Das Gute liegt so nah

Heimische Band begeistert bei Konzert in Bruchhausen-Vilsen

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Auf der großen Bühne (von links): Daniel Suling, Mareike Hinrichsen-Mohr, Rainer Halweg, David Klosik und Dietrich Wimmer im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. Ihre Sticheleien sind ein Erfolgsprogramm: Wenn Rainer Halweg und Dietrich Wimmer auf der Bühne so richtig loslegen, sind ihnen die Lachsalven des Publikums sicher.

Ob Halweg darüber spöttelt, dass Wimmer seine Organistenschuhe auch beim Klavierspielen trägt, oder ob Wimmer sich darüber beklagt, dass Halweg ihn beim Vorstellen der Bandmitglieder einfach vergisst – das komödiantische Moment war das Salz in der Suppe eines überwältigenden Konzerts des Quintetts „Jazz geht’s los“. Und Frank Sinatra erhielt einen Ehrenplatz im Kopfkino, das Gesangsvirtuose Rainer Halweg meisterhaft zu entfachen verstand.

Am Samstagabend präsentierten die fünf Musiker ihr Repertoire aus den Weiten der Jazz-Spielarten erstmals auf der großen Bühne des Gasthauses Mügge in Bruchhausen-Vilsen. Dass Veranstalter wie der KuK (Kultur- und Kunstverein) nicht länger in die Ferne schweifen müssen, weil das Gute so nah liegt, verdeutlichte Vorsitzender Peter „Pit“ Schmidt-Bormann beim Begrüßen des Publikums: „Wir hatten schon vorher tolle Bands hier, aber nachdem wir wissen, was für tolle Musiker wir hier im Ort haben, heißt es ,Bühne frei für Jazz geht’s los‘, eine neue Formation aus Bruchhausen-Vilsen, die wir sicher noch öfter hören werden.“

Stürmischer Beifall von begeisterten Zuhörern

Das Ergebnis vorweggenommen: Am Ende des mit stürmischem Beifall aufgenommenen Konzerts erhielt Schmidt-Bormann ebenso begeisterte Zustimmung der Zuhörer, als er das Quintett schon mal für einen Auftrittstermin im November nächsten Jahres verpflichtete.

Jazz-traditionsgemäß war Mügges Saal am Samstag mittels Kerzenlicht mit Jazzklub-Atmosphäre geschmückt worden. Immer mehr Besucher kamen, und schließlich mussten noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden, damit alle Platzsuchenden bedient werden konnten. Schmidt-Bormann sagte vor dem vollen Haus: „Nachdem wir 85 Karten im Vorverkauf abgegeben hatten, rechneten wir damit, dass es an der Abendkasse noch mal 20 werden würden. Die Gesamtzahl hat sich nun aber mehr als verdoppelt.“ Mit derart deutlichen Vorschusslorbeeren ausgestattet, bezogen die Bandmitglieder ihre Bühnenplätze: Rainer Halweg (Gesang und Mundharmonika), Dietrich Wimmer (Piano), Mareike Hinrichsen-Mohr (Gesang), David Klosik (Bass) und Daniel Suling (Schlagzeug).

Daniel Suling war neu dazugestoßen, nachdem die Band noch in Vierer-Formation im Mai dieses Jahres ihr umjubeltes Debüt in der Vilser „Scheune“ gegeben hatte. Entsprechend hohe Erwartungen wurden in das große Bühnenkonzert des Quintetts bei Mügge gesetzt. Das Fazit der Zuhörer fiel eindeutig aus: Erwartungen zu 200 Prozent erfüllt. Hätte es während des Konzerts einen Gradmesser für den Beifall gegeben, so hätte der Pegel regelmäßig alle Höchststände gesprengt.

Sinatra-Hits mit eigenen Variationen

Mareike Hinrichsen-Mohr machte den Anfang mit einer perfekt auf ihre sanfte und einfühlsame Stimme zugeschnittenen Version des 30er-Jahre-Hits „Moonglow“. Den Mond besang auch Rainer Halweg, als er anschließend mit „Fly Me To The Moon“ zum ersten Mal an dem Abend Frank Sinatra auf die Bühne holte. Auch bei den beiden später folgenden Titeln „Night And Day“und „I Did It My Way“ verlieh Halweg dem unvergessenen „Frankieboy“ eine frappierende stimmliche Bühnenpräsenz, um sie auf atemberaubende Weise mit eigenen Variationen zu krönen.

Hinrichsen-Mohrs „Somewhere Over The Rainbow“ ergänzte Halweg durch eine überaus gefühlvolle zweite Stimme. Noch mehr Gefühl der souligen Art legte er dann in „You Are So Beautiful“, einen Titel, den er seiner Ehefrau widmete. Und immer wieder brillierte der Gesamtklang der Band – von sanft bis explosiv – dank einfühlsamer Basisarbeit des Schlagzeugers Daniel Suling und des Bassisten David Klosik sowie perfekt abgestimmter Leadfunktion des Pianisten Dietrich Wimmer, im Solo wie auch im Kollektiv.

In der Konzertpause lobte Schmidt-Bormann die Leistung des Tontechnikers Markus Meyer, der ebenfalls in Bruchhausen-Vilsen ansässig ist.

Ein Highlight der zweiten Konzerthälfte war zweifellos die Arie „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“, die Rainer Halweg mit einem wahren vokalen Höhenflug interpretierte, um schließlich von Mareike Hinrichsen-Mohrs zweiter Stimme atmosphärisch dicht ergänzt zu werden.

Rainer Halweg begeisterte mit einer bayrischen Jodeleinlage, bevor er mit Frankieboys „My Way“ zum Schluss des Konzerts kam. Fast logisch, dass die Zuhörer die Band nicht so einfach „davonkommen“ ließen und mit Nachdruck eine Zugabe forderten. Den Wunsch erfüllte Mareike Hinrichsen-Mohr mit einem stimmungsvollen plattdeutschen Lied, „Freesenhof“ von Knut Kiesewetter, einem im Dezember vergangenen Jahres verstorbenen Liedermacher und Jazzmusiker.

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