Notdienst macht Ärzten zu schaffen

Patienten aus Asendorf müssen sich neuen Hausarzt in der Umgebung suchen

Verschlossene Tür einer Arztpraxis
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Dr. Rosenstein musste seine Praxis in Asendorf jetzt früher als erwartet schließen. Für die Patienten beginnt eine mühsame Suche nach einem Hausarzt.

Asendorf – „Es hat sich abgezeichnet, dass es nicht weitergeht“, sagt Dr. Frank Müller, Allgemeinmediziner in Asendorf, und meint damit die aber dann doch letztlich kurzfristig erfolgte Praxisschließung seines Kollegen Dr. Wilfried Rosenstein. Es habe niemand damit gerechnet, dass es am Ende so schnell gehen würde. Für Nachfragen der Kreiszeitung war die Praxis von Dr.

Rosenstein nicht mehr zu erreichen. Fakt ist aber, dass es jetzt einen Allgemeinmediziner weniger in Asendorf gibt – dafür viele Patienten, die einen neuen Arzt ihres Vertrauens suchen. Als „total bedauerlich“ bezeichnet Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, die Praxisschließung. „Wir haben über Jahre nach einer Nachfolgeregelung gesucht“, erklärte er auf Nachfrage. Wie viele Patienten betroffen sind, sagte er aus Gründen des Datenschutzes jedoch nicht. „Für Menschen, die jetzt keinen Hausarzt mehr haben, ist das ein mühsamer Weg“, sagt der Geschäftsführer. Aber: „Jetzt gilt es zu improvisieren.“ Dazu sei man mit den niedergelassenen Ärzten im Gespräch.

Der erste Schritt in Richtung einer Lösung ist bereits gelungen: Die Hausarztpraxis Bruchhausen-Vilsen und ihre Ärzte um Dr. Nils Teucher haben sich angeboten, Patienten zu übernehmen „Da sind wir schon im dreistelligen Bereich“, berichtet Nils Teucher auf Nachfrage. Die Arbeitsbelastung für seine medizinischen Fachangestellten sei daher aktuell immens. „Wir nehmen aber noch Patienten an“, verspricht er, bittet aber zugleich um Nachsicht, dass es in der Anfangszeit zu Wartezeiten auch für die schon bestehenden Patienten kommen kann. „ Das muss sich alles erst einspielen. Wir versuchen aber, alles möglich zu machen“, sagt Dr. Nils Teucher.

Dieses Engagement ist löblich, löst aber nicht das grundsätzliche Problem: „Es gibt insgesamt einfach zu wenig Ärzte. Die Zahl der Studienplätze muss erhöht werden“, sagt Michael Schmitz von der Kassenärztlichen Vereinigung, der die Zukunft eher in Praxen sieht, in denen mehr Mediziner gemeinsam tätig sind. Zudem seien die Bedingungen für Allgemeinmediziner nicht optimal, sind sich Dr. Frank Müller und Dr. Silvia Müller-Gongoll einig, die nun gemeinsam die einzig noch verbliebene Hausarztpraxis in Asendorf betreiben.

Die Arbeitsbelastung sei hoch. „In einer ruhigen Woche arbeite ich 60 Stunden“, sagt Frank Müller. „Was uns aber vor allem zu schaffen macht, sind die Notdienste in Sulingen für die Kassenärztliche Vereinigung.“ Diese belasteten zusätzlich. „Wir sind jetzt sechs Jahre hier und haben in dieser Zeit schon Patienten von vier Praxen aus Bücken, Engeln, Sulingen und Bruchhausen-Vilsen aufgenommen, die aufgegeben haben“, sagt Frank Müller. Mit der Patientenzahl sei die Praxis bereits 20 Prozent über dem Durchschnitt. „Wir wollen eine gute Qualität bieten“, unterstreicht er. Würde er noch mehr Patienten aufnehmen, könne er diese aber nicht mehr gewährleisten. Aus der Praxis von Dr. Wilfried Rosenstein werde er daher nur einzelne Hausbesuchspatienten übernehmen.

Dass Dr. Nils Teucher jetzt ein Anlaufpunkt ist, freut die Asendorfer Mediziner. „Wir sind so froh, dass er da ist“, sagt Silvia Müller-Gongoll. Was sich ändern muss, um den Arztberuf auf dem Land attraktiv zu gestalten? Auf diese Fragen haben Frank Müller und Silvia Müller-Gongoll eine gemeinsame Antwort: Vor allem die Dienste für die Kassenärztliche Vereinigung würden junge Kollegen abschrecken. Das gelte auch für drohende Regressforderungen seitens der Krankenkassen. Zudem sei es wichtig, eine Beziehung zur Region zu haben – oder zu entwickeln. Sie seien beide dazu mit Kollegen im Gespräch. „Wenn wir jemanden fänden, wären wir auch nicht abgeneigt“, sagt Frank Müller zur Idee, einen weiteren Allgemeinmediziner in die Praxis mit aufzunehmen.

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„Wir haben einen schönen Job. Man ist nah am Menschen dran und kann etwas bewirken“, fasst Silvia Müller-Gongoll den Reiz zusammen, den der Beruf des Allgemeinmediziners für sie ausmacht. „Die Randbedingungen aber sind unschön. Wären die besser, würden das alle Ärzte machen wollen.“

Zugleich wünscht sie sich auch etwas für ihre Patienten. „Ihre Mobilität müsste besser sein.“ Denn viele Menschen seien eingeschränkt und könnten die Praxis nur mithilfe von Familienangehörigen oder mit dem Taxi erreichen. So eine Art Bürgerbus – das wäre der Wunsch der Medizinerin für eine bessere Mobilität der Menschen auf dem Land.

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