Hauptsache nicht einsam

Referenten stellen verschiedene Wohnformen in Asendorf vor

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Sie befassen sich beim von Hans-Jürgen Löhmann (Dritter von links) organisierten Seniorencafé mit neuen Wohnformen: (von links) Lothar Dreyer, Hans Bockhop, Rosita Ost, Gottfried Voß und Peter Henze.

Asendorf - Von Vivian Krause. Wie wollen wir wohnen? Diese Frage stellen sich offenbar viele Asendorfer. Denn zum jüngsten Seniorencafé kamen rund 45 Interessierte, um den Ausführungen der geladenen Referenten zum Thema „Wohnformen“ zu folgen.

Fünf Modelle stellten sie den Anwesenden vor. Einige davon gibt es bereits, andere sind im Entstehen, und wiederum andere sind bisher nur Ideen. Interessant ist dabei laut Lothar Dreyer, Mitglied der vom Rat ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe „Wohnen in Asendorf“ und Moderator der Veranstaltung, das Verhältnis von Distanz und Nähe, das je nach Wohnform variiert. Er ist sich sicher, dass es unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Bedürfnisse geben muss.

Mehrgenerationenhaus Ost-Hof

„Unsere Familie führt eine Wohngemeinschaft für Senioren“, sagte Rosita Ost. Und zwar seit rund zehn Jahren. Die jüngste Bewohnerin des Hauses an der Essener Straße 16 ist ihre zwei Jahre alte Enkeltochter, die Ältesten sind 88 Jahre alt. Im Ost-Hof gibt es Zimmer mit einer Größe zwischen 20 und 30 Quadratmetern sowie barrierefreie Badezimmer. „Die Sachen aus der eigenen Wohnung können mitgebracht werden“, sagte Ost. Die Bewohner und die Familie essen gemeinsam, es gibt Spieleabende, Ausflüge und einen Fahrdienst zum Arzt und zu Freunden. „Geburtstage werden gefeiert“, führte Ost weiter aus.

Rosita Ost und ihre Familie bieten den Bewohnern „so viel Hilfe wie nötig, aber so wenig Hilfe wie möglich“. Jeder habe seine Rückzugsmöglichkeit. Rosita Ost ist gelernte Familienpflegerin, ihre Kinder haben sich in Kursen in diese Richtung fortgebildet.

Aktuell leben an der Essener Straße vier Bewohner, mit den Familienmitgliedern sind es insgesamt elf Personen. Derzeit ist ein Platz frei, vier zusätzliche sind geplant. „Da es über zehn Jahre klappt, müssen wir irgendwas richtig machen“, schloss Ost ihre Ausführungen. Sie ist erreichbar unter Telefon 04253/801329.

Wohnprojekt „Ent-Spurt“

Auf einem Resthof am Kampsheider Weg 6 entstehen sowohl Wohnungen als auch Gemeinschaftsräume. Der Hof hat eine Fläche von rund 2,3 Hektar, die Wohnfläche beträgt 1 200 Quadratmeter. Gottfried Voß lebt schon seit rund 20 Jahren auf dem Anwesen – mit seiner Frau Sabine Voß und früher mit seinen drei Kindern. Sein zwischenzeitlich ausgezogener Sohn Laurin Voß ist jetzt wieder auf dem Hof, hilft beim Ausbau und hat eine der drei bereits fertigen Wohnungen bezogen. Sieben sollen entstehen, alle barrierefrei und altersgerecht. „Ent-Spurt“ meint generationsübergreifendes Wohnen: Insgesamt bietet der Hof später Platz für elf Bewohner im Alter von elf bis 67 Jahren. Jeder hat seine eigene Wohnung, seinen Rückzugsort und dennoch wird die Gemeinschaft großgeschrieben.

„Wir haben gerade den ersten Bauabschnitt fertig, es ist noch viel in Entstehung“, sagte Gottfried Voß. Seit Beginn der Planungen sind drei Jahre ins Land gegangen. Das Grundstück hat die Stiftung „trias“ aus Hattingen (Nordrhein-Westfalen) gekauft. Der Verein „Ent-Spurt“ pachtet es. „Keiner erwirbt Eigentum, jeder zahlt Miete“, machte Gottfried Voß klar.

