Widerspruch gegen Baugenehmigung

Stallgegner werfen Kreis Fehler vor

Asendorf - Von Mareike Hahn. Die Asendorfer „Initiative für gesunde Luft – für uns und unsere Kinder“ bekommt Unterstützung vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU). Der niedersächsische Verband wirft dem Landkreis Diepholz „grobe Fehler“ bei der Genehmigung des Baus einer „Hähnchenmast-Agrarfabrik“ in Asendorf (Hardenbostel 20) vor. Er hat offiziell Widerspruch beim Kreis eingelegt. Das teilt LBU-Vertreter Eckehard Niemann aus Bienenbüttel in der Lüneburger Heide mit.

Wie berichtet, kämpft die Bürgerinitiative aus Asendorf gegen die von Landwirtin Iris Flentje geplante Anlage für bis zu 39.900 Masthähnchen. Die Sorgen insbesondere der Anwohner seien angesichts der austretenden Immissionen von antibiotika-resistenten Keimen, Feinstaub, Ammoniak oder Geruch absolut berechtigt, meint der LBU. Niederländische Untersuchungen hätten im Ein-Kilometer-Umkreis um „Intensiv-Tierhaltungsanlagen“ eine Häufung von Atemwegskrankheiten nachgewiesen.

Die nächsten beiden Wohnhäuser stehen rund 200 Meter vom Hardenbosteler Stallgelände entfernt. Ähnlich weit weg lebt auch Iris Flentje selbst. Sie erwartet durch die Hähnchenanlage „keine Beeinträchtigungen“ und versichert: „Sonst würde ich den Stall nicht bauen.“ Derzeit hält die Landwirtin auf dem Grundstück Hardenbostel 20 750 Schweine, die Schweinehaltung will sie zugunsten der Hähnchenmast aufgeben. Der Umstieg sei „notwendig, um eine Einkommensquelle für die nächste Generation zu schaffen“. Ihr Sohn werde die „bäuerliche Anlage“ führen.

Landkreis will Vorwürfe „gewissenhaft prüfen“

Der Landkreis hat Flentjes Vorhaben erlaubt. Für Eckehard Niemann vom LBU „unverständlich“. Er behauptet, dass das bisherige Genehmigungsverfahren „kaum glaubliche inhaltliche und formale Fehler und Lücken“ aufweist.

Nach Angaben von Stephan Maaß, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, prüft der Landkreis den Widerspruch. Bis zu einem Ergebnis könne es einige Monate dauern. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir grobe Fehler gemacht haben“, sagt Maaß. „Aber wir werden die vorgebrachten Punkte gewissenhaft überprüfen.“

Laut Niemann sind keine Berechnungen der Futterfläche vorhanden oder veröffentlicht, obwohl Baugesetzbuch und Rechtsprechung genau dies für das Bauen im Außenbereich verlangten. Die von der Investorin finanzierten Gutachten über die austretenden Emissionen seien nach Einschätzung eines Parallelgutachters fehlerhaft und unzureichend, ergänzt der Stallgegner. Das betreffe sowohl die mögliche Beeinträchtigung der Gesundheit, der Lebensqualität und der Immobilienwerte der Anwohner als auch die Schädigung von Flora und Fauna.

Für Landwirtin Flentje entbehren die Ängste jeglicher Grundlage

Als „besonders skandalös“ bezeichnet Diplom-Agraringenieur Niemann, „dass die Gutachterin bei den angeblichen Wirkungen eines Filters einfach Daten eingesetzt hat, obwohl der Filter für diese Immissionen gar nicht zertifiziert worden ist“.

Landwirtin Flentje teilt diese Einschätzung nicht. Sie ist – anders als die Stallgegner – davon überzeugt, dass der einzusetzende Filter auch Geruch beseitigt: „Die Zertifizierung des Filters für Geruch ist am Laufen. Das abschließende Urteil fehlt noch, aber es wird kommen.“ Für Flentje entbehren die Ängste der anderen Anwohner jeglicher Grundlage. Zumal „ein paar hundert Meter weiter ja schon ein anderer Geflügelstall steht“, sagt sie. „Und wenn ich Schweinegülle fahre, riecht das auch.“

Der LBU hat in seinem Widerspruch gegen die Baugenehmigung „weitere Mängel“ dargelegt. Dabei gehe es unter anderem um den Verbleib überschüssiger Exkremente, das vorgelegte Brandschutz-Konzept, eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung und die Erschließung der Anlage.

Niemann: Recht durch Klagen durchsetzen

LBU-Vertreter Eckehard Niemann fordert die Landkreis-Verantwortlichen auf, „die unabweisbaren Fakten im Widerspruchsverfahren endlich ernst zu nehmen, die Genehmigung zurückzunehmen und einen Baubeginn zu untersagen“. Ansonsten werde das Recht durch Klagen durchgesetzt.

Die „Initiative für gesunde Luft – für uns und unsere Kinder“ richtet morgen eine Infoveranstaltung im Gasthaus „Zum Hüttenwirt“ (ehemals Ehlers) in Scholen aus. Über die Auswirkungen von Massentierhaltung berichten Eckehard Niemann sowie Dr. Lutz Neubauer, Grundwasserexperte des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu). Alle Interessierten sind willkommen. Auch Iris Flentje ist eingeladen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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