Naturwissenschaften im Fokus

Gymnasium Bruchhausen-Vilsen erhält Zertifikat „MINT-freundlich“

Drei Schülerinnen experimentieren zu Thema Wirbelsäule
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Fenja Barwig, Charlotte Dahnke und Katharina Busch (von links) aus dem 13. Jahrgang des Gymnasiums bereiten den Forschertag für Grundschüler vor – auch ein Aspekt der MINT-freundlichen Schule.

Br.-Vilsen – Die „Wall of Fame“ am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen ist um eine Plakette reicher. Neben „Umweltschule“ und „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“ darf sich die Lehranstalt jetzt auch mit der Auszeichnung „MINT-freundlich“ zieren.

MINT als Kurzform für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gehört noch nicht zur Umgangssprache. Eben deshalb richten Land und Bildungsträger die Aufmerksamkeit auf das, was in der Gesellschaft unterrepräsentiert ist: Auf Anfänger in den MINT-Studiengängen und dabei besonders auf die Erhöhung des Frauenanteils sowie darauf, Qualität in Ausbildung und Studium in diesen Bereichen zu sichern und zu steigern, hieß es bei der Preisverleihung durch das Niedersächsische Kultusministerium und die Nationalen Initiative „MINT Zukunft schaffen“, an der die Abordnung des Gymnasiums wegen der Corona-Einschränkungen in digitaler Form teilnahm.

Sechs Schulen in Niedersachsen erhielten diese Auszeichnung zum ersten Mal, 13 weitere dürfen das Signet drei weitere Jahre tragen. Für Bruchhausen-Vilsen hat es im ersten Anlauf geklappt, berichtet Dr. Johannes Rethfeld stolz. „Das Zertifikat fordert von uns eine stetige Entwicklung“, erklärt er als Mitglied der Schulleitung und Verantwortlicher für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen an der Schule. Er hatte eingeladen, um die MINT-Stärken des Gymnasiums vorzustellen. Und richtete dabei die Aufmerksamkeit vor allem auf die Bereiche, in denen Schüler nicht nur Lernen, sondern Lehren.

„Wenn ältere Schüler einem etwas erklären, kommt das anders, besser rüber als im normalen Unterricht“, meint Jan Wicke. Er gehört im elften Jahrgang zu der Gruppe um Lehrkraft Carolin Schreiber, die die achten Klassen durch das Projekt „Klarsicht“ führt, das sich der Prävention von Alkohol- und Drogenmissbrauch widmet. Die Elftklässler vertiefen den Stoff zunächst selbst, um ihn dann mithilfe von verschiedensten Unterrichtsmaterialien weiterzugeben. Der didaktische Ansatz fließt in eine schriftliche Arbeit und damit in die Note ein.

Ähnlich arbeitet der 13. Jahrgang im Seminarfach „Der moderne Mensch und seine Umwelt“. Die Gruppe um Luisa Huesmann bereitet gerade den sogenannten Forschertag vor, zu dem das Gymnasium jeweils im Dezember Kinder der vier Grundschulen aus der Samtgemeinde einlädt. Jeweils vier oder fünf Mädchen und Jungen, die dort ein besonderes Interesse an Naturwissenschaften zeigen, dürfen mit den angehenden Abiturienten in ganz unterschiedlichen Feldern experimentieren. Wie eine Wirbelsäule aufgebaut sein muss, um Lasten tragen zu können, werden Fenja Barwig, Charlotte Dahnke und Katharina Busch ihren kleinen Gästen demnächst vermitteln. Bis dahin tüfteln sie an Anschauungs- und Übungsmaterial sowie einem Konzept für ihre etwa 30-minütige Einheit, an deren Ende die Viertklässler eine Getränkekiste nach allen Regeln der Kunst selbst heben sollen.

„Es bringt mir etwas Positives, wenn ich die Zusammenhänge kennenlerne“, greift Benjamin Stumpe dieses Beispiel auf und veranschaulicht das Ziel, das hinter MINT-freundlich steht. Der Leiter der Fachschaft Mathematik hatte sich wesentlich um die Bewerbung für das Zertifikat gekümmert. „Dafür mussten wir nichts erfinden oder einführen, sondern wir haben Vorhandenes bewerten lassen“, sagt Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen. Und betont: Ein Zertifikat bringt nur etwas, wenn es an der Schule auch gelebt wird.

Dass das in besonderem Maße für das T in MINT für Technik zutrifft, stellt die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft vor. Luca Wendte, einer der erfahrensten im achtköpfigen Team um Schulassistent Frank Wessels, bezeichnet die AG sogar als „ideale Berufsvorbereitung“, wolle man Veranstaltungstechniker werden. Ohne die „Teckies“ geht bei Veranstaltungen am Gymnasium nichts. Mit großer Eigenverantwortung sind sie für Bühnen-, Licht- und Tontechnik verantwortlich. Die Elftklässler Luca und Julian Braun sind mittlerweile Profis für guten Sound und passendes Licht, die Sechstklässler Leon Behrens und Mattis Ludewig wollen einmal in deren Fußstapfen treten. „Die sind cool“, beschreibt Leon seinen ersten Eindruck der älteren Mitschüler am Mischpult.

Dass die Technik-AG ausschließlich männlich besetzt ist, ist zum Stichwort Frauenanteil nicht das beste, aber ein realistisches Bild. „Das klassische Rollenbild ist in der Gesellschaft noch vorhanden“, beobachtet Stumpe ebenso wie einen Wandel desselben: In den vergangenen zehn, zwanzig Jahren hat sich einiges geändert. „In der Umwelt-AG engagieren sich derzeit ausschließlich Mädchen“, hat Carolin Schreiber das Gegenbeispiel parat.

Kultusminister Grant Henrik Tonne lobt in seinem Grußwort zur Verleihung als richtig und gut, dass sich „Kinder und Jugendliche für ihr Umfeld, ihre Umwelt und ihre Zukunft interessieren und immer mehr engagieren“ und sprach die Bewegung „Fridays for Future“ an. Doch „ohne wissenschaftliche Erkenntnisse ist es schwer, den Klimawandel zu verstehen und ihm zu begegnen“. Das Land Niedersachsen sei sich dieser bildungspolitischen Herausforderung bewusst. Die ausgezeichneten Schulen stellten mit ihren MINT-Schwerpunkten die richtigen Weichen für eine klimafreundliche Forschung und dringend gesuchte Fachkräfte. Jetzt auch in Bruchhausen-Vilsen.

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