Zwar sind alle Wohnungen vergeben, der Verein informiert Interessierte aber gerne (E-Mail ent-spurt@theissi.eu, Telefon 04253/801263).

Neues Leben für alten Hof Arbste 7

„Wir fühlen uns dem Kampsheider Projekt sehr verbunden“, sagte Peter Henze, der über ein angedachtes Projekt auf seinem Hof Arbste 7 informiert. Auch dort ist ein Mehrgenerationenprojekt vorgesehen. Eine kleine Gruppe sei mit der konkreten Planung beschäftigt.

Rund sieben Hektar stehen auf dem geschichtsträchtigen Anwesen dafür zur Verfügung – inklusive Hoffläche, Obstweiden sowie denkmalgeschützter Gebäude wie Scheune und Stall. Der Plan: Im ehemaligen Boxenlaufstall soll ein Wohnhaus für alle Generationen mit und ohne Handicap entstehen, großteils barrierefrei. Zudem soll es Platz für eine Pflegekraft, Gästewohnungen und Gemeinschaftsräume geben. Das Leben fügt sich ins bestehende Kulturprogramm auf dem Hof ein, das die Besitzer Peter und Vera Henze mit dem Verein „Land & Kunst“ bereits etabliert haben.

„Alles, was auf dem Hof ist, kann zum Gemeinwohl genutzt werden“, sagte Peter Henze. Potenzielle Bewohner sollten sich für Kultur, Ökologie und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften und Leben interessieren. Ein Ort, wo Jung und Alt gemeinsam leben, soll entstehen. „Die Älteren könnten auf die Kinder aufpassen, wenn deren Eltern arbeiten sind“, brachte Peter Henze ein Beispiel an. Mehr Informationen gibt er unter Telefon 04253/92011.

Sankt-Marcellus-Wohnen

Über etwas, das noch gar nicht existiert, sprach Hans Bockhop, Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Asendorf. Diese plant den Bau einer Wohngemeinschaft mit Pflegemöglichkeiten im Asendorfer Ortskern. 2014 habe man begonnen, sich innerhalb der Kirche mit dem Thema „Wohnen im Alter“ zu beschäftigen. „Vor allem Singles finden schwer eine passende Wohnung“, sagt Bockhop. Das betreffe junge Leute und alleinerziehende Mütter ebenso wie Ältere. Von Letzteren ziehen laut Bockhop viele nach Bruchhausen-Vilsen, da es dort die nötigen Wohnformen gibt. Ein Umzug sei nicht nur eine örtliche Veränderung, sondern ziehe eventuell auch den Verlust von bestehenden sozialen Kontakten nach sich. Er könne zur Einsamkeit führen.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Hans Bockhop, Lothar Dreyer, Stefan Ullmann von der Volksbank und dem Architekten Rolf Schröder, setzen sich mit dem Projekt, der Finanzierung und möglichen Standorten auseinander. Geplant ist ein Gebäude mit zehn bis zwölf Appartements und zusätzlichen Gemeinschaftsräumen. Die Bewohner zahlen die ortsübliche Miete für einen Raum mit 25 bis 50 Quadratmetern. Den Rest händeln sie in Eigenregie. Sofern sie auf Pflege angewiesen sind, können sie diese erhalten. „Das hat nichts mit einem Pflegeheim zu tun“, sagte Bockhop. Vielmehr soll das Angebot eigenständiges Wohnen in der vertrauten Umgebung ermöglichen.

Die Standortfrage sei noch nicht abschließend geklärt. Es gebe sechs Grundstücke im Ort und mehrere Bestandsimmobilien, die sich anbieten. Selbst die Alte Schule könnte in Frage kommen. „Wir haben das noch nicht zu Ende beraten“, sagte Bockhop.

Eine Fertigstellung könnte schon im Sommer 2019 erfolgen, „wenn wir langsam sind, kann es auch zwei Jahre länger dauern“. Fragen beantwortet Hans Bockhop unter der Telefonnummer 04253/92025.

Kleine Altenwohnungen

Kleine Wohnungen für Einzelpersonen und Ehepaare bietet die Wohnbau Diepholz GmbH am Kirchplatz in Asendorf an. Weitere Informationen dazu gibt es unter Telefon 05441/98820.

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