Heimat- und Verschönerungsverein Martfeld feiert in diesem Jahr 40. Geburtstag / Vorsitzender Anton Bartling im Interview

Eine Plattform für Vielfalt

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Mit Anton Bartling leitet seit zwölf Jahren ein waschechter Ostfriese die Geschicke des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld.

Martfeld - Von Ulf Kaack. In diesem Jahr – exakt am 3. August – feiert der Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Martfeld sein 40-jähriges Bestehen. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Anton Bartling (62) über das, was war, ist und noch werden wird.

Herr Bartling, seit zwölf Jahren stehen Sie an der Spitze des HVV. Was motiviert Sie zu diesem Ehrenamt?

Ich war mein ganzes Leben lang in den verschiedensten Formen gesellschaftspolitisch aktiv. Mir liegt es am Herzen, die hiesige dörfliche Kultur mit all ihren Facetten weiterzuentwickeln und zu bereichern. Das schließt das Miteinander in der Bevölkerung ebenso mit ein wie die Erhaltung der plattdeutschen Sprache, der historischen Bausubstanz sowie der Natur und Landschaft. Auch die Dokumentation der Dorfhistorie ist ein wichtiges Element unserer Arbeit. Mit der Kulturplattform als Gemeinschaft kulturengagierter Bürgerinnen und Bürger unter dem Dach des HVV hat sich das kulturelle Angebot vor Ort stetig weiterentwickelt.

Sie stammen gebürtig aus Martfeld?

Nein, ich bin vor 35 Jahren zugezogen und habe bis vor kurzem als Referent beim Senator für Gesundheit in Bremen gearbeitet. Meine Wurzeln liegen in Ostfriesland. Ich komme aus einer Müllersfamilie, daher auch meine Affinität für die Martfelder Mühlen.

Was ist aktuell die Zielsetzung des HVV?

Wir verstehen uns als eine Plattform für Vielfalt und Initiativen, wollen ein Dach bilden, damit nicht für jeden Zweck ein Verein gegründet werden muss. Dazu gehört auch der Finanzbereich: das Bemühen um Spenden, Sponsoring und Fördermitteln aus öffentlichen Töpfen. Wichtig ist es mir, dass der HVV als ein Netzwerk für viele Belange Martfelds und seiner Ortsteile Hustedt, Loge-Tuschendorf sowie Kleinenborstel wahrgenommen und vor allem genutzt wird. Und ganz uneitel darf ich sagen: Das ist uns gelungen. Der Verein agiert erfolgreich in diesem doch eher abstrakten Bereich, kann aber auch in der ganz praktischen Arbeit eine erstaunliche Bilanz vorlegen.

Und die wäre?

Markant wird diese koordinierende Rolle bei den vielen teilweise recht erfolgreichen Teilnahmen am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Doch das Herz des HVV ist sicherlich die Fehsenfeldsche Mühle. Viermal im Jahr veranstalten wir einen Mühlentag, einmal jährlich findet der familienfreundliche und generationsübergreifende Mühlenlauf statt. Hier gibt es Trauungen, Führungen, Konzerte, Ausstellungen und Puppentheater. Weitere Säulen sind unsere plattdeutsche Theatergruppe, der Fotoclub, die Kulturplattform mit den in jedem Jahr in allen Ortsteilen stattfindenden Literaturtagen und den zahlreichen Konzerten, die sich unter anderem der Flüchtlingsintegration widmen. Außerdem die Arbeitsgruppe „Bunte Wege“.

Was verbirgt sich hinter der letztgenannten Gruppierung?

Die Mitglieder von „Bunte Wege“ beschäftigen sich mit der Thematik Natur- und Landschaftsschutz. Sie kümmern sich um die Erhaltung und Pflege von bunten Wegrändern, Uferstreifen, Hecken und Feldrainen vor dem Hintergrund einer natürlichen Biodiversität. Es wurden in der Vergangenheit sinnvolle Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, Hecken und Bäume gepflanzt. Auch steht „Bunte Wege“ den Inhabern von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen beratend zur Seite. Das gilt übrigens auch, wenn es sich um den Erhalt historischer Gebäude handelt. Der Heimat- und Verschönerungsverein berät und unterstützt gern, wenn es um private oder öffentliche Baumaßnahmen geht. Ein attraktives und ausgewogenes Ortsbild, das sich an gewachsenen und historischen Strukturen orientiert, ist uns eine Herzensangelegenheit.

Wie steht es um die Dokumentation der Historie Martfelds?

Seit 1979 haben wir insgesamt sieben Chroniken veröffentlicht, die sich in Wort und Bild sehr detailliert mit der Vergangenheit und der Gegenwart des Dorfes auseinandersetzen. Diese Buchreihe, die natürlich sehr arbeitsintensiv ist, soll auch in Zukunft fortgesetzt werden. Mögliche Themen sind die Religions- und Kirchengeschichte sowie eine Aufarbeitung der Ereignisse während der NS-Zeit. Da sind wir dran.

Wie identifizieren sich Martfelder Neubürger mit dem Dorf?

Ich bin der Auffassung, dass die Differenzierung zwischen Neu- und Altbürger für die Entwicklung einer dörflichen Gemeinschaft wenig bringt. Grundsätzlich geht es um die Entwicklung des Interesses, sich mit seiner engeren Umwelt auseinanderzusetzen. Damit meine ich die Menschen, die Infrastruktur und die Landschaft. Und es geht darum, die Gemeinde als Lebensraum schützen zu lernen, egal, ob ich hier geboren oder zugezogen bin. Der HVV trägt mit seinem Gesamtangebot dazu bei und kann sicherlich noch mehr machen. Wir sind offen für neue Initiativen. Ehrenamtliches Engagement in der engen Vernetzung mit professionellen Stellen, wie Gemeindeverwaltung, Schule, Kreisvolkshochschule, Altenpflege … ist dabei ein zukunftsweisendes Konzept.

Gibt es seitens des HVV in diesem Jahr Aktivitäten anlässlich des 40-jährigen Jubiläums?

Fest im Terminkalender verankert ist der Sonntag, 18. September. Dann wird ein kultureller Frühschoppen in und um die Fehsenfeldsche Mühle stattfinden, in dessen Rahmen sich der HVV und seine einzelnen Arbeitsgruppen den Martfelder Bürgern und den offiziell geladenen Gästen präsentieren.

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