Auftritt bei Robberts Huus

Hakon Mild ist Zauberer mit Karten und Gummibändern

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Karten und Gummibänder sind seine Steckenpferde: Hakon Mild schließt nicht aus, die Zauberei zu seinem Beruf zu machen. 

Martfeld - Von Vivian Krause. Hakon Mild wartet am Bahngleis auf einen Zug. Dann spricht er eine Gruppe anderer Fahrgäste an und fragt, ob sie Lust auf ein Zauberkunststück haben. Das haben sie. Schon hat er ein Gummiband in der Hand und beeindruckt die Zuschauer mit Magie: Aus zwei Gummis wird eins, er verknotet und entknotet es, reißt es auseinander, flickt es wieder zusammen. Wie das funktioniert? „Das bleibt natürlich ein Geheimnis“, sagt der 20-Jährige aus Martfeld lächelnd.

Zur Zauberei gekommen ist Hakon Mild während eines Austauschjahrs in Texas. Mit 15 Jahren verbrachte er dieses zunächst in Lubbock und dann in San Antonio. Sein erstes Kunststück lernte er dort von einem Mitschüler. Danach brachte er sich mithilfe von Internetvideos Tricks mit Karten und Gummibändern bei. Diese trägt er immer bei sich. Man weiß ja nie, wo der nächste Zuschauer wartet.

Hakon Mild reicht mir eine Karte. Darauf schreibe ich mit einem schwarzen Stift meinen Namen. Er wedelt mit der Karte, bis die Farbe getrocknet ist, faltet sie zweimal zusammen und sagt, ich soll sie mit den Zähnen festhalten.

Von seinen Eltern bekam Hakon Mild zu seinem 16. Geburtstag ein Kartenset. In den Jahren danach ist sein Zimmer, das er bis heute bewohnt, ein wahrer Fundus an Zauberequipment geworden. Hinter jeder Schranktür verbergen sich Materialien, dazu kommen ein mit einem roten Tuch bedeckter Zaubertisch und eine Reihe von Büchern zum Thema Zauberei.

Der gebürtige Flensburger, der seine Kindheit in Bremen verbrachte und jetzt in Martfeld wohnt, übt die Kunststücke zunächst allein, dann zeigt er sie der Familie oder Freunden.

Zwei Stunden Vorbereitung für zwei Minuten auf der Bühne

Zwei Minuten auf der Bühne entsprechen etwa zwei Stunden an Vorbereitungszeit, schätzt Hakon Mild. Sein erster großer Auftritt war vor rund drei Jahren beim ersten Kleinkunstfestival des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen, das er besuchte. Es folgten weitere Engagements – beispielsweise beim Hoffest des Biolandhofs Meyer-Toms in Schwarme, bei Geburtstagen und beim Neujahrsempfang der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Seit diesem Jahr gibt es mehr Anfragen, ein- bis zweimal im Monat steht eine Show an.

Bisher sind bei den Auftritten keine großen Fauxpas passiert, Lampenfieber im Vorfeld jedoch ist für den 20-Jährigen ganz normal. Auch wenn man die Kunststücke beherrscht, geht es laut ihm um viel mehr. Zwar ist die Magie das I-Tüpfelchen auf der Bühne, doch auch richtig gewählte Worte, ein wenig Theaterspiel und ein passendes Outfit gehören zur Bühnenpräsenz. Letzteres ist gerade in Planung, sagt Mild.

Ich beiße fest auf die Karte, während Hakon Mild eine andere aus dem Stapel nimmt und darauf seinen Namen schreibt. Er wartet erneut, bis die Farbe getrocknet ist, faltet die Karte zweimal und steckt sie sich zwischen die Zähne.

Das Besondere ist für Hakon Mild, seine Zuschauer zu begeistern, ihnen ein Staunen ins Gesicht zu zaubern, sie zu überraschen. Er vermeidet bewusst das Wort „Zaubertrick“. „Trick“ habe so einen eigenartigen Beigeschmack. Seine Vorbilder sind die Profizauberer Pit Hartling oder David Blaine. Bei Ersterem hat Hakon Mild bereits ein Seminar besucht.

Geduld, das richtige Equipment und ein Spiegel

Was braucht er abseits der Bühne? Ganz viel Geduld, das richtige Equipment und einen Spiegel zum Üben. „Bei einem Zauberseminar habe ich den Tipp bekommen, mich selbst zu filmen“, sagt Hakon Mild. Den Workshop des Magischen Zirkels von Deutschland (MZVD), einer internationalen Vereinigung der Zauberkünstler zur Pflege und Förderung der magischen Kunst, besuchte er in Hannover. Dort hat er nicht nur viel über die Zauberei gelernt, sondern auch Feedback von Profis bekommen. Die geben einem Tipps, die ein Laie nicht geben kann.

Jetzt kommt er auf mich zu, nimmt meine Hände und schaut mir in die Augen. Seine Konzentration ist groß, meine Erwartungen auch. Er nimmt seine Karte in den Mund, zieht sie wieder hervor und faltet sie auseinander.

Der große Traum des Martfelders ist eine eigene Bühnenshow. Ein Ziel aller Zauberer ist ein Engagement im Magic Castle in Amerika, dem Clubhaus der Academy of Magical Arts, einer amerikanischen Vereinigung für Zauberkünstler. Ein hochgestecktes Ziel, weiß der Martfelder. Er setzt erst einmal auf Mund-zu-Mund-Propaganda und auf eine Webseite, die in Arbeit ist, um bekannter zu werden. Die Idee, die Zauberkunst zum Beruf zu machen, will er verfolgen. Dennoch schließt er ein Studium ebenfalls nicht aus. Aber auch den Beruf Tischler kann Hakon Mild sich vorstellen. Bis er sich entschieden hat, jobbt er, reist und übt das Zaubern.

Das kann doch nicht sein!

Auf der Karte, die Hakon Mild jetzt in der Hand hält, steht mein Name. Ungeduldig falte ich die Karte, die bis gerade fest zwischen meinen Zähnen steckte, auf. Dort steht „Hakon“. Das kann doch nicht sein!

Neben der Zauberei ist Hakon Mild in seiner Freizeit Mitglied des Stamms Rotmilan Bruchhausen-Vilsen im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Bis vor Kurzem leitete er dort eine Gruppe. Nachdem er sein Abitur am Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen gemacht hatte, unternahm er Reisen unter anderem nach Indien und Sri Lanka. Auch dort ließ er die Karten nicht ruhen. Im Ausland sind die Leute viel aufgeschlossener, in Deutschland geht nicht jeder auf das Angebot Milds ein, ihn zu verzaubern.

Zu erleben ist der Zauberkünstler Samstag ab 19 Uhr draußen bei Robberts Huus in Schwarme (Hoyaer Straße 2). An dem Abend steht außerdem das „1. Bremer Ukulelenorchester“ auf der Bühne.

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