Von Hamburg nach Hollen 

Gerrit Hoss und Rike Kinnemann überzeugen auf Hoch- und Plattdeutsch

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Rike Kinnemann und Gerrit Hoss bescherten den Gästen ein beeindruckendes Konzert. 

Hollen - Von Uwe Campe. Wie schon vor einigen Wochen, reisten auch zur zweiten Veranstaltung der von der Kulturplattform im Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Martfeld präsentierten Serie „Mattfeld mokt platt“ Künstler aus Hamburg in die „Kastanie“ nach Martfeld-Hollen an. Nach der „Tüdelband“ war es diesmal der Gitarrist und Sänger Gerrit Hoss, der sich zur Verstärkung spontan die Musikerkollegin Rike Kinnemann mitgebracht hatte.

Der sonst meist mit einer größeren Live-Band auftretende Hoss ist Musiker durch und durch. In der Nähe von Itzehoe aufgewachsen, hat er im Alter von zehn Jahren begonnen, Orgel und Gitarre spielen zu lernen. Für ein Gitarrenstudium verschlug es ihn später für vier Jahre nach München, bis ihn das Heimweh – einmal Nordlicht, immer Nordlicht – in die Hansestadt zog, wo er anschließend auch seine Stimme ausbilden ließ. Heute ist der Vollblutmusiker, der inzwischen zwei Alben aufgenommen hat, auch als Songwriter und Betreiber eines Tonstudios tätig. Nachdem er seine Liebe zur plattdeutschen Sprache entdeckt hat, ist der Familienvater seit geraumer Zeit zusätzlich als Rundfunk-Autor und Moderator beim NDR beschäftigt.

Rike Kinnemann wuchs in Haldensleben auf und studierte in Würzburg Musikpädagogik, im Hauptfach Gesang und im Nebenfach Klavier. 2010 gründete sie mit drei Kollegen in Hamburg die Band „Mimi Crie“, ein Jahr später gewann sie den Preis für junge Kultur der Stadt Würzburg. Heute beschäftigt sie sich hauptberuflich mit der musikalischen Früherziehung von Kindern.

Auf der Bühne der „Kastanie“ gelang es den beiden Musikern am Samstagabend vom ersten Augenblick an, dass leider sehr überschaubare Publikum für sich einzunehmen. Locker, souverän und unprätentiös wickelten sie ihren Auftritt ab, der im Wesentlichen hoch- und plattdeutsche Lieder beinhaltete. Wie bei den jeweiligen Ausbildungen auch nicht anders zu erwarten, ließen Hoss mit tadellosem Gesang und erstklassigem Gitarrenspiel sowie die ihn dezent und einfühlsam mit Keyboard, Konzertina und nicht zuletzt ihrer wohlklingenden Stimme begleitende Kinnemann musikalisch keine Wünsche offen. Ganz Entertainer, führte Hoss die Besucher mit hanseatischem Charme zusätzlich mit Geschichten und Anekdoten durch das fast zweistündige Programm.

Den Auftakt zur ersten Konzerthälfte machten die beiden von ihm verfassten Lieder „Ünner mien Huut“ und „Ik kann dat Meer sehn“. Heiterkeit lösten dann die herrlich genuschelte Ansage des ins Plattdeutsche übertragenen Udo Lindenberg-Songs „Mein Ding“ und die vorgelesenen Gedanken über den „Kröger“ aus, der nach Beobachtung von Hoss in vielen Dörfern noch vor Bürgermeister und Pastor wichtigsten Person. Dem dann vorgetragenen niederdeutschen Volkslied „Dat du mien Leevste büst“ haben die beiden Musiker nach eigenen Worten gehörig „den Staub ausgeklopft“. Nach dem rockigen „Winnetou is dod“ ging es mit „In Hamburg verliebt“ in die Pause. Diese 2017 von Hoss in enger Zusammenarbeit mit dem NDR verfasste poetische Liebeserklärung an die Hansestadt stellt seinen bislang größten Erfolg dar.

Nach der Pause glänzten die beiden Musiker im Duett mit dem unzweideutigen „Kummst du mit mi Nahuus“, wobei Kinnemann ihre Qualitäten am Klavier einmal mehr ausspielen konnte. Mit bekannten Liedern wie dem der krabbenpulenden „Karola Petersen“ von Torfrock, aber auch weniger populären Songs wie dem witzigen „Schön aber blöd“ oder dem nachdenklichen „In disse Tied“, die wiederum von lockeren Sprüchen, aber auch tiefergehenden Anmerkungen begleitet wurden, wussten sie voll und ganz zu überzeugen. Die neueste Single „Aufs Meer“, die für Aufbruchsstimmung in stürmischen Zeiten steht, zeigt auch deutliche gesellschaftskritische Bezüge. Erläuternd stellte ihr Sänger fest: „Wir leben in einer unsicheren Zeit, wo viele Leute nicht wissen, wie es weiter geht. Da ist eine Angst vor der Zukunft.“

Klar, dass das Publikum die beiden nach dem finalen Couplet „An de Eck steit’n Jung mit’n Tüdelband“ nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen ließ, für die diese dann noch die Songs „In 500 Jahren“ und „Blots in mien Gedanken“ bereithielten. Damit endete ein beeindruckendes Konzert, das die wenigen Anwesenden sichtlich genossen haben und wohl noch lange in Erinnerung behalten werden. Eher enttäuscht zeigten sich hingegen die Organisatoren von der Kulturplattform, die angesichts des im Vorfeld betriebenen Aufwands schon einen größeren Zuspruch erwartet hatten – verdient gehabt hätte ihn der engagierte Auftritt der beiden sympathischen Hamburger allemal.

Nächste Veranstaltung:

„Omas Küche – neu interpretiert“ lautet der Titel der nächsten Veranstaltung der Serie „Mattfeld mokt platt“ – am Freitag, 12. April, im Gasthaus Dunekack in Kleinenborstel. Für die Gäste gibt es ein Drei-Gang-Menü aus regionalen Produkten sowie vor und zwischen den Speisen plattdeutsche Geschichten und Lieder. Eine ausführliche Ankündigung folgt. Weitere Infos unter www.hvv-martfeld.de.

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