme gebrochen hatte, aber natürlich dennoch nicht von der Musik lassen konnte. Kothe trat das Instrument, zusammengesetzt aus vier Teilen, auf denen typische Klaviertasten zu sehen sind, in Schwarme mit witzigen Verrenkungen, um Musikstücke zu interpretieren. Ob in seinem veralteten Trainingsanzug oder als Rapper kostümiert: Kothe gab unter anderem Wörter aus der heutigen Jugendsprache zum Besten. Die Anwesenden sollten raten, um was es sich dabei handelt, was in zwei von drei Fällen misslang. Weder „Harzen“ noch „Senfautomat“ war den Zuschauern bekannt. Auflösung: „Harzen“ gleich rumhängen, „Senfautomat“ gleich Klugscheißer. Nur „Yolo“ wurde von einem Anwesenden erkannt als „You only live once“, also „Du lebst nur einmal“.

Nach einem längeren Ausflug in die Welt der Werbung, in der sogar das Gedicht „Peer Gynt“ für Prostagutt-forte-Reklame missbraucht wurde, holte Kothe drei Zuschauer auf die Bühne. Mit ihnen wollte er die Oper „Carmen“ mal ganz anders instrumentieren. Auf alle Fälle wurde es urkomisch – und sehr gesund für die Gäste, denn soviel gelacht hatten die meisten wohl schon länger nicht mehr. Die Anwesenden waren sich einig, dass sie den Wahl-Hamburger gerne bald wieder in Schwarme begrüßen würden.

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