Schlangestehen für Weihnachtsgeschenke

Kunden aus Bruchhausen-Vilsen nutzen vor Lockdown letzte Gelegenheit zum Shoppen

Kunden in Winterkleidung stehen Schlange in einem Geschäft beim Weihnachtseinkauf.
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Wer zehn Tage vor Heiligabend noch nicht alle Geschenke im Haus hat, steht jetzt Schlange. Ab morgen sind viele Geschäfte wegen des Lockdown geschlossen.

Samtgemeinde – „Der Samstag war wirklich gut, besser als jemals“, sagt Heinrich Lenzing über den 12. Dezember. Halbzeit im Weihnachtsgeschäft. Und doch klingt der Inhaber des Modehauses Siemers in Asendorf nicht begeistert. Zwölf Tage vor Heiligabend kündigte sich an, dass es zum erneuten Lockdown kommen könne, seit Sonntag ist es Gewissheit: Mode gehört nicht zu den systemrelevanten Waren und darf über den stationären Handel ab morgen nicht mehr verkauft werden. Die Geschäfte in der Samtgemeinde konnten sich gestern vor Kunden kaum retten.

„Wir haben das Personal für Montag und Dienstag aufgestockt“, berichtet Dorit Döhrmann von der Firma CE-Technik in Vilsen. Längere Öffnungszeiten, die der Gesetzgeber kurzfristig möglich gemacht hat, um die Kundenströme zu entzerren, kommen für Inhaberin Christine Ehlers aber nicht infrage. „Darüber habe ich gar nicht erst nachgedacht“, sagt sie entschlossen. Im kleinen Betrieb sei mit Warenannahme und -auslieferung, Reparaturen und Verkauf jetzt ohnehin viel zu tun. „Mehr geht nicht“, sagt die Selbstständige, die während des Lockdowns für ihre Kunden erreichbar bleibt.

Dem Gros der Einzelhändler nützten die Sonderregeln zu den Öffnungszeiten vor Ort wenig. „Ich kann doch meinen Mitarbeitern nicht von jetzt auf gleich eine Nachtschicht verordnen“, steht für Heinrich Lenzing fest. Auch die Buchhandlung Böhnert in Vilsen öffnet und schließt heute zu den gewohnten Zeiten, obwohl die Kunden das Geschäft seit Samstag förmlich stürmten. Alle verfügbaren Mitarbeiter haben gestern im Akkord beraten, kassiert, den Großteil der Waren auch noch hübsch weihnachtlich verpackt und im Blick behalten, dass sich jeder Kunde mit einem Korb ausstattet, wie die Vorgaben es vorsehen. „Ab Mittwoch geht es nur noch im Online-Shop weiter“, bedauert Filialleiterin Beate Solleder.

Mitarbeiter können keine Nachtschict einlegen

„Die Paketannahme bleibt geöffnet“, wusste Michael Flander gestern. Ob er im „Spielzeugtraum“ in Martfeld aber unter dem selben Dach und im selben Raum weiterhin auch Spielwaren verkaufen darf, konnte er noch nicht beantworten. „Die Drogerie- und Supermärkte dürfen das“, ahnte er eine ungerechte Konsequenz aus den jüngsten Verordnungen. Die Öffnungszeiten spontan zu verlängern, sei für ihn ebenso wenig machbar wie für Dominik Gutmann vom Vilser Sport- und Modegeschäft.

Während „Werkerswelt Ulrich“ heute wie gehabt um 18.30 Uhr schließt und vor dem 10. Januar, wie alle anderen Betroffenen, nicht wieder öffnen darf, reagieren einige Filialisten mit verlängerten Öffnungszeiten vor der kurzfristig angekündigten Schließung: Bei Schuhhändler Schuhmann in Broksen kann man heute bis 20 Uhr, nebenan bei depot bis 21 Uhr einkaufen.

Frisör öffnet kurzfristig auch am Montag

Einen ganzen Tag hat das Friseurteam um Birgit Kaiser gestern drangehängt. Als Sonntag vom Lockdown die Rede war, fragte sie bei den Mitarbeitern, wer Montag arbeiten könne. „Alle haben sofort ja gesagt“, freut sie sich, wenigstens einigen Kunden eine Alternative anbieten zu können. „Wir waren bis Weihnachten ausgebucht, aber das können wir mit einem Zusatztag natürlich nicht rausholen“, bedauert sie dennoch.

Die Mehrheit der Kunden, die die Kreiszeitung gestern beim Einkaufen ansprach, hatten mit Einschränkungen noch vor Weihnachten gerechnet und waren entsprechend gut vorbereitet. „Ich hatte den Lockdown bereits früher erwartet“, sagte Jürgen Schulz. Alles wichtige habe er zu Weihnachten im Haus, jetzt gucke er nur nach kleinen Aufmerksamkeiten, erzählte er am Tag bevor die meisten Läden in die Zwangspause gehen müssen. Annika Faßbauers Einkaufskorb war mit Karten, Servietten und einem Kalender gefüllt. Der kurzfristig angekündigte Lockdown bringe sie nicht aus dem Konzept.

Nach Bummeln ist mir nicht zumute

Andrea Asendorf und Tochter Lale Böttcher hingegen hatten gestern noch eine Liste abzuarbeiten. „Wir haben das Schenken zwar abgespeckt, aber es fehlen noch einige Geschenke“, verriet sie. Sie hoffte, die Ideen ohne langes Suchen noch an wenigen Adressen vor Ort zu finden, denn nach Bummeln sei ihr nicht zumute. „Um den Handel hier zu unterstützen“, betont die Schwamerin.

Aus demselben Grund habe Familie Klemke in diesem Jahr deutlich weniger im Online-Handel bestellt als noch vor einem Jahr, meint Vater Andreas. Dreiviertel der Geschenke für die beiden Kinder im Grundschulalter kommen dieses Mal aus dem örtlichen Handel.

Gemeinsam haben sich Rebecca und Hinrich Jahnel gestern am frühen Abend noch einmal in die Vilser Geschäfte gewagt. Ein Bilderrahmen fehlte noch für den Gabentisch. „Die Kinder sind groß, sollte ein Geschenk nun nicht mehr rechtzeitig zu haben sein, würden sie das verstehen“, sind sich die Eltern zweier Teenager sicher.

Wie bereits im Lockdown im Frühjahr bleiben auch in der Samtgemeinde viele Einzelhändler für ihre Kunden erreichbar und liefern Waren kontaktlos nach Hause. Ein Anruf oder Blick auf die Homepage lohnt sich.

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